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Quarks & Co
Sendung vom 28. September 2004
War früher alles besser? Zusatzstoffe vor 100 Jahren
Wer hätte gedacht, dass das Essen vor 150 Jahren
ungesünder war als heute! Tatsächlich waren Zusatzstoffe
in Lebensmitteln früher teilweise hochgiftig, vor allem
Farbstoffe. Lebensmittel wurden schon in der
Antike gefärbt. Aber ab Mitte des
19. Jahrhunderts bekam das Färben von Lebensmitteln eine neue
Dimension. Waren die Farben vorher nur mit tierischen, pflanzlichen
und mineralischen Rohstoffen hergestellt worden, gab es
jetzt
synthetische Farben – und von
denen waren eine Menge giftig. Vielen war das nicht bewusst, und
deshalb wurden sie leichtfertig ins Essen gemischt. Mit der Farbe
wollten die Händler alte und schlechte Lebensmittel
attraktiver machen. Die Folge: Im 19. Jahrhundert litten viele
Menschen unter Vergiftungserscheinungen. Glücklicherweise
wurden den Lebensmitteln nur kleine Mengen beigemischt, so dass
immerhin kaum jemand daran gestorben ist.
Zu jener Zeit war die Farbenindustrie gerade erst entstanden.
Jetzt konnten Chemiker synthetische Farben aus Teer herstellen.
Diese (
organischen) Verbindungen waren im Vergleich
zu den (
anorganischen ) Naturfarben nuancenreicher,
farbstabiler und billiger. Auf einmal wurde alles gefärbt:
Papier, Textilien und Lebensmittel. Heute kennt die Medizin viele
Methoden um festzustellen, wie giftig ein Stoff ist. Aber damals
hinkten die Mediziner der rasanten chemischen Entwicklung
hinterher. 1887, endlich, wurden zumindest einige der giftigen
Farbstoffe verboten. Aber die Verbote gingen nicht weit genug.
Politiker machten Zugeständnisse an die Industrie. Immerhin
deckte die deutsche Farbenindustrie damals 80 Prozent des
Weltbedarfs. Die Chemie kurbelte die Wirtschaft an. Deshalb konnten
sich viele giftige Farbstoffe bis ins 20. Jh. halten.
Zu keiner Phase ihrer Nutzungsgeschichte als Lebensmittelfarbstoffe hat es eine angemessene Risikoforschung darüber gegeben, wie synthetische Farbstoffe im menschlichen Organismus wirken. Das galt für andere Zusatzstoffe genauso. Vor diesem Hintergrund trafen sich im Juni 1914 im Reichsgesundheitsamt Chemiker, Mediziner, Hygieniker und Pharmazeuten mit Vertretern der chemischen Industrie – an ihrer Spitze Carl Duisberg. Es galt zu entscheiden, ob bestimmte Konservierungsmittel verboten werden sollten, ohne dass ein wissenschaftlicher Beweis für deren Schädlichkeit vorlag. Die Mehrheit der Versammelten entschied sich am Ende gegen ein rigoroses Verbot, obwohl gegen die gesundheitliche Unbedenklichkeit dieser Stoffe begründete Zweifel bestanden. Wie das Gesetz von 1887 brachte auch diese Versammlung keine großen Veränderungen und so wurden einige giftige Zusatzstoffe bis in die 1950er Jahre ins Essen hinein gemischt.
- Pikrinsäure, mit der man Teigwaren gelb färbte. Sie ist nicht nur giftig, sondern als Pulver auch hochexplosiv und wurde bei der Herstellung von Zündhölzern und Batterien benutzt.
- Kuchen und Gebäck färbte man mit dem gelborangen Bleichromat. Das ist eigentlich eine Malerfarbe. Es ist so giftig, dass es unfruchtbar machen kann.
- Rotwein zum Beispiel sollte noch röter werden - mit Fuchsin. Weil es mit Arsensäure hergestellt wurde, blieben oft giftige Arsenspuren im Wein.
- Mit Buttergelb färbte man die weiße Margarine – die "Butter der armen Leute". Buttergelb wurde sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet, obwohl seit Jahren bekannt war, dass Buttergelb Krebs erregend ist.
Anorganische Verbindungen bestehen im Gegensatz zu organischen nicht aus Kohlenwasserstoffverbindungen und ihren Abkömmlingen (Anorganische Chemie).
Organische Verbindungen bestehen aus Kohlenwasserstoffen und ihren Abkömmlingen (Organische Chemie).
Ilka aus der Mark
Stand: 28.09.2004
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