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Quarks & Co
Sendung vom 26. Oktober 2004
Schlafen im Alter
Im Schlaf regenerieren sich Körper und Seele. Über den Traum werden die Erlebnisse des Tages oder wichtige Ereignisse verarbeitet und beim Aufwachen fühlt man sich frisch und erholt. So sollte es sein. Aber in Deutschland leiden rund 40 % der über 65jährigen unter Schlafstörungen. Bei einigen ist der Schlaf nur phasenweise gestört wie zum Beispiel kurz vor Prüfungen, andere haben dauerhafte und organisch bedingte Schlafstörungen, beispielsweise durch Depressionen oder eine Schlafapnoe. Die Schlafapnoe ist eine Schlafstörung bei der es zu zum Teil lebensbedrohlichen Atemaussetzern kommt. Andere Schlafstörungen haben keine organischen Ursachen, sondern kommen zum Beispiel durch falsche Erwartungen an den eigenen Schlaf zu Stande. Auch wenn die Ursachen und das Maß der Bedrohung unterschiedlich sind, eins haben alle Schlafstörungen gemein: der Schläfer ist am nächsten Tag nicht ausgeruht und fühlt sich wie gerädert.
Im Schlaflabor kann man verschiedene Parameter messen, die zusammen ausgewertet eine Aussage über die tatsächliche Schlafqualität zulassen. Dabei zeigt sich, dass ältere Menschen im Vergleich zu jungen insgesamt kürzer schlafen, auch die einzelnen Schlafphasen sind in sich kürzer. Und der Tiefschlaf ist nicht mehr so fest wie bei jungen Menschen. Der Schlaf der Älteren ist also insgesamt leichter als in jungen Jahren und damit auch störanfälliger, sowohl gegenüber äußeren Reizen wie etwa Geräuschen, als auch gegenüber inneren Reizen wie beispielsweise Streß.
Ältere Menschen haben häufig noch ein anderes Problem:
Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus, Ihre innere Uhr funktioniert nicht mehr
so gut wie früher, Licht bedeutet für sie nicht mehr so
eindeutig "wach" und Dunkelheit ist kein so eindeutiges
Zeichen für "müde". Das liegt unter anderem an
der verminderten Hormonproduktion, die als Signale im Körper
den Schlaf-Wach-Rhythmus steuern. Zum Beispiel wird normalerweise
bei Dunkelheit das Schlaf-Hormon Melatonin produziert und bei Licht
wieder abgebaut. Dieses Hormon wird normalerweise bei genügend
Licht wieder abgebaut, man ist wach. Verbleibt es jedoch im
Körper, kann das die Ursache für eine Tagesmüdigkeit
sein.
Zusätzlich haben viele ältere Menschen häufig nicht
mehr so viele Ereignisse in ihrem Leben, die als Zeitgeber
fungieren wie die Arbeitszeiten im Beruf, gemeinsames Essen mit der
Familie oder mit Freunden oder andere Aktivitäten. Ihre Uhr
ist also verschoben, oft gehen Ältere früh zu Bett und
wachen sehr früh wieder auf.
Ältere Menschen haben also einen leichteren und kürzeren Schlaf als junge Menschen. Das muss aber nicht zu einem Problem werden. Einige Menschen gleichen die fehlende Nachtruhe mit einem kurzen Mittagsschlaf wieder aus. Nur wer lange wach liegt und grübelt, entwickelt eine Schlafstörung. Immer vorausgesetzt, es liegen keine organischen Ursachen vor. Dieser Ärger über den verlorenen Schlaf kann sich zu einer richtigen Panik vor dem Zubettgehen entwickeln, so dass sich die Erwartung wieder nicht schlafen zu können bestätigt. So reiht sich bald durchwachte Nacht an durchwachte Nacht.
In den USA wurde ein Verfahren entwickelt, das sich Schlafrestriktion nennt. Teilnehmen können Menschen mit Schlafstörungen ohne organische Ursachen. Diese Therapie wird auf jede Patientin und jeden Patienten individuell zugeschnitten und auch die bisherige Erfahrung zum Beispiel mit Schlafmitteln mit einbezogen. Das Wesentliche dieser Therapie ist der Schlafentzug. Zunächst mal hat der Patient feste Bettzeiten, in denen er liegen darf und auch wenn er erst gegen Ende der Bettzeit einschläft, muss er trotzdem aufstehen. Das führt zunächst zu einer Verschlimmerung der Müdigkeit. Aber nach einigen Wochen zeigt sich meist der erste Erfolg: Der Patient freut sich wegen der strengen Bettzeiten und der starken Übermüdung auf sein Bett. Außerdem werden die Einschlafzeiten immer kürzer. An der Uniklinik Münster und an der Uniklinik Köln werden regelmäßig solche Schlafrestriktionstherapien angeboten.
Die Schlafmediziner sprechen von richtiger Schlafhygiene, womit
nicht etwa das Zähneputzen gemeint ist. Es gibt aber einige
Tipps, die jede Frau und jeder Mann beherzigen können:
Tanja Winkler
Stand: 31.10.2006
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