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Quarks & Co
Sendung vom 26. Oktober 2004
Tierisch alt
Ein Vergleich mit der Tierwelt zeigt: Der Mensch liegt mit etwa 80 Jahren Lebenserwartung altersmäßig im Mittelfeld. Eine Riesenschildkröte wird fast 200, der Goldhamster dagegen höchstens vier Jahre alt. Warum die Lebensuhr für jedes Tier anders tickt, kann die Wissenschaft bis heute nicht beantworten. Sicher ist jedoch: Die Ursache des Alterns liegt in den Genen. Und egal wie lange ein Tier lebt, im Wesentlichen läuft immer das gleiche Programm ab: Fressen, Partnersuche und Fortpflanzung. Wenn die Tiere schließlich sterben, haben sie alle ihr biologisches Ziel erreicht: Die Erhaltung der eigenen Art.
Auf Galapagos, einer Inselgruppe rund 1000 km vor der Küste
Ecuadors, lebt der
Methusalem der Tierwelt. Die
Riesenschildkröte wird bis zu 180 Jahre alt ,ihr ganzes Leben
scheint in Zeitlupe zu vergehen. Erst mit 30 ist sie ausgewachsen
und geschlechtsreif. Von da an paart sich die
Riesenschildkröte jeden Sommer, legt etwa ein Dutzend Eier und
sorgt so für Nachkommen .
Die Fortpflanzung selbst ist ziemlich kompliziert: Nicht immer,
wenn beim Weibchen der
Eisprung erfolgt, ist auch ein
Männchen zur Stelle. Außerdem ist der Geschlechtsakt so
schwierig, dass es nur in 3% der Fälle zur Übertragung
von Spermien kommt. Damit die Paarung dennoch gelingt hat die
Riesenschildkröte einen Trick entwickelt: Die
Schildkröten paaren sich nicht nur zur fruchtbaren Zeit des
Weibchens, sondern den ganzen Sommer über immer wieder. War
das Übertragen des Samens erfolgreich, kann ihn die weibliche
Riesenschildkröte bis zum nächsten Eisprung speichern.
Etwa fünf Monate nach der Eiablage schlüpfen dann die
kleinen Schildkröten.
Unser nächster Verwandter wird maximal 60 Jahre alt. Wie der Mensch lebt der Schimpanse weit über seine fruchtbare Zeit hinaus, wird sozusagen zu Oma oder Opa. Damit gehört er zu den echten Ausnahmen im Tierreich, denn die meisten Tierarten sterben, wenn ihre fruchtbare Phase vorbei ist. Mit zehn Jahren werden Schimpansen geschlechtsreif und bereits mit zwölf bringen die Weibchen ihr erstes Affenkind zur Welt. Nach der Geburt sind die jungen Schimpansen ausgesprochene "Mama-Kindchen": Vier Jahre lang werden sie gestillt und erst, wenn sie selbst auf Partnersuche gehen, lösen sie sich aus der starken Mutterbindung. Die Mutter wird erst gegen Ende der Stillzeit wieder schwanger. Spätestens mit 45 Jahren kommen Schimpansenweibchen in die Wechseljahre. Danach leben sie noch bis zu 15 Jahre als Seniorin in ihrer Affenfamilie - Seite an Seite mit den Affensenioren.
Bei dem kleinen Nager geht alles schnell: Bereits vier Wochen nach der Geburt sind die Weibchen geschlechtsreif und gehen auf Partnersuche. Die Schwangerschaft dauert nur etwa 16 Tage! Damit hält der Goldhamster unter Säugetieren den absoluten Schnelligkeits-Rekord! Bei einem Wurf kommen bis zu zwölf Hamsterbabys zur Welt. Und bereits ein paar Wochen später kann die Hamstermutter wieder schwanger werden. Dieser Zyklus wiederholt sich, bis der Hamster im Alter von höchstens vier Jahren stirbt.
Für die Eintagsfliege läuft der genetische Film im
Zeitraffer. Als ausgewachsenes Tier bleibt ihr maximal ein Tag
Zeit, um das wichtigste biologische Ziel zu erreichen: die
Fortpflanzung.
Die Mücke wird mit der letzten Häutung zum erwachsenen
Tier und ist geschlechtsreif. Jetzt läuft die Uhr - sie sucht
sich sofort einen Partner, mit dem sie sich noch im Flug paart.
Danach wirft die Eintagsfliege die befruchteten Eier aus dem Flug
aufs Wasser und stirbt.
Bei einem derart knappen Zeitplan bleibt der Eintagsfliege am Tag
ihrer Paarung nicht einmal mehr Zeit zum Fressen.
Tobias Beck und Tanja Winkler
Stand: 31.10.2006
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