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Quarks & Co
Sendung vom 12. Oktober 2004
Überirdisch oder doch eher irdisch eine wahre Geschichte
Ort des Geschehens: Ein abgelegenes Gehöft in der Nähe
von Bremen.
Person: Frank, ein junger, alleinstehender Mann
Die Szenerie: Frank sitzt an einem verregneten Samstag Abend
zuhause und liest.
Frank hat es sich gerade auf seinem Sofa bequem gemacht und ist mit der Lektüre eines Buches zur Geschichte Griechenlands beschäftigt, als er plötzlich eigenartige Geräusche vernimmt. Was war das? Hört er richtig oder ist es doch nur Einbildung? Er hört genauer hin, kann aber nicht erkennen, was es war. Nicht weiter beunruhigt, entschließt er sich, keine weiteren Gedanken daran zu verschwenden und liest einfach weiter.
Am nächsten Morgen: Frank frühstückt gerade, als er wieder Geräusche hört. Er vernimmt sie deutlicher als beim letzten Mal und es scheint ihm, als könnte er aus den Geräuschen Stimmen heraushören. So richtig sicher ist er sich aber nicht. Auf jeden Fall scheinen die Geräusche deutlich lauter zu sein als am Abend zuvor. Vielleicht handelt es sich ja um Botschaften aus dem Jenseits? Das kann sich Frank eigentlich nicht vorstellen, denn er glaubt nicht an Übersinnliches.
Tags darauf ist er gerade mit dem wöchentlichen Wohnungsputz beschäftigt, als Frank schon wieder Geräusche hört. Dieses Mal kann er deutlich Stimmen vernehmen. Jetzt reicht es ihm. Zusehends beunruhigt sucht er im Internet nach Hilfe. Frank stößt auf die Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg. Sie berät Menschen, die von ungewöhnlichen Phänomenen berichten und versucht gemeinsam mit ihnen, des Rätsels Lösung zu finden. Frank ruft dort an und schildert dem Berater, was in den letzten Tagen vorgefallen ist. Der meint, dass es wahrscheinlicher sei, dass Frank vergessen habe, irgendeines seiner Radios auszuschalten. Frank ist erleichtert. Vielleicht gibt es für die mysteriösen Stimmen doch noch eine einfache Erklärung.
Sofort macht sich Frank auf die Suche und stöbert hinter den Bücherregalen im Wohnzimmer. Er sucht unter dem Sofa, im Bett und im Kleiderschrank. Selbst im Stauraum im Flur schaut er nach. Aber wo immer er auch nachsieht: ein Radio kann er nirgends finden. Als er an der Küche vorbei geht fällt ihm auf, dass die Stimmen dort am lautesten sind. Jetzt kann Frank deutlich hören, dass es sich bei den Geräuschen um Radiostimmen handelt. Er testet das Küchenradio. Aber egal, ob er das Radio ein- oder ausschaltet, die Radiostimmen im Hintergrund bleiben erhalten.
Erneut ruft er bei der Beratungsstelle für übersinnliche Phänomene in Freiburg an. Der Berater, ein promovierter Physiker, hat schließlich die richtige Idee: Er fragt Frank, ob sich in der Nähe seiner Wohnung ein Mittelwellensender befände. Und tatsächlich, unweit des Gehöfts ragt ein solcher Sender in die Höhe. Der Berater erklärt ihm, dass wahrscheinlich eines seiner Küchengeräte als Radio-Empfänger fungieren. Frank beendet das Telefonat und macht sich in der Küche auf die Suche. Was kann es sein? Er lauscht an den einzelnen Küchengeräten, erst am Toaster, dann an der Kaffeemaschine und schließlich am Wasserkessel auf dem Elektroherd. Und tatsächlich, die Radiostimmen kommen aus dem Wasserkessel. Frank überprüft das, indem er den Kessel vom Herd nimmt. Sofort sind die Radiostimmen nicht mehr zu hören. Sobald er den Kessel wieder auf die Herdplatte stellte, hört er ein NDR-Radioprogramm.
Offenbar überträgt die Freileitung, die das Gehöft mit Strom versorgt, die Mittelwellenfrequenz des nahegelegenen Senders. Über die Stromleitung gelangt die Mittelwellenfrequenz bis in den Elektroherd. Eine Spule im Inneren des Herds nimmt das NDR -Radiosignal auf und leitet es in die Herdplatte weiter. Der Radiostrom versetzt die Heizspirale in der Herdplatte in Schwingung. Gleichzeitig erzeugt er ein wechselndes Magnetfeld über der Platte, so dass auch der Wasserkessel im Rhythmus der Radiofrequenz schwingt. Und schon kann Frank NDR-Radio aus seinem Wasserkessel hören.
Thomas Kresser
Stand: 12.10.2004
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