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Die Hautflora

  • SendeterminDienstag, 13. April 2004, 21.00 - 21.45 Uhr .

Schützende Hülle

Foto/Grafik: Nahaufnahme der menschlichen Haut mit
Schweißperlen, Haaren und Poren
Die Haut ist unser größtes Organ.

Die Haut ist mit rund zwei Quadratmetern Fläche unser größtes Organ. Sie warnt uns mit Schmerzrezeptoren zum Beispiel vor Verbrennungen und kühlt uns im Sommer durch die Schweißdrüsen. Sie grenzt uns gegen die Umwelt ab und schützt vor äußeren Einflüssen. Aber dabei ist sie nicht allein: Unsere gesunde Haut ist dicht von einem Bakterienrasen besiedelt – der Hautflora. Wer jetzt denkt: "Igitt!", sollte einmal genauer hinschauen.

Manche Bakterien mögen's sauer

Die Bakterien unserer gesunden Hautflora haben zwei wichtige Funktionen: Sie trainieren unser Immunsystem und sie schützen uns vor schädlichen Keimen. Die für uns so nützlichen Bakterien sind gut an die Bedingungen unserer Haut angepasst, genauer gesagt an den dünnen, sauren Film auf unserer Haut – den Säureschutzmantel. Er entsteht vor allem durchs Schwitzen, denn unser Schweiß ist sauer. Der Säureschutzmantel hat einen StichwortpH-Wert von etwa 4 bis 6,5. Das ist der ideale  pH-Wert für die dauernden Mitbewohner auf unserer Haut. Unter ihnen kommt das Bakterium Staphylococcus epidermidis besonders häufig vor. Je nach Hautregion wachsen unterschiedlich viele Keime: So wachsen am Rücken etwa 1.000 Keime pro Quadratzenitmeter, unter den Achseln dagegen, wo es viel feuchter ist, etwa 100.000. Auf jeden Fall wachsen die Keime unserer Hautflora so dicht, dass sie uns vor schädlichen Keimen wie zum Beispiel dem Eitererreger Staphylococcus aureus schützen. Diese Keime sind zwar in geringer Anzahl auf der Haut vorhanden, haben aber keine Chance, sich zu vermehren.

Ein tägliches Ritual

Foto: Hände seifen sich ein
Zu intensives und häufiges Waschen schädigt Haut und Hautflora

Einige tun's morgens nach dem Aufstehen, manche tun's abends vor dem Zubettgehen, viele machen's täglich: Sie steigen unter die Dusche und rücken dem Schmutz auf der Haut mit Seife zu Leibe. Aber die Seife greift auch die Bakterien an. In der Seife befinden sich waschaktive Substanzen, die so genannten StichwortTenside. Sie umhüllen nicht nur Schmutzpartikel, sondern auch Bakterien und lösen sie so von der Haut ab. In dieser Hülle werden sie dann mit dem Wasser weggeschwemmt – so entstehen Lücken im Bakterienrasen. Normalerweise vermehren sich die Bakterien nach dem Waschen von selbst und schließen die Lücken wieder. Bei zu häufigem und intensivem Waschen entstehen aber größere Lücken. Darüber hinaus kann sich der pH-Wert unserer Haut ins Basische verschieben. Dieses Milieu ist dann ideal für schädliche Bakterien, wie den schon erwähnten Erreger Staphylococcus aureus. Diese Bakterien können sich dann vermehren und sogar zu dauerhaften Besiedlern werden. Auf der Hautoberfläche sind sie noch kein Problem. Aber wir haben ständig mikroskopisch kleine Wunden in der Haut: In diese können die Bakterien eindringen und sich dort vermehren. Die Wunden entzünden sich dann und manchmal bildet sich sogar Eiter.

Wie oft ist zu oft?

Foto: Hände cremen Kinn und Wangen ein
Eine trockene Haut entspannt sich durch Creme oder Lotion

Eine generelle Regel für zu häufiges Duschen gibt es nicht. Das ist vom Hauttyp abhängig. Allerdings gibt es eindeutige Zeichen für zu häufige Reinigung: Wenn die Haut gerötet, rissig oder schuppig ist, wenn sie spannt und juckt, ist die Haut überfordert. Sie kann sich dann nicht mehr so gut von selbst regenerieren. DermatologInnen empfehlen bei empfindlicher Haut Waschsubstanzen mit einem pH-Wert, der dem der Haut entspricht. Die meisten normalen Seifen sind basisch und können eine ohnehin trockene oder geschädigte Haut noch zusätzlich angreifen. Auf manchen Kosmetika steht die Bezeichnung "pH-neutral": Damit ist ein pH-Wert um 5,5 gemeint, der dem Wert der Haut entspricht und den Säureschutzmantel der Haut daher nicht angreift.

Nicht immer schädlich

Eine gesunde Haut regeneriert sich von selbst wieder, wenn sie nicht überstrapaziert wird. Durch den Schweiß bildet sich wieder ein Säureschutzmantel. Und auch die Fette, die der Haut durch das Duschen entzogen werden, bildet sie normalerweise selbst. Auch die Hautflora kann sich auf normaler, gesunder Haut wieder von ganz allein erholen. Die Bakterien vermehren sich erneut und legen sich dann wie ein schützender Mantel um unsere Haut. Übrigens: ExpertInnen raten von Desinfektionsmittel für den Haushalt ab. Erstens tötet man auch damit nicht alle Bakterien – es werden also immer auch schädliche übrig bleiben. Zweitens tötet man damit auch die für uns nützlichen Bakterien und schafft damit Platz für die schädlichen. Und drittens belastet man damit die Umwelt – und das alles ganz umsonst, sagen die Fachleute.

Stichwörter

1 pH-Wert
Der pH-Wert gibt an, wie hoch die Konzentration der Wasserstoffionen in Lösungen ist und somit, ob es sich um eine saure oder um eine basische Lösung handelt. Bei hoher Konzentration der Wasserstoffionen ist der pH-Wert niedrig (unter sieben), die Lösung hat dann sauren Charakter, bei niedriger Konzentration liegt der pH-Wert über sieben und die Lösung ist basisch. Zurück zum Absatz
2 Tenside
Tenside ( z. B. Seifen) sind Stoffe, die die Grenzflächenspannung erniedrigen und somit die Emulgierung nichtmischbarer Flüssigkeiten fördern. Ihr Einsatz ist immer dann erforderlich, wenn Grundflächen miteinander in Wechselwirkung treten. Dies ist z. B. bei Wasch- und Reinigungsvorgängen der Fall, aber auch bei der Textilveredelung oder bei der Herstellung von Kunststoffen und Lacken. Zurück zum Absatz
Autor:

Tanja Winkler

Stand: 13.04.2004


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