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Sendung vom 22. März 2005
Nervengift als Faltenkiller: Botulin
Das Gift verspricht Frische und Jugend. Denn es lässt Falten verschwinden - einfach so. Nur eine paar kleine Piekser in die Gesichtsmuskeln, und nach wenigen Tagen ist von Krähenfüßen und Sorgenfalten nichts mehr zu sehen. In den USA boomt die Behandlung mit dem Gift Botulinum seit Mitte der 90er Jahre - bisweilen wurde das Gift sogar auf sogenannten "Botox- Partys" in Restaurants und Fitnessclubs gespritzt. Auch in Deutschland greifen immer mehr Menschen zu der scheinbaren Wunderwaffe gegen Falten.
Dabei ist Botulinum das stärkste bekannte Gift - schon winzige Mengen können einen Menschen töten. Ein Esslöffel würde ausreichen, um die Bevölkerung von ganz Europa auszulöschen. Das Gift verhindert, dass die Nerven Bewegungsreize auf die Muskeln übertragen: Die Muskeln können sich nicht mehr zusammenziehen, und die Menschen sterben schließlich an Atemstillstand und Herzversagen. Produzent dieses tödlichen Giftes sind Bakterien der Art Clostridium botululinum. Sie bilden das Gift unter Luftabschluss, zum Beispiel in schlecht konserviertem Fleisch. Deshalb war das Gift in früheren Jahrhunderten vor allem durch Lebensmittelvergiftungen bekannt, viele Menschen starben an dem sogenannten Wurstgift. Heute kommt das dank besserer Konservierungsmethoden nur noch extrem selten vor.
Bei der Faltenbehandlung mit Botulinumtoxin besteht keine Gefahr sich zu vergiften, denn es wird extrem niedrig konzentriert eingesetzt. Der Arzt spritzt das Mittel direkt ins Gesicht, zum Beispiel in die Stirnmuskeln, die sich bei einem sorgenvollen Gesichtsausdruck anspannen und Falten entstehen lassen. Das Gift lähmt die Muskeln, sie können die Haut nicht mehr zusammen ziehen und das Gesicht sieht glatter aus. Der Arzt kann so auch Falten an den Augen, an der Nasenwurzel, der Oberlippe oder am Hals verschwinden lassen.
Eine großflächige Faltenbehandlung hat allerdings Nachteile. Je mehr Muskelfasern durch die Botox-Spritze gelähmt werden, desto stärker wird auch die Mimik beeinflusst, das Gesicht verliert an Lebendigkeit. Außerdem ist die Behandlung mit einem Risiko verbunden. Wenn der Arzt die richtigen Injektionspunkte verfehlt oder das Mittel zu hoch dosiert, können auch benachbarte Muskeln gelähmt werden. Im unglücklichsten Fall führt das zu hängenden Augenlidern oder Mundwinkeln, oder der Patient bekommt Probleme beim Trinken und Sprechen.
Botulinumtoxin ist nicht nur ein Anti-Faltenmittel, sondern wird seit etwa 20 Jahren von Neurologen als Medikament eingesetzt, vor allem bei krankhaften Muskelverspannungen. Außerdem wirkt das Gift hemmend auf die Schweißdrüsen und hilft Patienten, die an einer übermäßigen Bildung von Schweiß leiden. Bei diesen Krankheiten wird das Mittel höher dosiert als bei der Faltenbehandlung, doch sind bislang keine negativen Langzeitwirkungen bekannt. So scheint nach bisherigem Kenntnistand die Faltenkur mit Botulinumtoxin unbedenklich zu sein, wenn man zu einem erfahrenen Arzt geht. Der ist allerdings nicht leicht zu finden: Es gibt keine geregelte Qualifikation für Ärzte, die Botulinumtoxin spritzen wollen. Einen ersten Hinweis auf eine qualifizierte Behandlung kann neben einem ausführlichen Vorgespräch die Fachrichtung des Arztes geben: Hautärzte und plastische Chirurgen sind oft erfahrener im Umgang mit der Spritze gegen Falten.
Alexandra Hostert
Stand: 22.03.2005
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