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Reproduktives Klonen theoretisch ganz einfach

  • SendeterminDienstag, 11. Mai 2004, 21.00 - 21.45 Uhr .
Foto: Dolly, Nahaufnahme vom Kopf im Stall; Rechte: WDR-TV
Dolly war eine Sensation!

Das Schaf Dolly war das erste Säugetier, das reproduktiv geklont wurde. Es kam am 5. Juli 1996 in Schottland im Roslin-Institute zur Welt. Dolly war die perfekte Kopie ihrer "Mutter" – eines sechs Jahre alten Schafes.

Der Geburt von Dolly war eine aufwändige Prozedur vorangegangen. Die Forscher entnahmen einem Schaf eine Eizelle und entfernten deren Zellkern mit der gesamten Erbinformation. Dollys "Mutter" wurde eine Euterzelle entnommen und deren Zellkern in die leere Hülle der entkernten Eizelle eingesetzt. Hier sollte sich der fremde Kern wieder zurückentwickeln: Vom Kern einer ausdifferenzierten, "erwachsenen" Euterzelle zu einem embryonalen Kern. Um das zu erreichen, wenden die Forscher verschiedene Tricks an: Mit Hilfe von elektrischen Impulsen sollen Zellkern und -hülle miteinander verschmelzen. Wenn das funktioniert, beginnt sich die Eizelle zu teilen und es entwickelt sich ein Klon-Embryo. Bei Dolly hat das geklappt: Der Embryo wurde einem Leihmutterschaf eingepflanzt, das ein paar Monate später ein gesundes Lamm zur Welt brachte: Dolly – eine genetisch exakte Kopie eines erwachsenen Schafes.

Klonen – in der Praxis schwierig

Bis Dolly das Licht der Welt erblickte, wurde diese Prozedur 277 Mal durchgeführt: 277 Zellkerne wurden in 277 Spender-Eizellen eingesetzt und über zehn Jahre lang in insgesamt 13 Leihmütter eingepflanzt. Nur eine dieser Schwangerschaften verlief erfolgreich.

Die Kopie ist nie so gut wie das Original

Foto: Dolly im Stall, Nahaufnahme; Rechte: WDR-TV
Dolly musste eingeschläfert werden.

Dolly hatte Übergewicht und musste Diät halten. Sie bekam mit 5 ½ Jahren entzündliches Rheuma, also Arthritis und sie alterte viel zu schnell. Im Februar 2003 musste sie wegen einer Lungenentzündung eingeschläfert werden. Sie wurde nur 6 ½ Jahre alt, obwohl Schafe normalerweise mehr als doppelt so alt werden.

Krank durch Klonen

Foto: Sterbendes Kalb; Rechte: WDR-TV
Die Schäden bei Klontieren sind ganz unterschiedlich: Dieses Kalb stirbt an Anämie.

Hinter jedem Klontier, das auf die Welt kommt, verbergen sich im Durchschnitt 100 Embryonen, die es nicht geschafft haben. Die Hälfte stirbt noch kurz vor oder nach der Geburt. Die Schäden sind vielfältig: Oft sind die Organe nicht funktionsfähig oder die Tiere leiden an Immundefekten oder Blutarmut. Besonders häufig kommen die Tiere übergroß zur Welt – die Forscher nennen das das "Large Offspring Syndrome" LOS. Diese Entwicklungsstörung entsteht durch eine gestörte Regulation der Zellen, dadurch wird der Körper zu groß und die Gliedmassen verkümmern. Doch selbst wenn ein Tier die ersten Lebensmonate übersteht, hat es keine Aussicht auf ein langes gesundes Leben: Klontiere sterben früher als ihre natürlich gezeugten Artgenossen, leiden häufiger an Leberschäden oder Krebs.

Klonen ohne Grenze

Inzwischen existiert ein ganzer Zoo von geklonten Tieren: Schafe, Mäuse, Kühe, Schweine, Ziegen, Kaninchen, sogar Katze, Reh, Ratte, Pferd und Muli wurden schon geklont. Alle Klonversuche an Hunden und Affen sind bisher gescheitert. Trotzdem behaupten einige, zumeist zweifelhafte Forscher seit Jahren, sie wollten den Menschen klonen.

Zweifelhafte Kloner

Foto/Grafik: Rael, der Sektenführer in Glaskugel abgebildet;
Rechte: WDR-TV
Rael – die Menschheit als großes Klonexperiment.

Im Dezember 2002 soll mit "Eve" der angeblich erste geklonte Mensch geboren worden sein. Das behauptet zumindest die Sektenbischöfin und Biochemikerin Brigitte Boisselier, Angehörige der so genannten Raelianersekte. Ernst zu nehmende Wissenschaftler sind allerdings davon überzeugt, dass es sich bei dieser Meldung lediglich um einen PR-Aktion der sekteneigenen Firma "Clonaid" handelt. Das sieht der ehemalige Schlagersänger und Rennfahrer Claude Vorilhon, alias "Rael", natürlich vollkommen anders: Er und seine Raelianer sollen nämlich im Rahmen eines großartigen Klonexperiments von Außerirdischen erschaffen worden sein. Und Klonen sei letztlich auch der Auftrag, den sie von ihrem Schöpfer erhalten haben. So wollen sie inzwischen dreizehn geklonte Babys zur Welt gebracht haben. 30 weitere seien unterwegs. Doch die Raelianer wollen bald noch ein weiteres Highlight moderner Wissenschaft setzen: Es sollen Seelen transferiert, Gedächtnisse übertragen und ein waschechtes Mammut geklont werden.

Foto/Grafik: Severino Antinori in Glaskugel abgebildet; Rechte:
WDR-TV
Severino Antinori will Menschen klonen.

Ein Wissenschaftler, den man ernster nehmen muss als die Raelianer, ist der italienische Skandal-Gynäkologe Severino Antinori. Er ist bekannt dafür, Frauen über 60 Jahren zur Schwangerschaft zu verhelfen und erklärt seit mehr als 10 Jahren auf seinen Pressekonferenzen, dass er Menschen klonen wolle. Am 5. Mai 2004 gibt er bekannt, dass drei Frauen unter seiner Obhut je ein geklontes Baby zur Welt gebracht hätten – genauere Daten, Beweise und selbst Fotos der Babys liefert er freilich nicht.

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Corinna Sachs

Stand: 11.05.2004


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Foto/Grafik: Ranga Yogeshwar mit jeweils zwei grafisch
dargestellten Köpfen rechts und links; Rechte: WDR-TV

Sagt Ihnen der Begriff Epigenetik etwas? Kennen Sie die verschiedenen Fähigkeiten von Zellen sich zu differenzieren? Oder wissen Sie, wer von sich behauptet bereits Menschen geklont zu haben? [mehr]


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