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Sendung vom 11. Mai 2004
Die Grenzen der Schöpfung warum das Klonen oft nicht klappt
In der Theorie ist Klonen denkbar einfach: Man entnehme einer Körperzelle den Kern und setze ihn in eine entkernte Eizelle. Der Kern enthält die Erbsubstanz in Form der DNA-Doppelhelix. Alle genetischen Informationen eines Lebewesens sind auf der DNA gespeichert. Sie müssen nur richtig abgelesen werden. Wissenschaftler haben bisher drei Mechanismen entdeckt, die die Informationen des Erbguts verändern können. Auch beim Klonen scheinen diese Mechanismen Ursache für die verschiedenen Fehlschläge zu sein.
Im Zellkern liegt die DNA nicht als nackter Doppelhelix-Faden. Eiweiße binden sich an das Molekül. Sie verpacken und organisieren die DNA im Zellkern. Um eine Art dieser Eiweiße – die so genannten Histone – wickelt sich die DNA wie um einen Lockenwickler. Dadurch wird das Molekül des Lebens geordnet im Zellkern untergebracht. Wenn nun die Information der DNA abgelesen werden soll, muss sich der Erbgutfaden zunächst von den Histonen abwickeln. Doch es gibt einen Mechanismus, der das Ablesen unterbinden kann. Das Histon, das die DNA trägt, ist dann chemisch blockiert und damit das Abwickeln des Erbgutfadens verhindert. Die Gene, die auf diesem Stück des Erbguts sitzen, können dann nicht abgelesen werden. Sie sind blockiert.
Die Sequenz der DNA ist aus nur vier Genbuchstaben aufgebaut -
chemisch handelt es sich hierbei um Basen: Adenin (A), Guanin (G),
Cytosin (C) und Thymin (T). Allerdings kann das Cytosin, auch
chemisch markiert werden. Methylierung nennen das die Forscher.
Etwa fünf Prozent der Base Cytosin sind im Erbgut so markiert.
Die Folge:
Das Ablese-Enzym, die Polymerase, kann nicht mehr an die DNA
andocken und das Gen ablesen. Durch die Markierung wird das gesamte
Gen, das mehrere solcher gekennzeichneter Cytosin-Moleküle
enthält, stillgelegt.
Der Bauplan eines Gens kann aber auch an anderer Stelle, außerhalb des Zellkerns, abgefangen werden. Erst vor kurzem haben die Forscher diese Möglichkeit entdeckt. Dabei wird die DNA zunächst ganz normal von der Polymerase abgelesen. Das Ablese-Enzym produziert dabei eine Genkopie, die aus dem Zellkern wandert. Und hier im Zellinneren können Abfangjäger die Genkopie zerstören. Sie tragen kurze Stücke der Ribonucleinsäure (RNA), die zur Genkopie aus dem Zellkern passen. Ausgestattet mit diesem Steckbrief können die Abfangjäger die gesuchte Genkopie gezielt aufstöbern. Anschließend zerlegen sie die Kopie. Auf diese Weise kann die Information des Gens nicht weitergeleitet werden. Das zugehörige Eiweiß wird nicht hergestellt.
Diese Eingriffe in das Ablesen der Gene nennen die
Wissenschaftler Epigenetik. Epi bedeutet im Griechischen über.
Eine Über-Genetik also. Dabei wird die Sequenz der
verschiedenen Basen, also der 4 Buchstaben nicht verändert;
sie bleibt gleich. Vergleicht man den genetischen Code des Lebens
mit einem geschriebenen Text, so bestimmen Epigenetische Prozesse,
wie und wann dieser Text gelesen wird: Die Epigenetik ist sozusagen
die Formatierung des Buch des Lebens. Es werden dabei nur einige
Anmerkungen an den Text geschrieben. Die Epigenetik markiert Teile
des Textes oder streicht einige Passagen.
Besonders wichtig ist das bei der Entwicklung der Zellen eines
Embryos. Da gibt es viele zelluläre Veränderungen. Wenn
aus einer Embryozelle eine Hautzelle wird, müssen im Erbgut
der Zelle immer wieder Gene an- und abgeschaltet werden. Das ist
die Aufgabe der Epigenetik. Denn Gene, die wichtig für die
Zelle im Embryostadium waren, werden später nicht mehr
benötigt. Solche Abschnitte der Erbsubstanz können dann
so lange stillgelegt werden, bis sie wieder gebraucht und aktiviert
werden müssen.
Marion Kerstholt
Stand: 11.05.2004