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Lügendetektor

  • SendeterminDienstag, 07. Dezember 2004, 21.00 - 21.45 Uhr .

Der Lüge auf der Spur?

Foto: Aufzeichnung von Messenkurven bei einem Lügendetektor
Die aufgezeichneten Kurven eines Lügendetektors haben mit einer Lüge nichts zu tun

Hollywood spielt fleissig mit dem Klischee: Ein Krimineller wird der Lüge überführt. Die Variante: ein Beschuldigter beweist seine Unschuld und vor allem, dass er nicht gelogen hat - all das nur mit Hilfe des Lügendetektors! Aber erstaunlicherweise kann dieses Gerät weder Wahrheit noch Lügen messen, denn es gibt keine allgemeingültigen Zeichen des Körpers bei einer Lüge. Der Lügendetektor trägt seinen Namen also zu Unrecht. Dennoch misst dieses Gerät eine Körperreaktion – aber welche?

Was verrät der Körper?

Ein Teil unseres Nervensystems, das so genannte autonome Nervensystem, ist für die Aufrechterhaltung unserer Körperfunktionen zuständig. Es regelt unter anderem den Herzschlag, die Atmung und die Körpertemperatur. Dieses System reagiert auch auf Gefühle, so schlägt beispielsweise das Herz bei Angst schneller oder die Schweißdrüsen reagieren mit erhöhter Aktivität, wenn wir nervös sind.  Von allen Schweißdrüsen am Körper, reagieren vor allem die an den Hand- und Fußinnenflächen auf Emotionen.

Wichtig für die Messung mit dem Lügendetektor ist, dass diese Schweißdrüsen auch aktiviert werden, wenn der Mensch einen Gegenstand oder ein Ereignis wiedererkennt.  Die höhere Aktivität der Schweißdrüsen erhöht die Leitfähigkeit der Haut und diese Veränderung können die Wissenschaftler mit Hilfe von Elektroden messen. Diese Reaktion des Körpers auf ein Wiedererkennen bekannter Dinge oder Ereignisse  ist mit dem Willen der Testperson kaum zu beeinflussen. Es gibt zwei Testverfahren, die diese körperliche Reaktion auf unterschiedliche Weise provozieren und bewerten:

Der Tatwissenstest

Foto: An der Handinnenseite angebrachte Elektroden
Mit Hilfe von Elektroden wird gemessen, ob der Körper auf bestimmte mentale Reize reagiert

Bei diesem Test bekommt beispielsweise ein Tatverdächtiger zu mehreren Aspekten einer Tat jeweils eine Frage und mehrere plausible Antworten präsentiert. Also z. B. die folgende Frage-Antwortkombination: War der gestohlene Gegenstand in

1. einer Handtasche,
2. einer Sporttasche,
3. einer Plastiktüte,
4. einem Stoffbeutel,
5. in einem Rucksack?

Nach jeder Antwort vergehen rund 20 Sekunden, in denen die Reaktion gemessen wird. Der Täter weiß sicher, worin sich der gestohlene Gegenstand befand und wird entsprechend bei der richtigen Antwort stark reagieren. Bewertet werden alle Reaktionen im Vergleich. Wenn ein Mensch bei vielen Fragen auf die jeweils richtige – also dem Tathergang entsprechende - Antwort stark körperlich reagiert hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser Mensch die Tat aus nächster Nähe miterlebt hat, weil er so viele Details darüber weiß.

Mit diesem Test allein können Wissenschaftler allerdings nur ermitteln, ob jemand etwas über einen Tathergang weiß, nicht aber woher dieser Mensch dieses Wissen hat und ob er Täter oder nur ein Zeuge war.

