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Warum sterben Männer früher?

Lebensstil und Lebenserwartung

  • SendeterminDienstag, 03. Mai 2005, 21.00 - 21.45 Uhr .

Weltweit: Männer sterben früher

Junge und Mädchen sitzen nebeneinander auf der Schulbank
Das Mädchen hat gute Chancen älter zu werden als ihr Banknachbar

Fast überall auf der Welt gibt es dasselbe Phänomen: Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer. Am größten ist der Unterschied in Russland. Dort überlebt das so genannte "schwache Geschlecht" die Männer um stolze zehn Jahre. In Frankreich sind es acht, in Japan sieben und in Deutschland immerhin noch Stichwortsechs Jahre. In nur acht Ländern der Welt haben die Männer eine höhere StichwortLebenserwartung.

Ein ungelöstes Rätsel

Mann mit Zigarette
Zigaretten und zu viel Alkohol sind für den früheren Tod der Männer verantwortlich

Seit vielen Jahren sind Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen dem Geheimnis auf der Spur. Sie sind sich einig, dass die Erklärungen für die unterschiedliche Lebenserwartung der Geschlechter in zwei großen Kategorien zu finden sind. Zum Einen sind da die biologischen Faktoren, zum Beispiel Gene und Hormone. Sie sind weitgehend festgelegt. Seit geraumer Zeit untersuchen Forscher zum Beispiel den Einfluss der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron auf das Immunsystem. Aber es gibt noch keine eindeutigen Ergebnisse, denn auch die biologischen Faktoren sind sehr vielfältig und beeinflussen sich gegenseitig.

Zum Anderen sind da die verhaltens- und umweltbedingten Faktoren. Diese sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängen vom Lebensstil des Einzelnen ab: Essverhalten, der Konsum von Zigaretten und Alkohol, die Stressbelastung, die Gesundheitsvorsorge, die Risikofreude und noch vieles andere.

Bis vor wenigen Jahren konnten die Fachleute aber nur darüber spekulieren, wie groß der Anteil der biologischen Faktoren und der Anteil  der verhaltens- und umweltbedingten Faktoren jeweils ist. Denn innerhalb der Bevölkerung gibt es sehr unterschiedliche Lebensstile, und teilweise sind Männer und Frauen auch anderen Belastungen in Beruf und Familie ausgesetzt. Also war es sehr schwierig, beide Gruppen miteinander zu vergleichen – bis ein junger Geograph eine Idee hatte.

Das Kloster als Testfeld

Mönch blättert auf dem Fensterbrett in einem großen
Buch
Das ruhige und einfach Leben im Kloster beschert Mönchen ein wesentlich längeres Leben als anderen Männern

Marc Luy, inzwischen Juniorprofessor an der Universität Rostock, suchte nach einer Gruppe Menschen, in der Frauen und Männer unter nahezu gleichen Bedingungen leben. Und er fand sie im Kloster: Nonnen und Mönche. Sie leben alle unter nahezu identischen Bedingungen: sie pflegen einen einfachen Lebensstil, haben keinen gesellschaftlichen Stress, keine finanziellen Probleme, keine Konkurrenz um beruflichen und sozialen Aufstieg, keine Partnerkonflikte und müssen sich nicht um die Erziehung eigener Kinder kümmern. Mit den Ordensleuten hatte Marc Luy daher eine Bevölkerungsgruppe gefunden, deren Lebenserwartung fast ausschließlich von den biologischen Faktoren abhängt. Also überprüfte er die Lebensdaten von fast 12.000 Nonnen und Mönchen und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: männliche Geistliche leben im Durchschnitt nur ein bis zwei Jahre kürzer als die Nonnen. Und diese werden genauso alt wie Frauen, die nicht im Kloster leben. Mönche können sich also über ein vier bis fünf Jahre längeres Leben freuen als ihre Geschlechtsgenossen jenseits der Klostermauern.

