Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
Wissen
Quarks & Co
Sendung vom 22. März 2005
Giftige Tiere
Vielen Tieren sichert Gift das Überleben – sie nutzen es, um Beute zu fangen, sich zu verteidigen oder um Konkurrenten in die Flucht zu schlagen. Interessant ist dabei, dass ganz unterschiedliche Tierearten identische Stoffe benutzen. Das beste Beispiel dafür ist ein Nervengift, das Tetrodoxin. Es führt bei den Opfern zu Lähmungen und schließlich zum Atemstillstand. Lange haben sich Wissenschaftler gewundert, dass diese spezielle Substanz beim japanischen Kugelfisch ebenso wie bei südamerikanischen Fröschen vorkommt. Auch das Gift eines australischen Kraken, des blaugeringelten Oktopus, konnte als Tetrodotoxin identifiziert werden. Wie diese höchst verschiedenen Arten denselben Stoff produzieren, war völlig unklar, bis Forscher schließlich herausfanden, dass die Tiere ihr Gift gar nicht selbst herstellen. Stattdessen stammt es von Bakterien, die im Inneren der Tiere leben. Sie produzieren das Tetrodoxin, es sammelt sich in bestimmten Organen und steht dann den Wirtstieren für Angriff oder Verteidigung zur Verfügung.
Giftige Tiere haben zu Unrecht einen schlechten Ruf – viele von ihnen sind nicht aggressiv, sondern verteidigen sich nur, wenn sie in Gefahr geraten. Fast ausschließlich zum Selbstschutz setzt die einzige giftige Echse, die Krustenechse, ihren Giftzahn ein. Ihr Biss ist sehr schmerzhaft und das Gift senkt den Blutdruck stark ab, ist aber für Menschen fast nie tödlich. Eine noch passivere Strategie nutzen die Pfeilgiftfrösche. Sie setzen ihr Gift gar nicht aktiv ein, sondern tragen es als einen dünnen Film auf ihrer Haut. So sind sie vor Fressfeinden geschützt. Die Frösche machen dieses Gift nicht selbst – sie mischen wirksame Bestandteile ihrer Nahrung zu einem giftigen Hautsekret, der sie auch vor Pilzen und Bakterien schützt. Das giftige Sekret schützt die empfindliche Froschhaut im feuchten Regenwald also auch vor Parasiten.
Die Zusammensetzung und Wirkung von Tiergiften kann sehr unterschiedlich sein. Viele greifen das Nervensystem an und verursachen Dauerkrämpfe oder Lähmungen. Andere, wie zum Beispiel viele Schlangengifte, zersetzen das Gewebe des Beutetieres. Für Schlangen, die ihre Opfer im Ganzen verschlingen ohne sie zu öffnen, ist das wichtig, da sie sonst nichts verdauen könnten. Auch Spinnen die mit Nervengiften jagen, wie die Vogelspinne, haben zersetzende Bestandteile in ihrem Gift. Die Mundöffnung von Spinnen ist sehr klein, ihre Beutetiere sind aber mitunter so groß wie sie selbst. Deshalb müssen sie ihre Nahrung bereits außerhalb des Körpers verflüssigen – und das übernimmt ihr Gewebe lösendes Gift. Der schlechte Ruf der Vogelspinne ist übrigens nicht gerechtfertigt. Für Menschen sind sie keine echte Gefahr.
Lars Westermann
Stand: 22.03.2005
Seite teilen