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Quarks & Co
Sendung vom 12. Oktober 2004
Warum ein Pendel meistens Recht hat
Haben Sie schon mal gependelt? Das ist eine tolle Sache. Halten
Sie einfach ein Pendel (vgl. Bauanleitung unten) ganz
ruhig über eine Pendelkarte. Die ist wie eine Torte in mehrere
Felder aufgeteilt - und in jedem Feld steht zum Beispiel ein Beruf.
Ohne lange zu üben, wird das Pendel genau über dem Feld
schwingen, das ihrem Beruf am nächsten kommt. Aber Pendel
können angeblich noch viel mehr: Im Klappentext zum Buch
"Grundkurs Pendeln" heißt es: "Das Pendeln
wurde schon in der
Antike erfolgreich praktiziert. Es
lassen sich damit nicht nur verborgene Wasseradern oder
archäologische Schätze aufspüren, sondern auch
Fragen des Alltags beantworten wie beispielsweise: Bekommt mir
dieses Heil- oder Lebensmittel? Ist dieser Beruf der richtige
für mich? Passt mein Partner zu mir? Welche
Charaktereigenschaften habe ich selbst...?"
Pendeln, Tischerücken, Kartenlegen oder Handlesen: Knapp 60 Prozent aller Jugendlichen haben so etwas schon mal gemacht. Quarks & Co wollte dem Geheimnis des Pendels auf die Spur kommen und hat einen echten Pendel-Experten in das Kölner Irmgardis-Gymnasiums eingeladen. Ralf Wambach ist Physik- und Mathe-Lehrer. Er glaubt, dass Pendeln Hokuspokus ist. Und davon möchte er auch die Schüler überzeugen. Mit der Klasse 10 D machte er ein besonderes Experiment - im Religionsunterricht.
Er gibt vor, den Schülern das Pendeln beizubringen. Er
spricht von wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Pendeln,
zeigt Folien über die unterschiedliche Polarität von Frau
und Mann und schlägt vor, zum Üben mit dem so genannten
Geschlechterpendeln anzufangen.
Dafür wird die Klasse in zwei Gruppen geteilt. Während
die eine im Nebenraum wartet, kann die andere direkt loslegen: Die
Schüler erhalten Bilder von Männern und Frauen. Hält
man das Pendel über die Bilder, soll es sich bei Frauen im
Kreis drehen und bei Männern hin und her schwingen.
Es dauert nur kurze Zeit und das Pendel "weiß", ob
es sich auf dem Foto um eine Frau oder einen Mann handelt. Selbst
ein schneller Kartenwechsel bringt das Pendel offensichtlich nicht
durcheinander: Nach wenigen Schwingungen ändert es von der
Kreisbewegung in die Hin- und Herbewegung.
Jetzt soll die andere Gruppe das Pendeln erlernen. Was die
Schüler jedoch nicht ahnen: Die Pendelkarten in der zweiten
Gruppe sehen anders aus: Diesmal soll sich das Pendel bei
Männern im Kreis drehen und bei Frauen hin und her schwingen -
also genau umgekehrt wie bei der ersten Gruppe.
Auch bei ihnen funktioniert das Geschlechterpendeln
überzeugend.
Insgesamt liegt das Pendel bei 70 Prozent der Schüler
"immer" oder "fast immer" richtig, und 30
Prozent kreuzen nach dem Experiment an, dass es zumindest
"häufig" richtig lag.
Als die Schüler erfahren, dass die Pendelkarten der beiden
Gruppen unterschiedlich waren, wissen sie: Das Pendel bewegt sich
so, wie es einem die Symbole auf der Karte vorgegeben.
Einige Schüler waren schon von Anfang an etwas skeptisch
eingestellt: Sie probierten aus, ob das Pendel auch Recht behalten
würde, wenn man die Karten umdreht. Und siehe da: Jetzt lag
die Trefferquote deutlich niedriger.
Manch wissenschaftliche Errungenschaft hat es schwer, allgemein
bekannt zu werden. Schon seit einer Veröffentlichung von
William B.
Carpenter im Jahr 1852 ("On the
Influence of Suggestion in Modifying and directing Muscular
Movement, independently of Volition") weiß man um den so
genannten ideomotorischen Effekt - heute auch Carpenter-Effekt
genannt. Demnach bewirkt jede Bewegungsvorstellung einen Antrieb
zum Vollzug dieser Bewegung. Konkret: Das Pendel wird durch das
Unterbewusstsein angetrieben: Dass es aber überhaupt in
Schwung kommt, liegt daran, dass man seine Hand gar nicht wirklich
ruhig halten kann. Die Muskelspannung führt schon nach
kürzester Zeit zu einem Zittern. Der Puls und die Atmung
verstärken diese Bewegungen. Wenn Sie es nicht glauben, dann
probieren Sie mal Folgendes aus: Halten Sie zwei Stifte weit von
sich weg und versuchen Sie, die Spitzen ganz ruhig aneinander zu
halten.
Wenn Sie das Pendeln zuhause oder auf der nächsten Party
mal ausprobieren möchten, können Sie sich ein Pendel ganz
leicht selber bauen: Knoten Sie einen 20 bis 30 Zentimeter langen
Faden an eine Schraubenmutter.
Die meist recht teuren Pendel aus dem
Esoterikfachhandel funktionieren nach
denselben physikalischen Prinzipien - kosten dafür aber
vergleichsweise viel Geld.
Wer das Pendel-Experiment aus der Sendung in der Schule nachmachen
möchte, dem sei zur Vorbereitung das Buch von Wolfgang Hund (
vgl. bei den
Literaturtipps) empfohlen.
Axel Bach
Stand: 12.10.2004