Fünf gute Gründe

Mann ist im Gehen Pommes
Ungesunde Ernährung ist ein Grund für das kürzere Leben der Männer

Dank der Klosterstudie und einer vergleichbaren Untersuchung in Frankreich sind sich die Fachleuten inzwischen einig: für den größten Teil der unterschiedlichen Lebenserwartung der Geschlechter sind die verhaltens- und umweltbedingten Faktoren verantwortlich. Unter diesen lassen sich fünf Hauptgründe finden, warum Männer außerhalb der Klöster früher sterben:

Der wichtigste Faktor: Mönche rauchen viel seltener als Männer außerhalb der Klöster und trinken auch sehr viel weniger Alkohol. So beängstigend das klingt - der Durchschnittsmann raucht und trinkt sich um sein Leben.

Das Tier im Manne. Das "starke Geschlecht" setzt sich mit Vorliebe und besonders gern hohen Risiken aus. Egal ob beim Auto fahren, beim Sport oder bei der Berufswahl: Männer setzen sich viel häufiger Gefahren aus als Frauen – und natürlich auch als Mönche.

Pommes, Currywurst und Schokolade – Männer ernähren sich im Allgemeinen mächtig ungesund. Die meisten essen zu viel und auch viel zu fett. Fast zwei Drittel aller Männer haben mit mehr oder weniger Übergewicht zu kämpfen. Mönche hingegen sind gehalten, sich beim Essen zu mäßigen, und werden aus Klosterküchen verköstigt, in denen auf ausgewogene Ernährung geachtet wird.

Der gesellschaftliche Stress spielt eine wesentliche Rolle. Mönche leben ihr Leben in festen sozialen Strukturen. Andere Männer dagegen kämpfen eigentlich ständig um ihren beruflichen und sozialen Aufstieg - das verschleißt.

Auch das Leben in einer Familie bringt eine Menge Stress mit sich. Mönche müssen sich keine Sorgen um die Finanzierung einer Familie machen, müssen keine Energie in die Erziehung von Kindern stecken und bleiben von Beziehungskonflikten verschont.

Der Trend kehrt sich um

Die unterschiedliche Lebenserwartung von Frauen und Männern war aber nicht immer so hoch. Im Jahre Stichwort1871 lebten die Frauen in Deutschland im Durchschnitt nur drei Jahre länger. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Unterschied dann schnell größer. Sein Maximum erreichte er Mitte der achtziger Jahre – mit gut sieben Jahren. Inzwischen schließt sich Lücke zwischen Frauen und Männern wieder ein wenig. Das liegt vor allem daran, dass Frauen inzwischen sehr viel mehr rauchen und häufiger dem Alkohol zusprechen als noch vor wenigen Jahren. Natürlich spielt auch eine Rolle, dass heute deutlich mehr Frauen arbeiten gehen und so dem Stress genauso ausgesetzt sind wie die Männer. Alles in allem holen Frauen auf, was den männlichen Lebensstil angeht – mit sämtlichen Vor- und Nachteilen.

Stichwörter

1 sechs Jahre
Den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahre 2003 zufolge werden Frauen hierzulande im Durchschnitt 81,34 Jahre alt, Männer 75,59. Prognosen gehen davon aus, dass die Lebenserwartung im Jahre 2050 für Frauen 86,6, für Männer dann auch schon immerhin 81,6 Jahre beträgt. Zurück zum Absatz
2 Lebenserwartung
In folgenden Ländern leben die Männer statistisch länger als die Frauen: Afghanistan, Bangladesh, Guinea-Bissau, Mali, Mosambik, Namibia, Nepal und Simbabwe. In diesen Ländern werden die Menschen durchschnittlich nur zwischen 35 und 55 Jahre alt. Entscheidend für die Umkehrung der weltweiten Verhältnisse ist in diesen Ländern die ausgesprochen hohe Müttersterblichkeit. Zurück zum Absatz
3 1871
Damals erreichten die Frauen im Schnitt ein Alter von 38 Jahren. Dies lag in erster Linie daran, dass die Säuglings- und Kindersterblichkeit in der damaligen Zeit ziemlich hoch war. Hatten die Menschen das Erwachsenenalter erreicht, dann hatten sie guten Chancen, deutlich älter als nur knapp 40 zu werden. Zurück zum Absatz
:

Silvio Wenzel

Stand: 23.10.2006


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