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Gefälschte Medikamente

Schwindel kostet Menschenleben

  • SendeterminDienstag, 22. Februar 2005, 21.00 - 21.45 Uhr.

Tödliches Geschäft

Fälscher im Labor
Gefälscht wird im großen Stil, vor allem in Entwicklungsländern

Der Zugang zu einem Labor, ein bisschen chemischer Grundverstand und jede Menge kriminelle Energie - das sind die Zutaten für ein tödliches Geschäft: die Fälschung von Medikamenten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ( WHO ) ist Arzneimittelfälschung gang und gäbe. Rund zehn Prozent aller Medikamente weltweit sind Mogelpackungen: bestenfalls Imitate, schlimmstenfalls wirkungslose Attrappen oder sogar Gift. Am häufigsten betroffen sind die Entwicklungsländer, hier wird rund ein Viertel der Medikamente illegal produziert. In manchen Ländern – wie in Nigeria – ist sogar jedes zweite Mittel falsche Ware.

Hunderte von Todesopfern

Frau im Krankenhaus in Kambodscha
"Backpulver" gegen Malaria?

Die Opfer der Medikamentenfälscher zählt niemand. Häufig ist nicht einmal klar, ob Menschen an ihrer Krankheit oder an den gefälschten Medikamenten sterben. Nur spektakuläre Fälle werden international bekannt: In Nigeria starben im Jahr 1990 hundert Kinder an einem gefälschten Hustensaft. In Haiti bekamen Kinder einen mit Frostschutzmittel gestreckten Fiebersirup, für 59 von ihnen mit tödlichen Folgen. In Kambodscha starben im Jahr 2000 dreißig Menschen an Malaria. Der Grund auch hier: gefälschte und damit wirkungslose Medikamente.

Großes Geschäft – kleines Risiko

Medikamentenproduktion
Seriöse Fabrik?

Gefälscht wird alles, was der Markt hergibt. Und das sind in den Entwicklungsländern hauptsächlich Medikamente gegen Infektionskrankheiten wie Malaria, Tuberkulose und AIDS. Die Produktionsweise der Fälscher ist dabei so vielfältig wie ihre Produktpalette. In mancher Hinterhofküche werden Kapseln mit Stärke abgefüllt. Doch auch in tagsüber seriösen Fabriken pressen die Fälscher nachts ihre Pillen und verpacken sie in perfekt kopierte Kartons.

Von den Originalen sind solche Nachbildungen mit bloßem Auge kaum noch zu unterscheiden. Dabei geht es den meisten Fälschern nur um das perfekte Äußere, sie machen sich nicht die Mühe, auch die Inhaltsstoffe nachzubilden. Nach einer Studie der WHO enthalten gerade einmal 7 Prozent der Fälschungen tatsächlich den richtigen Wirkstoff in der korrekten Dosierung. 17 Prozent enthalten zwar den richtigen Wirkstoff, allerdings viel zu wenig, um wirklich heilen zu können. 16 Prozent enthalten den falschen Wirkstoff oder sind sogar mit giftigen Substanzen verunreinigt. Und mehr als die Hälfte, nämlich 60 Prozent der gefälschten Medikamente sind komplett wirkungslos.

Das tödliche Geschäft ist für die Fälscher lukrativ und ihr Risiko ist gering, denn in den meisten Entwicklungsländern gibt es keine Kontrollsysteme für Arzneimittelsicherheit. Fälschungen werden nur selten erkannt, und der Weg zu den Machern verläuft häufig im Sande.

Mit dem Mini-Lab auf Fälscher-Jagd

MiniLab
Untersuchungen mit dem MiniLab

Die Ärzte in Entwicklungsländern stehen vor einem Dilemma, denn sie wissen nie, ob das Medikament, das sie gerade verabreichen, wirklich echt ist. Meistens bleibt nichts übrig, als es einfach auszuprobieren – und das häufig mit schlimmen Folgen. Denn die Pillen-Mafia schmuggelt ihre Ware über korrupte Großhändler auch in Krankenhäuser und Apotheken. Am Ende der Kette stehen Arzt und Patient - und die Ungewissheit, ob und wie das Mittel wirkt.

Einzige Möglichkeit für die Ärzte vor Ort: selbst testen. Seit 1996 gibt es das so genannte MiniLab des German Pharma Health Fund  (GPHF). In zwei Koffern ist ein kleines Labor zum Testen von Arzneimitteln untergebracht. So können Ärzte und Apotheker auch in Entwicklungsländern nachweisen, ob eine Tablette den richtigen Wirkstoff in der richtigen Dosierung enthält. 150 solcher Koffer sind weltweit im Einsatz. Leider viel zu wenige, um überall die gefälschten Medikamente zu entlarven.

In Deutschland greift die Kontrolle

In Deutschland muss man sich übrigens kaum Sorgen vor Arzneimittelfälschungen machen. In den Jahren 1996 bis 2002 sind gerade mal 26 Fälle gefälschter Medikamente bekannt geworden, wobei in den meisten Fällen nur der Beipackzettel gefälscht war. Bei rund 1,6 Milliarden verkauften Arzneimitteln pro Jahr in Deutschland ist das nicht viel. Den Verbraucher haben die gefälschten Medikamente jedoch gar nicht erst erreicht, dafür sorgte das dichte Kontrollsystem: Jeder Apotheker ist gesetzlich dazu verpflichtet, regelmäßig in Stichproben Arzneimittel zu überprüfen.

Jeden Tag werden so in deutschen Apotheken 120.000 Arzneimittelpackungen kontrolliert, insgesamt sind das mehr als 5 Millionen Überprüfungen im Jahr. Medikamente, an denen Fehler festgestellt werden, werden sofort durch die Kontrollbehörden - wie etwa das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) - vom Markt genommen. Wer hingegen Anabolika über dunkle Kanäle aus dem Fitnessstudio bezieht, oder auf unseriöse E-Mail -Angebote wie "Viagra rezeptfrei für 10 Cent die Kapsel" hereinfällt, muss auch hierzulande damit rechnen, eine wirkungslose Pille zu bekommen - oder Schlimmeres.

:

Katrin Buchwalsky

Stand: 04.10.2006


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