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Das tägliche Gift: Wie der Körper sich wehrt

  • SendeterminDienstag, 22. März 2005, 21.00 - 21.45 Uhr .

Ständige Bedrohung

Grafik: Giftstoffe versuchen

Es geschieht bei jedem Essen, und ist uns nicht einmal bewusst: Mit fast jedem Bissen Nahrung gelangen außer den Nährstoffen auch viele unerwünschte Fremdstoffe in unseren Körper. Sie dienen weder der Energiegewinnung noch als Baumaterial. Damit sie sich nicht im Körper anreichern, hat der Organismus verschiedene Abwehrmechanismen entwickelt. Ein Beispiel dafür ist ein Enzym, das speziell für den Abbau von Alkohol zuständig ist, die Alkoholdehydrogenase. Neben solchen Spezialisten verfügt der Körper über zwei Abwehrmechanismen, die sehr universell funktionieren. Sie wirken zum einen im Darm, zum anderen in der Leber und unterscheiden dabei nicht zwischen Fremdstoffen, die wir als Gift bezeichnen würden, wie Insektengift oder Pflanzenschutzmittel, und etwa Medikamenten (Antidepressiva, Beta-Blocker).

Rausschmeißer in der Darmwand

Grafik: Proteine schicken Fremdstoffe zurück in den Darm
"Türsteher" für Fremdstoffe in der Darmwand.

Beim Essen gelangen die unerwünschten Substanzen mit der Nahrung in den Dünndarm. Dort versuchen sie, durch die Darmwand ins Blut zu gelangen. Dabei hilft ihnen eine spezielle Eigenschaft: Sie können sich gut in Fett lösen oder sich chemisch daran binden. Fachleute nennen diese Eigenschaft "lipophil" ( gr.  für Fett liebend). Diese Eigenschaft ist wie eine Eintrittskarte in jede Körperzelle, so kommen sie nicht nur in die Darmwand, sondern prinzipiell überall hin. In den Zellen der Darmwand treffen sie jedoch auf eine erste Abwehrschranke: Spezielle Eiweiße (so genannte P-Glycoproteine) sitzen in ihrer Zellwand. Sie erkennen die fremden Eindringlinge und transportieren sie umgehend zurück in den Darm. Leider ist der Körper die Fremdstoffe damit noch nicht los. Sie fließen im Darm einfach ein Stück weiter und dringen dann in eine der nächsten Darmzellen ein. Zwar werden sie auch dort erkannt und abgewehrt, aber das System ist schnell überlastet. Und so gelangt doch ein Teil der Fremdstoffe ins Blut. Von dort treten sie dann die Reise durch den Körper an. Erste Etappe: durch die Pfortader in die Leber.

Abbau in der Leber

Grafik: Enzyme verändern die Struktur der Fremdstoffe
Ergebnis des Umbaus: Die Fremdstoffe können sich nicht mehr an Fett binden.

In der Leber greift der zweite universelle Abwehrmechanismus. Eine ganze Gruppe von Enzymen ist dafür zuständig, die unerwünschten Stoffe unschädlich zu machen. Ihr wissenschaftlicher Name: Cytochrom-P450-Isoenzyme. Ihre Aufgabe besteht darin, die Fremdstoffe chemisch so zu verändern, dass sie nicht mehr Fett liebend sind und sich somit nicht mehr in Körperzellen einschleusen können. Sie haben gewissermaßen ihre Eintrittskarte verloren. Bei diesem Prozess bleiben Abbauprodukte zurück, die meistens viel weniger giftig sind als die Ausgangsstoffe. Trotzdem sollten auch diese Überreste nicht im Körper bleiben. Um sie ausscheiden zu können, müssen sie wasserlöslich sein – ein weiterer Umbauschritt. Dafür gibt es wieder spezielle Enzyme in der Leber, so genannte Glucuronosyl-Transferasen. Sie hängen den fremden Stoffen ein Säuremolekül an, so dass sie sich statt an Fett an Wasser binden. Jetzt können sie mit dem Urin ausgeschieden werden.

Autor:

Ulrich Grünewald

Stand: 22.03.2005


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