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Albert Einstein ein Genie in vier Facetten

  • SendeterminDienstag, 05. April 2005, 21.00 - 21.45 Uhr.

Genie des 20. Jahrhunderts

Foto: Das Foto zeigt Albert Einstein, Nahaufnahme
Portraitfoto von Albert Einstein.

Vom Himmel fallen sie nicht, die so genannten Genies. Andererseits gibt es auch kein Rezept dafür, wie man zum Genie werden kann. Und trotzdem ist man sich meist darüber einig, wer eines ist: Mozart, Bach, Newton, Goethe, Leibniz - alles Genies und Wunderkinder. Das 20. Jahrhundert hat seine eigene, überragende Figur: Albert Einstein. Er verkörpert wie kaum ein anderer das moderne Genie. Von der Fachwelt bewundert, von den Massen umjubelt – er, der Unbequeme, der Revolutionär der Wissenschaft, der Weltbürger. An seinem Beispiel lassen sich einige Facetten aufzählen, die genialen Menschen gemeinsam sind: sie hatten Talent, Kreativität, Durchsetzungskraft und Menschen, die sie bewunderten.

Einstein – das Talent

Foto: Das Foto zeigt Albert Einstein im Kindesalter, neben einer
Handschriftprobe
In seinem französischen Abituraufsatz verrät der junge Einstein, was er einmal werden will: Physik-Professor

Schon als Schüler und Student fiel Albert Einstein den Lehrern und Erziehern durch seine enorme Begabung und sein geniales Potenzial auf. Dennoch wurde ihm nichts in den Schoß gelegt: 1894, kurz vor dem Abitur in München am Luitpold-Gymnasium, emigrierten seine Eltern nach Mailand. Albert sollte noch bis zum Abitur in München bleiben und dann nachkommen. Trotz bester Noten wurde der 15-jährige vom Direktor der Schule ungerechtfertigt angegriffen und wüst antisemitisch beschimpft. In einer Nacht- und Nebelaktion reiste er seinen Eltern nach - und machte ein Jahr später sein Abitur in Aarau in der Schweiz. Auf dem Zeugnis standen fünf Sechsen, doch eine Sechs ist in der Schweiz die beste Note. So entstand wahrscheinlich die Mär, Einstein sei ein schlechter Schüler gewesen. In seinem Französisch-Abitur-Aufsatz schrieb er schon damals ganz selbstbewusst und schwärmerisch: "Ich will Professor für Physik werden…"

Foto: Das Foto zeigt Titel aus den Arbeiten Albert Einsteins
1905 veröffentlicht Einstein fünf Arbeiten und revolutioniert als unbekannter Patentangestellter in Bern das Weltbild der Physik.

Doch das sollte noch dauern. Dem physikalischen Fachpublikum war er unbekannt, und trotz seiner Begabung fand er auch unter größtem Einsatz nach seinem Physikstudium keine Stelle. Sein Vater schrieb sogar ohne sein Wissen Bettelbriefe an Professoren. An eine Doktorarbeit oder gar den Professorentitel war nicht zu denken. Nach zwei Jahren Suche wurde Einstein endlich in Bern kleiner Angestellter im Patentamt. Von seiner Leidenschaft, der Physik, ließ er sich aber nicht abbringen - mit 26 reichte er in einem einzigen Jahr, 1905, fünf Arbeiten bei wissenschaftlichen Zeitschriften ein und hielt damit die Fachwelt in Atem:

Am 30. April legte er doch noch seine Doktorarbeit vor: "Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen". Damit bestimmte er neu, wie viele Atome einer Sorte sich in einem Gewichtsteil befinden. Ein Jahr später hat er den ersehnten Doktortitel endlich in der Tasche.

Am 9. Juni veröffentlichte er auf nur 17 Seiten eine Arbeit, in der er die Natur des Lichtes neu erklärte: "Über einen die Erzeugung und Umwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Standpunkt." 1921 bekam er dafür den Physik-Nobelpreis.

Am 18. Juli kam die Arbeit zur Brownschen Molekülbewegung dazu. Das ist das Zittern von Staub und anderen Schwebeteilchen durch die Wärme.

Am 26. September legte er seine erste Arbeit zur "speziellen Relativitätstheorie" vor - einem Meilenstein der modernen Physik. Mit dieser Arbeit endet die Herrschaft der klassischen Physik nach Isaac Newton und beginnt das neue Zeitalter der modernen, relativistischen Physik.

Am 21. November schließlich erblickte die wohl berühmteste Formel der Physik das Licht der Welt:
"E = mc2". Sie beschreibt den grundsätzlichen Zusammenhang von Masse und Energie. Jede Art von Masse kann damit grundsätzlich in Energie umgewandelt werden, und umgekehrt.

In seinen Veröffentlichungen brachte er die physikalischen Probleme ganz kurz auf den Punkt, so wie er es im Patentamt jeden Tag machen musste. Dann präsentierte er seine genialen Lösungen: Mit Gedanken-Experimenten hebelte er das bestehende physikalische Weltbild aus. Alles hatte er in seiner Freizeit erarbeitet - trotz 48 Stunden-Woche. Und vier Jahre später, 1909, wurde der kleine Patentamtsangestellte, was er immer werden wollte: Professor für Physik.

Einstein – der selbstbewusste Visionär

Foto: Das Foto zeigt eine Sonnenfinsternis
Am 29. Mai 1919 verfinstert sich die Sonne und bestätigt eine Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie: Das Licht der Sterne wird zur Sonne hin abgelenkt

Einsteins bemerkenswertes Selbstbewusstsein äußerte sich in einer fixen Idee, die er schon als Schüler hegte: die Physik auf eine neue Grundlage zu stellen. Eine neue Theorie der Schwerkraft schwebte ihm vor, er wollte ein zweiter Newton werden. Vorerst wurde er aber Professor in Zürich, dann in Prag. 1913 folgte er dem Ruf wichtiger Freunde und Förderer wie Max Planck und Walther Nernst und ging nach Berlin. In dieser Zeit entwarf er die allgemeine Relativitätstheorie. Dabei machte er eine gewagte Vorhersage, die seine Vorstellung der Krümmung von Raum und Zeit direkt aufzeigen sollte.

Das Licht der Sterne sollte - so seine These - von der Sonne abgelenkt werden. Jeder schwere Körper krümmt Raum und Zeit, also krümmt auch die Sonne den ansonsten geraden Lichtstrahl eines Sterns, der an der Sonne vorbei läuft. Einstein errechnete den Ablenkungs-Winkel, den Astronomen dann beobachten könnten. 1919 war es so weit. Während der Sonnenfinsternis am 29. Mai würden internationale Experten seine Ideen überprüfen können. Er hatte alles auf eine Karte gesetzt - und gewann: Sein Winkel stimmte, und damit seine Theorie. Mit einem Schlag wurde er eine Medienberühmtheit, und seine Vision wurde Wirklichkeit: Die Londoner Times titelte am 8. November 1919 mit dem neuen "Newton" - Albert Einstein.

:

Heinz Greuling

Stand: 05.04.2005



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