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Methusalem World

Deutschland - immer leerer und immer älter

  • SendeterminDienstag, 26. Oktober 2004, 21.00 - 21.45 Uhr .

Deutschland — immer leerer und immer älter

Grafik: Darstellung einer Alterpyramide
Die Alterspyramide 1900 und die erwartete Alterspyramide 2050

Glaubt man den Berechnungen der StichwortDemografen wird es im Deutschland des Jahres 2050 etwa 30 Millionen weniger Deutsche geben als heute. Ganze 51 Millionen, statt der heute 83 Millionen Bürger, soll unsere StichwortRepublik  dann noch zählen. Doch damit noch nicht genug: Weil die Geburtenrate seit den 1960er Jahren stetig zurückgeht, nimmt der Anteil alter Menschen in der deutschen Gesellschaft zu.

Deutschland ist eine der kinderärmsten Gesellschaften der Welt — rein rechnerisch bekommt jede Frau hierzulande gerade einmal knapp 1,4 Kinder, in Ostdeutschland liegt der Wert sogar nur bei 0,77! Das ist weltweit der niedrigste jemals gemessene Wert. Zum Vergleich: Mindestens etwas mehr als 2,1 Kinder pro Frau müssen es sein, damit eine Gesellschaft ihren Bevölkerungsstand halten kann.

Während 1999 die über 65Jährigen in Deutschland etwa 15% der Bevölkerung ausmachten, werden im Jahr 2050

- bei anhaltend niedrigem Geburtenniveau,
- steigender Lebenserwartung sowie einer
- jährlichen Zuwanderung von 200.000 eher jüngeren Personen etwa 29,3 %, also knapp ein Drittel der Bevölkerung, über 65 Jahre alt sein. Das errechnete Durchschnittsalter läge dann für  Deutschland bei über 50 Jahren.

Diese Entwicklung bliebe für Deutschland nicht ohne Folgen. Um den aktuellen gesellschaftlichen Wohlstand aufrecht erhalten zu können, müssten die Deutschen dann bis zum Alter von 70 Jahren Vollzeit und danach noch einmal etwa 10 Jahre lang in Teilzeit arbeiten. So nimmt James Vaupel, Direktor am Max-Planck-Institut für Demografie in Rostock, an. Trübe Aussichten also.

Alle werden immer älter

Illustration: Darstellung einer Kirchenmesse
Illustration einer Kirchenmesse

Wissenschaftler haben verschiedene Theorien zum Alter: Alter sei ein genetisches Programm sagen die einen, andere halten das Alter für eine Folge von Verschleißerscheinungen, die sich im Lauf eines Lebens häufen. Sicher ist: Wir werden alle immer älter — die Lebenserwartung der Menschen ist in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten beträchtlich gestiegen.

1840 hatten schwedische Frauen mit Abstand die höchste Lebenserwartung: Das waren damals im Durchschnitt 45 Jahre. Heute sind Japanerinnen die Spitzenreiterinnen, was die Lebenserwartung angeht: Etwas über 85 Jahre werden sie durchschnittlich alt. Seit den ersten Messungen ist die höchste Lebenserwartung kontinuierlich um etwa 21/2 Jahre pro Jahrzehnt gestiegen — pro Jahr um drei Monate.

In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung heute bei 81,2 Jahren für Frauen und bei 75,3 Jahren für Männer. Vor 100 Jahren sah das anders aus: Die damalige Generation der 1904 Geborenen hatte die beiden  Weltkriege, die Hungerjahre danach und die Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre noch vor sich. Die – heute feststellbare – tatsächliche durchschnittliche Lebenserwartung dieser Generation lag nur etwa bei 46 Jahren.

Für Säuglinge der Gegenwart haben die Demographen andere Zahlen errechnet: Danach hat etwa jedes zweite heute Neugeborene gute Chancen, einmal 100 Jahre alt zu werden. Ein Alter, das unseren Vorfahren wie die Unsterblichkeit vorgekommen sein dürfte: So schätzen Forscher heute, dass Menschen in der Steinzeit etwa 21 Jahre alt wurden, männliche Grundbesitzer in England um 1200-1300 etwa 35 Jahre. Etwas später schlug der Schwarze Tod zu: Während die Pest in den Jahren 1350-1400 in England wütete, sank das (geschätzte) Durchschnittsalter der Grundbesitzer auf nur etwa 18 Jahre.

Als Grund für den rapiden Anstieg der Lebenserwartung in der westlichen Welt seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nennen Wissenschaftler die gestiegene Hygiene und die immer bessere medizinische Versorgung weiter Teile der Gesellschaften. Die Entwicklung weitet sich mittlerweile aus, eine "Methusalem-World", eine Welt der Alten zeichnet sich ab. Denn Tatsache ist, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen überall auf der Erde steigt.

Stichwörter

1 Demografen
Als Demografie bezeichnet man die Lehre von der Struktur und Entwicklung einer Bevölkerung. Der Demograf sucht nach Ursachen, die für einen bestimmten Verlauf der Bevölkerungsstruktur verantwortlich sind, sowie die Auswirkungen dieses Verlaufes auf die Zukunft. Zurück zum Absatz
2 Republik
Das Wort Republik leitet aus dem lateinischen Begriff "res publica" ab und bedeutet "Gemeinwesen". Als Republik bezeichnet man jeden Staat, in dem das Volk als Träger der Staatsgewalt angesehen wird. Im Gegensatz dazu geht in einer Monarchie die Staatsgewalt von einer einzelnen Person aus. Zurück zum Absatz
:

Tilman Wolff

Stand: 31.10.2006


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