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Salz – ein Problem für die Landwirtschaft

  • SendeterminDienstag, 19. April 2005, 21.00 - 21.45 Uhr.

Das Salz und die Wüste

Foto: Versalzter Boden mit Trockenrissen
Versalzter Boden mit Trockenrissen. Der helle, fast weiße Belag ist Salz!

Salz ist überall – vor allem da, wo Wasser ist. Denn natürlich vorkommendes Grundwasser oder Flusswasser enthält immer einen Anteil an gelösten Bestandteilen, darunter auch Salz. Wie viel Salz im Grundwasser ist, hängt davon ab, wo es herkommt und wie der Untergrund beschaffen ist. Denn das Grundwasser löst Salz aus den umgebenden Gesteinsschichten. Sind die salzreich, wird auch das Wasser, das durch sie hindurchfließt, salzig.

Foto: Sanddühnen
Die Wüste Sahara ist eine der größten Wüsten der Erde

Wenn das Meer in der Nähe ist, gelangt besonders viel Salz ins Grundwasser, weil das Meerwasser in den Boden einsickert. Besonders in den warmen Regionen der Erde kann Salz zum Problem werden: Beim Bewässern der Felder verdunstet ein großer Anteil des Wassers, bevor es in den Boden eindringt und den Pflanzen zugute kommt. Zurück bleiben die gelösten Stoffe - also auch Salz. Mit der Zeit steigt der Salzgehalt auf den Feldern immer weiter an, bis der Boden schließlich versalzen ist und unfruchtbar wird. Die schützende Vegetationsdecke geht verloren, Wind verweht den Boden - und eine Wüste entsteht.

Salzige Böden: ein weltweites Problem

Foto: Ein Mann geht auf einer Strasse neben der Links und Rechts
nur dürres Land ist
Mehr als eine Milliarden Menschen leben in Trockengebieten

Fast die Hälfte aller Flächen, die in trockenen Gebieten bewässert werden, sind von der Versalzung betroffen. Die Bauern weltweit verlieren dadurch rund 10 Milliarden Euro. In Indien, Pakistan, im Irak, Ägypten, den  USA, Nordmexiko und in Zentralasien sind riesige Flächen durch Versalzung völlig unproduktiv geworden.

Ägypten: Angst vor der Salzwüste

Foto: Obstbaum-Bewässerungsanlage in Ägypten
Bewässerung von Obstbäumen in Ägypten

Obwohl fast 95 Prozent der Fläche Ägyptens Wüste sind, ist das nordafrikanische Land eine der Kornkammern Afrikas. Seine fruchtbaren Felder verdankt das Land dem größten afrikanischen Strom, dem Nil. Seit Jahrtausenden leiten Bauern sein Wasser auf ihre Felder. Noch heute ist fast die Hälfte aller Ägypter in der Landwirtschaft beschäftigt, die meisten am Unterlauf des Nils nahe dem Mittelmeer. Jahrtausendelang war die Salzkonzentration im Boden kein Problem, denn regelmäßig hatte der Nil Hochwasser und trat über die Ufer. Dabei schwemmte er fruchtbaren Schlamm heran, der den Boden düngte und erneuerte. Doch seit 1971 ist das anders - seitdem hält der riesige Assuan-Hochdamm den Nilschlamm zurück, der bis dahin den Boden erneuert hat.

Grafik: Lankarte von Afrika mit grafischer Kennzeichnungen die das
Ausmaß der Versalzung verdeutlichen
Ausmaß der Versalzung in Afrika

Weil  fast das ganze Ackerland intensiv bewässert wird, fürchtet man jetzt, dass die Böden versalzen. Der Anteil der verfügbaren Ackerfläche pro Einwohner ist in den letzten 20 Jahren schon um etwa 20 Prozent gesunken. Eine Tradition im schonenden Einsatz von Wasser oder Trinkwasser gibt es nicht im Land, schließlich war man über lange Zeit durch den unerschöpflichen Nil verwöhnt. Bewässert wird daher über Kanäle oder Sprinkleranlagen, bei denen das Wasser besonders schnell verdunstet.

