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Schön .... und giftig!

  • SendeterminDienstag, 22. März 2005, 21.00 - 21.45 Uhr .

Konserviert und vergiftet

Foto: Stiefel
Vorsicht: Gift! Exponate aus dem Depot des Ethnologischen Museums, Berlin.

Rund 500 000 Kult- und Gebrauchsgegenstände aus fremden Ländern lagern im Depot des Ethnologischen Museums in Berlin-Dahlem. Die einzigartigen Kostbarkeiten aus Fell, Federn und Holz sind allerdings auch beliebte Beute von Insekten. Dagegen haben Restauratoren seit rund 100 Jahren Schwermetallverbindungen, DDT, PCP und Lindan eingesetzt – zum Teil längst verbotene Substanzen. Und jetzt gibt es ein Problem: schätzungsweise 300 000 Kunstwerke im Depot sind mehr oder weniger stark vergiftet. Die ausgasenden Insektenschutzmittel belasten die Raumluft so sehr, dass die Museumsleitung strikte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet hat. Länger als eine halbe Stunde darf niemand im Depot arbeiten, ohne sich zu schützen.

Ein weltweites Problem

Foto: Magazinverwalter im Schutzanzug
Im Depot darf nur noch mit Schutzanzug gearbeitet werden.

Das Ethnologische Museum in Berlin ist kein Einzelfall. Überall in Deutschland wurden Kunstschätze aus Holz – wie Skulpturen, Altäre und historische Dachstühle – mit giftigen Konservierungsmitteln behandelt. Das Augustinermuseum in Freiburg musste kürzlich sogar einige Räume schließen, um die Gesundheit von Mitarbeitern und Besuchern nicht aufs Spiel zu setzen. Die Räume werden derzeit saniert. In den USA ist das Problem vor einigen Jahren deutlich geworden. Kultgegenstände der indianischen Urbevölkerung können nicht zurückgegeben werden. Niemand darf sie mehr anfassen.

Neues Entgiftungsverfahren mit Kohlendioxyd

Foto: Forscher füllt Druckbehälter
Eine belastete Fellprobe wird mit Kohlendioxyd behandelt.

Viele Gifte sind tief in die Materialien eingedrungen. Vor allem für die Restauratoren kann das gefährlich werden. Sie können Reste von giftigen Konservierungsstoffen nur oberflächlich von den Objekten entfernen. Wenn sie die Objekte aber für künftige Ausstellungen säubern oder reparieren und sich dabei stundenlang über die belasteten Gegenstände beugen, gefährden sie ihre Gesundheit.

Foto: Aufnahme des Entgiftungsteams
Eine Holzskulptur wird komplett entgiftet.

Wissenschaftler vom Rathgen-Forschungslabor in Berlin und dem Institut Fraunhofer "UMSICHT" in Oberhausen testen deshalb ein neues Entgiftungsverfahren. Es basiert auf einer Methode, die Kohlendioxid im überkritischen Zustand verwendet. Überkritisch bedeutet, dass das Kohlendioxid einen Zustand zwischen flüssig und gasförmig erreicht. Dies geschieht bei einer bestimmten Temperatur und einem bestimmten Druck.

Foto: Nahaufnahme Blick in den Druckbehälter
Überkritisches Kohlendioxyd wirkt wie ein Lösungsmittel.

In den Versuchsreihen der Forscher wurden Materialproben in einem Druckbehälter mit Kohlendioxid durchströmt. Sobald das Kohlendioxid in den überkritischen Zustand übergegangen ist, wirkt es wie ein Lösungsmittel. Es entfernt die Gifte aus der Tiefe des Materials und transportiert sie nach außen. Rückstände gibt es nicht. Mit zahlreichen Proben – unter anderem aus dem Ethnologischen Museum – haben die Forscher schon Erfahrungen gesammelt.

Erste Erfolge für die Forscher

Foto: DDT-Kristall nah
DDT bildet nadelförmige Kristalle auf der Oberfläche.

Wie effektiv das Verfahren ist, belegen viele Messungen, die bisher an Materialproben vorgenommen wurden. Arsen, Quecksilber, DDT – zum Teil können 90 Prozent der Giftstoffe entfernt werden. Doch die Prozedur ist teuer. Größere Objekte wie etwa Skulpturen müssen in einer Großanlage gereinigt werden. Für eine eigene Anlage fehlt den Forschern das Geld.

Foto: Skulptur vor bzw. nach der Behandlung
Skulptur vor bzw. nach der Entgiftung mit CO2.

Erst ein einziges Mal konnten sie zeigen, dass ihre Entgiftungsmethode wertvolle Kulturgüter reinigt, ohne sie zu zerstören. Ein Industrieunternehmen stellte dafür eine Großanlage zur Verfügung. Den Forschern gelang es so, wertvolle Holzfiguren aus einer sächsischen Kirche zu entgiften. Sie konnten restauriert und danach wieder ausgestellt werden. Vielleicht gibt es ja auch Hoffnung für die ethnologischen Objekte aus Berlin.

:

Silke Uebelstädt

Stand: 22.03.2005


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