Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
Wissen
Quarks & Co
Sendung vom 11. Mai 2004
Klonen in Korea
Die beiden koreanischen Forscher Woo Suk Hwang und Shin Yong Moon haben einen menschlichen Embryo bis zum 200-Zell-Stadium geklont! Das haben sie Anfang 2004 inder Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht. Nie zuvor war das Klonen menschlicher Zellen über das Achtzell-Stadium hinaus dokumentiert worden. Das Ziel der Koreaner: aus dem geklonten menschlichen Embryo eine so genannte Stammzelllinie zu entwickeln: Die Stammzellen sollen damit immer wieder verfügbar sein, ein unerschöpfliches Lager also. Hwang und Moon betonen, dass sie nicht reproduktiv klonen, die Embryos also nicht in die Gebärmutter einer Frau einsetzen. Vielmehr ist es ihr Ziel, aus geklonten Embryos menschliches Gewebe zu züchten, um damit in der Zukunft einmal Krankheiten heilen zu können, das so genannte therapeutische Klonen. Aus den Zellen des Embryos konnten sie bereits Vorstufen von menschlichem Nerven-, Muskel- und Knorpelgewebe züchten.
Die Technik des Klonens erproben die koreanischen Forscher bereits seit Jahren an Tieren. Der Veterinärmediziner Woo Suk Hwang hat seit 2001 mehr etwa 50 Kühe und Schweine geklont. Ein Ziel seiner Forschungen ist die so genannte Xenotransplantation: Zellen aus geklonten Embryos oder sogar ganze Organe des Schweins sollen in den menschlichen Körper transplantiert werden. Bei diesen Experimenten hatten die koreanischen Wissenschaftler ihre Erfahrungen gesammelt. Und so wagten sie sich auch an das Klonen von menschlichen Embryos. Die Forscher wenden dabei dieselben Techniken an, die sich beim Klonen von Tieren bereits bewährt haben: Sie verbesserten dabei die Methoden systematisch: Beim Entkernen der Eizelle saugen die Forscher den Zellkern nicht wie üblich heraus, sondern drücken ihn durch ein Loch in der Außenhülle – für die empfindliche Eizelle soll das Verfahren schonender sein. Außerdem lassen die Koreaner die Eizellen nach der Übertragung des Zellkerns über zwei Stunden in der Nährlösung ruhen – das ist länger als allgemein üblich.
Dass ausgerechnet in Korea ein menschlicher Embryo geklont wurde, ist kein Zufall. Im Gegensatz zu Deutschland ist der Umgang mit menschlichen Eizellen und Stammzellen in Korea bis heute nicht gesetzlich geregelt. Nur reproduktives Klonen und die Erzeugung von Mischwesen sind definitiv verboten. Erst ab 2005 soll der Umgang mit Stammzellen neu und wahrscheinlich auch strenger geregelt werden. Neben industriellen Geldgebern hat die koreanische Regierung im vergangenen Jahr fast 500 000 Dollar in die Klonforschung investiert. Die Ausrüstungen der Labore sind auf dem neusten Stand. Korea ist, wie viele andere asiatische Staaten auch, sehr ehrgeizig in Sachen Biotechnologie und setzt alles daran, die Forschungen voranzutreiben. Vielleicht ist das der Grund dafür, warum ethischen Fragen bei dem Klon-Experiment fast vollständig in den Hintergrund traten. Von jener Ethikkommission, die das Klonexperiment von Hwang und Moon billigte, existieren weder Protokolle noch eine offizielle Mitgliederliste. Zwar gibt es auch in Korea Kritiker und Gegner der Klonforschung, aber sie konnten das Experiment letzten Endes nicht verhindern.
Für das koreanische Experiment gab es eine wichtige Voraussetzung: Den Forschern standen 242 menschliche Eizellen zur Verfügung, also viel "biologisches Material". 16 junge Koreanerinnen spendeten die Eizellen - nach Angaben der Forscher freiwillig und ohne Bezahlung. Das ist erstaunlich, zumal die Frauen eine monatelange Hormonbehandlung und einen schmerzhaften Eingriff über sich ergehen lassen mussten. Betreut wurden die Frauen vom Gynäkologen Professor Shin Yong Moon. Nach dem Erfolg, so Moon, hätte er neue Spenderangebote von vielen Koreanerinnen bekommen. Dieses Verhalten der Frauen führt zu Gerüchten - auch in Korea selbst. Vermutungen, die Spenderinnen stammten aus dem Laborteam von Hwang und Moon, weisen die Forscher strikt zurück.
Ilka aus der Mark
Stand: 10.04.2007
Seite teilen