Der Kontrollfragentest

Foto: Ein Mann auf einem Stuhl der mit Elektroden verkabelt ist
Eine bequeme Sitzhaltung ist wichtig, damit möglichst keine unwillkürlichen Bewegungen die Messung beeinflussen

Dieses Verfahren ist weitaus komplizierter. Es geht davon aus, dass ein Täter auf die Frage nach seiner tatsächlich begangenen Tat stärker reagiert, als auf die Frage nach einer in der Phantasie vorgestellten Tat. Das liegt ganz einfach daran, dass er die echte Tat wiedererkennt. Ein Unschuldiger hingegen soll das gegenteilige Reaktionsmuster zeigen, weil er die Tat nicht begangen hat, sich aber – wie jeder Mensch – in Gedanken schon einmal mit einem Verbrechen beschäftigt hat und dieses imaginäre Verbrechen wiedererkennt. Also wird auch hier die Körperreaktion auf ein Wiedererkennen gemessen.

Vor dem eigentlichen Test findet ein Gespräch mit einem Tatverdächtigen statt, in dessen Verlauf der Wissenschaftler Fragen entwickelt, die auf eine imaginäre Tat abzielen. Das sind die so genannten Kontrollfragen. Der Vergleich zwischen den Reaktionen auf die Kontrollfragen und den Reaktionen auf die Fragen nach der echten Tat sollen dann Rückschlüsse auf eine Täterschaft oder auf die Unschuld einer Person zulassen. Nach Meinung der Befürworter dieser Methode ist dieser Test manchmal die einzige Möglichkeit, einem Täter auf die Spur zu kommen. Gegner dieser Methode sagen, dass zu viel von der Erfahrung und den Fähigkeiten des Experimentators abhänge, vor allem bei der Entwicklung der Kontrollfragen. Außerdem reagierten beispielsweise Sexualstraftäter nicht unbedingt nach dem erwünschten Muster, sondern sie reagierten eventuell mit größerer Erregung auf eine vorgestellte Tat, vielleicht sogar noch stärker als auf die tatsächlich begangene. Kritiker dieser Methode weisen darüber hinaus auf Menschen hin, die unschuldig in amerikanischen Gefängnissen sitzen, weil der Lügendetektor angeblich ihre Schuld bewiesen hätte. Unter hohem psychischen Druck hätten diese Menschen dann falsche Geständnisse abgelegt – oft in der Hoffnung auf ein milderes Urteil.

Der Lügendetektor vor Gericht

In einigen Staaten der USA ist der Kontrollfragentest vor Gericht als Beweismittel zugelassen. Außerdem wird er dort auch bei Bewerbungsgesprächen zum Beispiel in der Sicherheitsdienst-Branche eingesetzt. In Deutschland sieht die Situation anders aus: hier ist dieser Test höchst umstritten. Ein im Auftrag des deutschen Bundesgerichtshofs erstelltes Gutachten führte dazu, dass der BGH  im Dezember 1998 den Kontrollfragentest als Beweismittel in Strafprozessen abgelehnt hat. Im Sommer 2003 folgte auch das Einsatzverbot für Zivilprozesse.

Der Tatwissenstest darf jedoch angewandt werden, wenn vorher sicher ausgeschlossen werden kann, dass die zu untersuchende Person bereits etwas über den Tathergang erfahren hat. Denn auch auf gehörte oder gelesene Details reagiert der Körper und damit auch der Lügendetektor. Zum Zeitpunkt der Hauptverhandlung sind aber oft schon allein durch die Medien zu viele Details bekannt geworden, als dass Experten den Tatwissenstest noch anwenden dürften.

Der belogene Lügendetektor

Vielleicht gibt es sie tatsächlich – wie in manchen Hollywoodfilmen –Geheimdienstagenten, die während ihrer Ausbildung gelernt haben, wie man die eigenen körperlichen Reaktionen so beherrscht, dass aus einem Schuldigen ein Unschuldiger wird. Aber für Normalsterbliche gilt das sicher nicht. Es gibt aber die Möglichkeit, beispielweise durch Bewegungen einen Test so zu verfälschen, dass er nicht mehr eindeutig auswertbar und damit unbrauchbar wird. Aber selbst das müsste man nach Ansicht von Wissenschaftlern zuerst erlernen.

:

Tanja Winkler

Stand: 07.12.2004


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