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Quarks & Co
Sendung vom 22. März 2005
Vom Gift zum Schmerzmittel
Sie bewohnen warme Meere und sind vor allem wegen ihrer schönen Gehäuse beliebt: Kegelschnecken. Doch die hübschen Weichtiere sind alles andere als harmlos – sie sind Räuber, die Würmer, andere Schnecken und sogar Fische erlegen. Die Kegelschnecken haben dazu ein starkes Gift entwickelt, das speziell auf ihre Beutetiere zugeschnitten ist. Um einen Fisch zu fangen, muss es besonders schnell wirken, denn die langsame Schnecke kann den Fisch nicht verfolgen.
Also lockt sie ihre Beute mit einem wurmähnlichen Körperfortsatz an. Ist der Fisch nahe genug, rammt sie ihm einen mit Gift beladenen Zahn wie eine Harpune in den Körper. Das Gift wirkt sofort – innerhalb von einer Sekunde ist der Fisch bewegungsunfähig. Die Kegelschnecke kann ihr Opfer jetzt in aller Ruhe verspeisen. Übrigens sind manche Arten auch für Menschen gefährlich, daher sollten Taucher lieber nicht nach den schönen Schneckenhäusern greifen.
Ihr extrem wirksamer und raffinierter Giftcocktail hat die Kegelschnecken schon seit langem interessant für die Pharmaforschung gemacht. Die Mixtur besteht gleich aus mehreren Giften, die auf verschiedene Teile des Nervensystems ihrer Beute wirken. Dabei gibt es verschiedene Arten von Kegelschnecken, die jeweils ein anderes Hauptgift verwenden. In jedem Fall ist das lähmende Gift optimal auf die Physiologie der Beute abgestimmt.
Die verschiedenen Wirkstoffe verhindern, dass Reize in den Muskel- und Nervenzellen weiter geleitet werden, dabei blockieren sie kleine Kanäle in der Zellwand, die an den elektrischen Signalen der Zellkommunikation beteiligt sind.
Der Mechanismus des Schneckengiftes ist besonders interessant für die Entwicklung von Schmerzmitteln. Zunächst untersuchten Forscher die wirksamen Substanzen genau und bauten sie künstlich nach, um die Schnecken nicht auszurotten. Dann testeten sie die Gifte an Zellen, und tatsächlich fanden sie dabei einige sehr viel versprechende Stoffe. Im Dezember 2004 wurde in den USA das erste Medikament zugelassen, das auf einem Gift der Kegelschnecke basiert. "Prialt" blockiert die Kalziumkanäle an den Nervenzellen, Schmerzsignale werden nicht weitergeleitet. Das Mittel ist tausendmal wirksamer als Morphium und macht nicht süchtig. Probleme gibt es noch bei der Verabreichung des Medikaments, denn die Substanz muss als Flüssigkeit direkt ins Rückenmark gelangen. Daher bleibt das Medikament vorerst extremen Schmerzpatienten vorbehalten. Bislang gibt es "Prialt" nur in den USA.
Lars Westermann
Stand: 22.03.2005
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