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Quarks & Co
Sendung vom 31. Mai 2005
Edison und der Stromkrieg
Es war ein regelrechter Stromkrieg - zwei Amerikaner lieferten
sich vor dem Siegeszug der Elektrifizierung eine
Propagandaschlacht, bei der es um ihre konkurrierenden Systeme
ging:
Gleichstrom oder
Wechselstrom? Die Protagonisten: Thomas Alva Edison und George Westinghouse. Die Opfer:
Hunde, Katzen, ein Elefant – und zum Schluss sogar
Menschen.
Am 21. Oktober 1879 gelingt Thomas Alva Edison nach monatelanger, harter Arbeit der Durchbruch: Er bringt eine Kohlefaden-Glühlampe zum Leuchten - sie brennt 40 Stunden lang. Bisher hatte sie immer nur wenige Augenblicke durchgehalten, jetzt bedeutet die lange Brenndauer einen großen Triumph. Sofort schmiedet Edison große Pläne: Er will elektrisches Licht in die Wohnungen der New Yorker bringen und damit das Monopol der Gasproduzenten brechen, das er ungerecht findet. Dazu verwendet er Gleichstrom.
Zur gleichen Zeit brütet in Pittsburgh ein Großindustrieller über einem ähnlichen Plan. George Westinghouse will ein elektrisches Stromnetz aufbauen und damit reich werden. Seine Generatoren produzieren aber nicht Gleichstrom wie bei Edison, sondern Wechselstrom. Dass der sich über längere Strecken besser transportieren lässt als Gleichstrom, beweisen Westinghouse und sein Kollege, der Physiker Nikola Tesla, im März 1886: Zum ersten Mal wird Strom eine Meile weit entfernt vom Kraftwerk genutzt. Das Experiment erregt Aufsehen, Westinghouse und sein Wechselstrom sind in aller Munde.
Edison kocht vor Wut über den Erfolg des Konkurrenten und verklagt Westinghouse wegen Patentverletzung. Dann steigert er sich in einen aggressiven Propaganda-Feldzug gegen Westinghouse und dessen Wechselstrom hinein. Es beginnt harmlos: Edison präsentiert der Öffentlichkeit eine Lichterschau nach der anderen. Er will zeigen, wie ungefährlich sein Gleichstrom für die Menschen ist. Als noch immer alle vom Wechselstrom des Konkurrenten schwärmen, greift er zu drastischeren Maßnahmen: Er lässt öffentlich Hunde und Katzen mit 1.000 Volt-Wechselstrom töten, um zu zeigen, wie gefährlich der Strom von Westinghouse ist. Aber auch das genügt Edison nicht. Als ein Elefant in einem Tierpark zwei Wärter angegriffen hat und getötet werden soll, ergreift er die Gelegenheit: er lässt den Elefanten mit Westinghouse-Strom töten.
Doch Edisons Abwehrschlacht nützt nichts: Der Siegeszug des Wechselstroms ist nicht mehr aufzuhalten. Bald werden ganze Städte mit Westinghouse-Strom erleuchtet, Edison hat verloren. Aber eine vom New Yorker Parlament ins Leben gerufene Kommission ist auf seine brutalen Versuche aufmerksam geworden: dass man mit Strom selbst große Tiere töten kann, bringt sie auf eine Idee: Ließe sich das auch mit Menschen machen? Edison nimmt sich der Sache an. Und so gipfelt der Stromkrieg in der Geburtsstunde des elektrischen Stuhls - ebenfalls ein Werk des unermüdlichen Erfinders Thomas Alva Edison.
Ilka aus der Mark
Stand: 31.05.2005
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