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Quarks & Co
Sendung vom 21. Dezember 2004
Die Psychologie des Schenkens
Längst nicht jedes Geschenk kommt nur direkt von Herzen.
Das jedenfalls haben Soziologen, Psychologen und Verhaltensforscher
herausgefunden und intensiv studiert. Was sie in ihren Studien
herauspräpariert haben, könnte für uns alle, die wir
schenken, von Interesse sein. So sind wir – unbewusst –
durch unsere sozialen Bindungen, Erwartungen und durch andere
Schenkende beeinflusst.
Hier einige Beispiele und "Gesetze des Schenkens" zu
Weihnachten, die Quarks & Co mit
Weihnachtsfolgen aus der
ARD -Serie "Lindenstraße" bebildert
hat:
Der Ethnologe Theodore Caplow von der Universität von Virginia erforschte in der amerikanischen Musterstadt Middletown weihnachtliches Schenkverhalten.
Bei Geschenken an entferntere Bekannte, also Menschen, die nicht aus dem unmittelbaren Familienkreis stammen, fühlen sich die Beschenkten zu einem Gegengeschenk im gleichen Wert verpflichtet. Solche Geschenke ähneln einem Tauschgeschäft, bei dem man sich gegenseitig der Aufmerksamkeit, Achtung und Wertschätzung versichert. 90 Prozent der Geschenke zu Weihnachten gelten aber den Mitgliedern der engsten Familie. Hier kommt es auf etwas anderes an, nämlich auf Emotionen. Mit dem Geschenk bringt man den Beschenkten in eine emotionale Abhängigkeit, die die Beziehung stabilisiert. Ein Gegengeschenk im gleichen Wert wird nicht erwartet. Was dagegen erwartet wird, ist, dass sich der Gegenüber freut. Und genau das sorgt in den meisten Familien für Stress unter dem Weihnachtsbaum.
David Cheal, ein amerikanischer Soziologe an der Universität Winnipeg in der kanadischen Provinz Manitoba, musste lange suchen, um genug Männer für seine Forschungen zum Schenken zu finden. Der Grund wurde schnell klar: Trotz Gleichberechtigung betrachten die meisten Menschen die jährlichen Gedanken zu den Weihnachtsgeschenken als "Frauensache". Cheal fand heraus, dass Frauen sich länger und intensiver Gedanken über die Geschenke machen – Männer dagegen entschließen sich viel schneller in Spontankäufen, die auch teurer sein dürfen. Darin spiegelt sich auch die gesellschaftliche Wahrheit wieder, dass Frauen im Schnitt weniger Geld zur Verfügung steht als Männern.
Geschenke zeigen, welches mentale und emotionale Bild der
Schenker vom Beschenkten hegt – und auch, wie er oder sie ihn
und sie haben will. So gehören die "klassischen"
Geschenke wie der Kochtopf für die Ehefrau, die Socken und
Schlipse für den Ehemann und Ernährer der Familie, das
Auto und die Eisenbahn für den Jungen und die Puppe für
das Mädchen in diese Kategorie. So werden gesellschaftliche
Stereotypen bedient.
Das weihnachtliche Schenken folgt ganz offenbar diesen Regeln und
beachtet gesellschaftliche Tabus, fanden Carole Burgoyne und
Stephen Lea von der Universität Exeter in England mit ihren
Forschungen heraus. So verraten offensichtlich für den
Beschenkten unpassende Geschenke den schlechten Geschmack des
Schenkenden – oder seine Gedankenlosigkeit. Das birgt das
Risiko, mit dem Geschenk zurückgewiesen zu werden.
Die Forscher aus Exeter interessierten sich für solche
Fehltritte beim Schenken. Schlimmster Fauxpas ist, wenn das
Geschenk nicht zum Selbstbild des Beschenkten passt. Also Achtung:
Geschenke verraten, wie wir die anderen sehen.
So fand auch der Psychologe Adrian Furnham vom University College in London heraus: Wenn das Motiv, aus dem der Schenkende schenkt, missverstanden wird, ist eine Beleidigung fast vorprogrammiert.
Heinz Greuling
Stand: 21.12.2004
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