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Quarks & Co
Sendung vom 27. April 2004
Wassertransport
Zwischen März und April erwacht die Eiche aus ihrer Winterruhe. In jedem Jahr hat sie dann das gleiche Problem: Wie kann sie das erste frische Wasser vom Boden bis in die Krone transportieren?
Pilze im Waldboden helfen dabei. Mit ihren langen Fäden sammeln sie das Wasser aus der Umgebung und geben es an die Wurzel ab. Der Baum wendet bei der Wasseraufnahme aus den Pilzfäden einen Trick an: In den Zellen der Wurzeln setzt er Traubenzucker frei, in den äußeren Zellen wenig, in den inneren Zellen mehr. Der Zucker zieht das Wasser an. Es folgt der steigenden Zuckerkonzentration und strömt aus den Pilzfäden in die äußeren Wurzelzellen und von dort Zelle für Zelle bis in die Leitungsbahnen im Innern der Wurzel.
Zur gleichen Zeit baut der Baum im Stamm – dicht unterhalb der Rinde – neue Leitungsbahnen. Schon bei der Entstehung sind sie mit Wasser gefüllt. Langsam rückt das Wasser aus der Wurzel nach.
Auch im Stamm nutzt der Baum – wie in der Wurzel – Traubenzucker, um das Wasser zu transportieren. In den Seitenkanälen der neu gebildeten Leitungsbahnen setzt er Zucker frei und gibt ihn in die Leitungsbahnen ab. Wieder folgt das Wasser dem Zucker und wird langsam in die Höhe transportiert.
Der Wassertransport mit Hilfe des Zuckers geht sehr langsam. Kaum mehr als einen Meter legt das Wasser pro Tag zurück. Zug um Zug kämpft es sich bis in die Spitzen jedes kleinen Astes. Dort füllt es die Zellen der Blattknospen. Die Zellen strecken sich und die ersten frischen Eichenblätter wachsen heran. Innerhalb von nur einer Woche entwickeln sich alle Knospen zu Blättern.
Haben sich die Blätter entfaltet, macht sich die Eiche
einen höchst effektiven Mechanismus des Wassertransportes
zunutze: die
Transpiration. Über die
Spaltöffnungen an der
Blattunterseite verdunstet Wasser. So entsteht ein Sog, der Wasser
und Nährsalze aus der Wurzel bis in die Blätter
zieht.
In den Blättern nutzt der Baum das Wasser, um neuen
Traubenzucker zu bilden. Diesen Prozess nennt man
Photosynthese. Über spezielle Bahnen
gelangt der Traubenzucker in alle Teile der Eiche. Er ernährt
den Baum und versorgt ihn mit Energie. Doch die Eiche verbraucht
nicht den gesamten Zucker. Einen Teil nutzt sie, um die
Zuckerspeicher in den Seitenkanälen des Stammes
aufzufüllen.
Auch in der Wurzel legt die Eiche neue Zuckerreserven an. Dabei verbinden sich die Zuckermoleküle zu langen, verknäulten Ketten, der Stärke. Sie dient dem Baum als Energiereserve für den Winter. Aber sie hat noch eine andere entscheidende Aufgabe: Aus ihr bildet der Baum im nächsten Frühling Traubenzucker, mit dessen Hilfe wieder frisches Wasser von den Wurzeln in die Krone gelangt.
Wolfgang Meschede
Stand: 27.04.2004
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