Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
Wissen
Quarks & Co
Sendung vom 12. Juli 2005
Wie wird Wasser zu Trinkwasser?
Deutschland ist ein sehr reiches Land, wenn es um Wasser geht. Von den 180 Milliarden Kubikmetern Wasser, die die Natur uns jedes Jahr zur Verfügung stellt, nutzen wir noch nicht einmal ein Drittel. Doch trotz der großen Wasservorräte gibt es in Deutschland einen Mangel an hochwertigem Trinkwasser.
Unsere Gewässer sind oft mit Schadstoffen aus der Landwirtschaft belastet – vor allem mit Nitrat und Nitrit, aber auch mit Pestiziden, Keimen und Bakterien. Lediglich knapp 26 Prozent des Trinkwassers stammt aus dem so genannten Oberflächenwasser, also aus Seen, Talsperren, Flüssen und dem Uferfiltrat. Wasserwerke entfernen mühsam alle Schadstoffe, bis das gereinigte Wasser den Richtlinien der Trinkwasserverordnung entspricht und laut Gesetz "keimarm, farblos und geruchlos" ist.
Das
Grundwasser ist für Trinkwasser
besser geeignet. Aber auch dieses Wasser kann unerwünschte
Stoffe wie natürlich vorkommendes Eisen und
Mangan in sich tragen. Immer öfter
gelangen auch Pestizide und Nitrat aus der Landwirtschaft ins
Grundwasser. Noch mehr Sorge bereiten den Wasserwerken
Rückstände von anderen Stoffen, die das unterirdische
Wasser verunreinigen: Hormone und Antibiotika aus Arzneimitteln
oder neu entwickelte chemische Verbindungen aus der
Kunststoffindustrie.
Je nach Herkunft und Belastung des Wassers bereiten Wasserwerke
das so genannte Rohwasser mit verschiedenen technischen Verfahren
auf. Sie nutzen beispielsweise Sauerstoff, um Mangan und Eisen zu
oxidieren und aus dem Wasser zu entfernen. Das Rostocker Wasserwerk
verwendet Flockungsanlagen, die das Rohwasser von etwa 50 Prozent
der enthaltenen organischen Inhaltsstoffe befreien. Danach
fließt das Wasser in riesigen Filteranlagen durch
Mehrschichtfilter aus Kies, Sand und
Blähton. Die Einleitung von Ozon
beseitigt die noch im Wasser enthaltenen organischen Inhaltsstoffe,
indem es die langkettigen Kohlenwasserstoffverbindungen aufbricht.
Ozon tötet ebenfalls eine große Menge der
Krankheitserreger des Wassers ab. Das hat zur Folge, dass die
Wasserwerke bis zu 70 Prozent weniger Chlor einsetzen müssen.
Abschließend neutralisieren Aktivkohlefilter
unerwünschte Geschmacksstoffe des Trinkwassers und sorgen so
für einen einwandfreien Geschmack.
Gut 400.000 Kilometer lang ist das Wasserleitungssystem in Deutschland. In vielen Städten ist es jedoch alt und marode, so dass sich in den Rohren Keime bilden können. Deshalb setzen viele Wasserwerke ihrem Wasser noch einmal Chlor zu, bevor sie das Wasser zu den Verbrauchern leiten. Das dient einerseits der zusätzlichen Desinfektion, andererseits versuchen Wassertechniker damit eine Verunreinigung des Wassers auf dem Weg in die Haushalte auszuschließen. Schließlich sind die Wasserwerke verpflichtet einwandfreies Trinkwasser bis zur Haustür zu liefern. Doch was danach mit ihrem Produkt geschieht, dafür sind Hausbesitzer und Eigentümer zuständig ...
Tilman Wolff
Stand: 12.07.2005
Seite teilen