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Übersinnliche Phänomene im Test

  • SendeterminDienstag, 12. Oktober 2004, 21.00 - 21.45 Uhr .

Telepathie im Test: Das Ganzfeld-Experiment

Foto: Frau liegt auf einer Liege und eine zweite Frau führt
das Ganzfeld-Experiment durch
Abgeschottet: Eine Gedanken-Empfängerin

Eine Gruppe von Wissenschaftlern im englischen Liverpool möchte mit einem Versuch sowohl die telepatischen Fähigkeiten von Versuchspersonen, als auch den Einfluss der Versuchsleiter auf die Ergebnisse untersuchen. Sie haben sich dafür entschieden, ein sogenanntes Ganzfeld-Experiment durchzuführen.

Ganzfeld-Experimente dienen der wissenschaftlichen Untersuchung von Gedankenübertragung. Dabei gibt es einen Gedanken-Sender, einen Gedanken-Empfänger und einen Versuchsleiter. Der Gedanken-Empfänger wird vollkommen von der Außenwelt abgeschottet. Er liegt in einem Sessel und hört über Kopfhörer ein gleichmäßiges Rauschen. Seine Augen sind von halben Tischtennisbällen abgedeckt, die mit Rotlicht bestrahlt werden, damit er nur einen gleichmäßigen roten Schimmer sehen kann.

Die Wahrnehmungen des Empfängers werden ausgeschaltet, damit sich sein Gehirn ohne Störung von außen voll auf die Gedanken des Senders konzentrieren kann. Der Sender sieht sich in einem anderen Raum Videobilder an, die zufällig von einem Computer ausgewählt werden. Weder Empfänger noch Versuchsleiter wissen, welches Video der Sender gerade sieht. Der Empfänger hat eine halbe Stunde Zeit, die vom Sender übertragenen Bilder wahrzunehmen. Er versucht während dieser Zeit die vor seinem geistigen Auge erscheinenden Bilder zu beschreiben - der Versuchsleiter notiert seine Aussagen.

Nach einer halben Stunde zeigt der Versuchsleiter dem Empfänger eine Auswahl von Videos. Der Empfänger muss jetzt herausfinden, welches Video seinen während des Experiments wahrgenommenen Bildern am nächsten kommt. Der Versuchsleiter notiert sich die Wahl des Empfängers. Erst danach enthüllt der Computer, welches Video der Sender tatsächlich gesehen hat.

Gläubige und Skeptiker - Der Liverpooler Versuch

Foto: Frau (liegend) mit halben Tischtennisbällen auf den
augen
Beeinflussen skeptische Experimentatoren durch ihr Verhalten Versuchspersonen?

Die Forscher an der Liverpooler Hope Universität führen insgesamt 128 Ganzfeld-Versuche durch. Sie prüfen dabei 256 verschiedene Testpersonen als Sender und Empfänger, und 16 verschiedene Versuchsleiter.

Die Hälfte der Versuchsleiter wurde angeleitet, ein positives Ergebnis der Studie zu erwarten. Somit glauben sie, dass ihre Versuche beweisen werden, dass es Telepathie gibt. Die andere Hälfte der Versuchsleiter wurde angeleitet, keine positiven Resultate zu erwarten. Also führt diese Gruppe ihre Versuche in dem Glauben durch, dass sie keinen Beweis für Telepathie finden werden. Außerdem wurde vorher schriftlich festgehalten, ob die Versuchsleiter selbst an Telepathie glauben oder nicht. Mit einer Videokamera wird außerdem aufgezeichnet, wie sich der Versuchsleiter und seine Versuchspersonen verhalten. Die Versuchsleiter wissen dabei nicht, dass sie selbst im Mittelpunkt der Beobachtungen stehen. Sie denken, dass die Versuche nur zur Dokumentation gefilmt werden.

Die Studie soll herausfinden, ob Gedankenübertragung zwischen Sender und Empfänger möglich ist, und ob das Verhalten des Versuchsleiters einen Einfluss auf die Ergebnisse hat. Die große Anzahl von Versuchen und Versuchspersonen soll statistische Sicherheit bei der Auswertung der Ergebnisse geben.

Überraschende Ergebnisse

Foto: Untersuchungesraum in dem zwei Personen sitzen
Louie Savva wertet die Versuche aus

Die Studie wurde bisher noch nicht vollständig ausgewertet, aber erste Ergebnisse und Erfahrungen aus früheren Studien lassen überraschende Resultate erwarten.

Dem Empfänger werden am Ende des Experiments vier verschiedene Videos zur Auswahl gezeigt. Der Empfänger hat statistisch gesehen eine Chance von 1:4, das richtige Video herauszufinden. Die Trefferwahrscheinlichkeit liegt also bei 25 Prozent. Bei einigen Versuchen liegt die Trefferwahrscheinlichkeit aber bei 33 Prozent. Das heißt, dass manche Empfänger weit öfter das richtige Video erkennen als statistisch wahrscheinlich ist.

Erste Auswertungen haben ergeben, dass die Empfänger häufiger das richtige Video erkennen, wenn bestimmte Versuchsleiter den Versuch durchführen. Dies bedeutet, dass erhöhte Trefferquoten nicht von Sendern oder Empfängern abhängen, sondern davon, wer der Versuchsleiter ist. Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass die Person des Experimentators bei diesen Versuchen die Ergebnisse beeinflusst.

Mögliche Erklärungen

Foto: Mann beim Interview mit Bildschirm im Hintergrund
Beeinflusst das Verhalten des Versuchsleiters die Ergebnisse?

Die Liverpooler Forscher haben so weit wie möglich versucht, Manipulation oder Schlampigkeit auszuschließen. Sender und Empfänger kennen sich nicht, die Versuchsleiter wissen nicht, dass ihr Verhalten beobachtet wird, und weder Empfänger noch Versuchsleiter kennen die Videos, die der Sender anschaut.

Diejenigen, die an Telepathie glauben, argumentieren, dass manche Versuchsleiter selbst telepathische Fähigkeiten haben und so die Wahrnehmungen ihrer Testpersonen beeinflussen. Skeptiker übernatürlicher Phänomene erklären diesen sogenannten Experimentator-Effekt mit speziellem Verhalten der Versuchsleiter ihren Testpersonen gegenüber. Der Experimentator-Effekt ist zum Beispiel bei Arzneimittelstudien nachgewiesen worden. Wenn ein Versuchsleiter ein positives Ergebnis der Studie erwartet, wird er sich wissentlich oder unwissentlich anders gegenüber seinen Versuchspersonen verhalten als einer, der nicht an die Wirkung des Arzneimittels glaubt oder die Studie für überflüssig hält.

Diese Erwartungen oder Einstellungen können sich durch subtile Gesten, unwillkürliche Muskelanspannungen oder eine veränderte Tonlage der Stimme des Versuchsleiters äußern. Diese kleinen Hinweise werden unbewusst von der Versuchsperson wahrgenommen und beeinflussen ihr Verhalten während des Versuchs. Obwohl diese Einflüsse nur minimal und unwillkürlich sind, können sie das Resultat eines Experiments wesentlich verändern. Ob dieser Effekt auch für die Resultate der Liverpooler Versuche zutrifft, ist noch nicht geklärt. Man darf auf die vollständige Auswertung der Ergebnisse gespannt sein...

:

Tristan Chytroschek

Stand: 12.10.2004


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