Die Wüste fruchtbar machen – das Desert Research Center

Foto: Beduine mit einer Tierherde in der Wüste
Neue Ideen aus Kairo? Ein Beduine im Westen Ägyptens wartet auf Lösungen für das Bodenproblem

Ägypten sucht jetzt nach Lösungen. In Kairo arbeitet ein staatliches Forschungszentrum daran, das Desert Research Center (DRC). Seine Hauptaufgabe ist es, Methoden zu erforschen, mit denen die ägyptischen Wüstengebiete nutzbar gemacht werden können. Partner sind Universitäten und andere Organisationen. Das DRC unterhält sechs Forschungsstationen, in denen an Land- und Gartenbau, Bodenaufbereitung, Tierzucht, Nutzung von Seewasser, und Grundwassergewinnung gearbeitet wird.

Salziges Viehfutter

Foto: Ein Schaf frisst Blätter der Salzakazie
Ein Schaf frisst Blätter der Salzakazie

Die Maryout Experimental Station ist mit  ca.  4 Hektar die größte Versuchsstationen des DRC. Seit 1968 untersucht man hier, wie sich Kulturpflanzen und Nutztiere unter extremen Bedingungen verhalten. Eine der wichtigsten Fragen ist, wie gut Schafe, Ziegen, Kamele oder Kaninchen Futter aus Pflanzen vertragen, die auch bei hohen Salzkonzentrationen im Boden wachsen (so genannte Halophyten). Die Tiere werden mit verschiedenen Salzpflanzen gefüttert, dabei kontrollieren Forscher das Wachstum, die Fruchtbarkeit und die Fleischqualität und vergleichen diese Versuchstiere mit anderen, die normales Futter bekommen.

Foto: Kamel isst Blätter der Atriplex-Pflanze
Das Kamel lässt sich die Blätter einer Atriplex-Pflanze schmecken

In den Tests werden hauptsächlich zwei Arten verfüttert: Eine strauchartige Pflanze namens Salzmelde oder Salzbusch (Atriplex Halimus) Sie enthält in ihrer Trockenmasse ca. 20 Prozent Salz. Die zweite Versuchspflanze ist die Salzakazie (Acacia salina), aus der Familie der Leguminosen, zu denen auch die Hülsenfrüchte und die Futterpflanzen Klee und Luzerne gehören. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Tiere die Salzkost gut vertragen. Allerdings müssen sie dazu fettreiches Getreide fressen, sonst ist ihr Wachstum beeinträchtigt. Außerdem haben die mit Salzpflanzen gefütterten Tiere etwas mehr Durst, sie brauchen also mehr Wasser.

Salzpflanzen schützen den Boden

Foto: Beduine vor seinem Feld
Der Beduine Idris Jadam Noah al-Malhi vor seinem Feld mit Gerste und der Salzpflanze Atriplex

Zirka 400  km nordwestlich von Alexandria, am Rand der Sahara, liegt Marsa Matruh, bekannt auch durch eine Schlacht im Zweiten Weltkrieg. Heute bauen Beduinen hier auf ihren Feldern den Salzbusch (Atriplex halimus) zusammen mit Gerste an. Durch den Anbau der Salzpflanzen können sie das Vieh vor allem während der Trockenzeit besser füttern. Gleichzeitig nutzen die Beduinen die Salzbüsche, um die Böden der Felder zu stabilisieren.

Foto: Drei Beduine vor Holzschuppen mit getrockneten Salzpflanzen
Getrocknete Salzpflanzen für den Verkauf als Tee, Gewürz oder Heilkraut

Für den herkömmlichen Ackerbau haben sie früher alle anderen Pflanzen beseitigt, damit das Getreide besser wachsen kann. Dadurch ist jedoch der Boden in der Trockenzeit dem Wind ungeschützt ausgeliefert und er wird mit der Zeit verweht. Die Atriplex-Pflanze verhindert das, da sie tief wurzelt und und so den Boden festhält. Hinzu kommt, dass sie die Getreidepflanzen nicht am Wachstum hindert. Die Idee kam von Forschern aus dem DRC in Kairo. Inzwischen funktioniert der gemischte Anbau so gut, dass die Beduinen ihre Ackerflächen fast verdoppeln konnten.

:

Hilmar Liebsch, Michael Thekat

Stand: 19.04.2005


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