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Teop - bedrohte Sprache

  • SendeterminDienstag, 23. November 2004, 21.00 - 21.45 Uhr.
Foto: Ein Mann und eine Frau sitzen am Strand unter einem Baum
Nur 6.000 Menschen auf Papua-Neuguinea sprechen die Teop-Sprache

Die Teop in Papua-Neuguinea sind ein Volk von etwa 6.000 Menschen. Ihr Leben ist geprägt vom Meer, vom nächtlichen Fischen und von den Palmen, deren Früchte sie nicht nur essen, sondern aus denen sie auch ihre Häuser bauen. Auch die Muttersprache der Teop ist von der Arbeit auf dem Meer und den Feldern beeinflusst: Ihr Wortschatz hat sich in den vergangenen Jahrhunderten dieser Lebensweise angepasst. Nun droht die Sprache Teop zu verschwinden.

Mehr als die Hälfte aller Sprachen ist bedroht

Grafik: Weltkarte auf der alle 6000 Sprachen mit Punkten
eingezeichnet sind
Weltweit gibt es etwa 6.000 Sprachen. (Auf dieser Karte ist jede Sprache durch einen roten Punkt markiert). Die meisten Sprachen gibt es rund um den Äquator, zum Beispiel in Papua-Neuguinea

Die Teop-Sprache ist kein Einzellfall. Derzeit gibt es weltweit etwa 6.000 Sprachen, von denen mehr als die Hälfte im Verlauf des nächsten Jahrhunderts vermutlich verschwinden werden. Besonders bedroht sind die vielen kleinen Sprachen, die rund um den Äquator gesprochen werden, zum Beispiel im nördlichen Südamerika, an der afrikanischen Westküste oder in Papua-Neuguinea. Allein in diesem Land gibt es über 800 Sprachen, die oft nur von jeweils wenigen hundert Menschen gesprochen werden. Doch nicht nur die Zahl der Sprecher ist entscheidend für das Überleben einer Sprache. Ob ein Volk seine Muttersprache als wertvoll empfindet und sie konsequent benutzt, ist ebenfalls ein wichtiger Faktor.

Teop oder Englisch?

Vielen Teop war lange nicht bewusst, dass ihre Muttersprache etwas Besonderes ist. Sie wurde nur mündlich überliefert und die Teop konnten sich lediglich innerhalb ihres kleinen Volkes damit verständigen. So gingen die jüngeren Teop mehr und mehr zum Englischen und der auf Neuguinea verbreiteten StichwortPidginsprache, dem so genannten Tok-Pisin, über. Eine derartige Entwicklung ist auch bei vielen anderen kleinen Sprachen zu beobachten: Die Eltern hören damit auf, mit den Kindern in ihrer Muttersprache zu sprechen; statt dessen lernen die Kinder die Sprache eines größeren Nachbarvolkes oder eine Pidgin- bzw. StichwortKreolsprache, in der sie sich besser mit Angehörigen anderer Völker verständigen können.

Forschung braucht viele Sprachen

Foto: Ulrike Mosel sitzt mit einem Teop vor einer Hütte
Die Kieler Sprachwissenschaftlerin Ulrike Mosel sammelte die Mythen der Teop auf Tonband

Doch es ist auch von Nachteil, die ursprüngliche Muttersprache aufzugeben: Stirbt eine Sprache, geht auch ein großer Teil des Wissens um Pflanzen, Medizin, Religion oder Musik eines Volkes verloren, denn bei den kleinen Sprachgemeinschaften werden diese Dinge meist nur mündlich überliefert. Außerdem fehlen der neuen Sprache oft die richtigen Worte, um die Besonderheiten einer Kultur zum Ausdruck zu bringen. So kann zum Beispiel das Englische mit seinem Wort "carry" die zahlreichen Worte, die die Teop für "tragen" benutzen, nur schlecht übersetzten: Die Teop unterscheiden zwischen:

pate: mit ausgestreckten Unterarmen vor sich her tragen
vateen: in einem Rucksack tragen
kapee: (ein Kind) auf dem Rücken tragen
kae: an einem Henkel tragen
vaadee: eine schwere Last zwischen zwei Leuten an einem Stock tragen

Auch für die Wissenschaft ist es ein Problem, wenn Sprachen wie das Teop verschwinden: Anthropologen und Kulturwissenschaftler benutzen Sprachen, um den Ursprung von Völkern und die Siedlungsgeschichte bestimmter Gebiete zu untersuchen. Und Sprachwissenschaftler schließlich erforschen möglichst viele verschiedene Sprachen, um herauszufinden, welche Elemente universell in allen Sprachen vorhanden sind, und worin sich die verschiedenen Sprachen unterscheiden.

Ein Märchenbuch auf Teop

Foto: Drei Teop Kinder lesen ein Buch
Die Kinder der Teop waren von dem ersten Buch in ihrer Sprache begeistert

Ende der 1990er Jahre begannen zwei Sprachwissenschaftlerinnen damit, die Teop-Sprache zu dokumentieren. Mit Tonbandgeräten und Videokamera fuhren Ruth Spriggs, eine australische Wissenschaftlerin, die aus dem Volk der Teop stammt, und die deutsche Linguistin Dr. Ulrike Mosel auf die Insel. Auf diese Weise entstanden nicht nur wichtige Dokumente für die Wissenschaft. Während die Teop den Wissenschaftlerinnen ihre Traditionen und Märchen erzählten, wurde den Teop bewusst, dass ihre Sprache und ihre Mythen wertvoll sind. Deshalb verfassten sie gemeinsam mit den beiden Forscherinnen ein Märchenbuch, mit dem die Kinder in der Schule nun das Lesen erlernen. Die Kinder der Teop waren begeistert. Ihre Freude an dem Buch und an ihrer Muttersprache könnte jetzt helfen, die Teop-Sprache zu erhalten.

Die Zukunft bleibt ungewiss

Vorraussagen über den Erhalt oder die Ausbreitung einer Sprache zu treffen, ist extrem schwierig, zumal die Sprachentwicklung eng mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen eines Volkes verknüpft ist. Die weltweite sprachliche Vorherrschaft des Englischen hängt zum Beispiel sehr stark mit der langen politischen Dominanz der Briten und später der Amerikaner zusammen. Aber sie beruht ebenso darauf, dass die angloamerikanische Kultur für viele Menschen nachahmenswert erschien und noch immer erscheint. So hängt das Schicksal der Teop-Sprache auch davon ab, ob die Menschen langfristig ihre traditionelle Lebensweise oder eine westlich geprägte Kultur attraktiver finden.

Stichwörter

1 Pidginsprache
Pidginsprachen sind Behelfssprachen, mit denen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft verständigen können, zum Beispiel die Pidginsprache "Tok Pisin" auf Neuguinea. Die Pidginsprache basiert auf der englischen Sprache, hat aber einen reduzierten englischen Wortschatz, eine vereinfachte Grammatik und wurde stark von einheimischen Sprachen beeinflusst. Auch in anderen Gebieten z. B. Asien und Afrika sind Pidginsprachen verbreitet. Zurück zum Absatz
2 Kreolsprache
Kreolsprachen entstanden wie die Pidginsprachen aus dem Kontakt unterschiedlicher Sprachgemeinschaften, werden aber im Gegensatz zu den Pidginsprachen als Muttersprache erworben. Zurück zum Absatz
:

Alexandra Hostert

Stand: 23.11.2004


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