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Quarks & Co
Sendung vom 12. Juli 2005
Wasserleitungen unter der Lupe
Wir trinken es jeden Tag. Ohne weiter nachzudenken nehmen wir es
mit unserem Kaffee zu uns, mit der heißen Suppe oder einfach
pur – das Leitungswasser. Kein Problem, sollte man meinen,
denn schließlich ist Trinkwasser ein streng kontrolliertes
Lebensmittel. Die
Trinkwasserverordnung legt genau fest,
wie viel von welchem Stoff im Wasser enthalten sein darf. Die
Wasserversorger untersuchen täglich, ob diese Grenzwerte
eingehalten werden. Doch trotz aller Regeln und Tests gibt es eine
Lücke im deutschen Kontrollsystem: den Weg des Wassers von der
Wasseruhr bis zum Wasserhahn. Ab der Wasseruhr ist der Hausbesitzer
für die Wasserqualität verantwortlich. Aber der
kontrolliert das Wasser selten. Oft ist weder ihm noch den Mietern
bewusst, dass Stoffe aus der Hausinstallation ins Wasser
übergehen können. Und zwar in so großen Mengen,
dass sie im schlimmsten Fall krank machen können, besonders
Babys und Kleinkinder.
Grundsätzlich gilt: Je länger das Trinkwasser in den Rohren gestanden hat, desto mehr Schadstoffe haben sich darin gelöst. Deshalb sollte man zum Beispiel morgens immer erst einige Liter Wasser ablaufen lassen, bevor man das Wasser trinkt oder gar Babybrei damit anrührt. Wie viele und welche Schadstoffe sich im Wasser finden, hängt hauptsächlich vom Material der Wasserrohre ab.
Am häufigsten sind in Deutschland Kupferinstallationen. Die roten Kupferrohre findet man in etwa 60 Prozent aller Häuser. Kupfer ist erst in hohen Konzentrationen gesundheitsschädlich, die Trinkwasserverordnung erlaubt zwei Milligramm Kupfer pro Liter Wasser. Doch normalerweise gelangt viel weniger Kupfer ins Wasser, denn in den Rohren bildet sich mit der Zeit eine Schicht aus Kupfercarbonat und anderen Verbindungen. Sie verhindert, dass sich weiteres Kupfer im Wasser löst. Bei neuen Rohren dagegen fehlt diese Schutzschicht. Ist das Wasser außerdem relativ sauer, löst sich besonders viel Kupfer. Deshalb ist es in Regionen, in denen der pH -Wert des Wassers unter 7,0 liegt, nicht mehr erlaubt, Kupferrohre einzubauen. Kupferkonzentrationen ab 10 Milligramm pro Liter können bei Säuglingen schwere Leberschäden auslösen. Solche Werte wurden in der Vergangenheit aber nur selten gemessen.
Wer alte verzinkte Eisenrohre hat, merkt das meistens erst, wenn das Wasser einige Tage in der Leitung gestanden hat: Es sieht trüb aus und ist rostrot - diese Brühe trinkt niemand freiwillig. Dabei ist der rote Rost nicht das größte Problem bei diesen Leitungen. Denn das Eisen löst sich erst im Wasser, wenn die Zinkschicht im Inneren des Rohres beschädigt ist. Aus dieser Zinkschicht können besonders bei älteren Rohren gesundheitsschädliche Stoffe ins Wasser übergehen, zum Beispiel das Schwermetall Cadmium. Cadmium ist schon in kleinsten Konzentrationen schädlich, der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 0,005 Milligramm pro Liter. Es reichert sich in Leber und Nierenrinde an und kann zu Nierenversagen führen. Menschen mit Eisenmangel nehmen besonders viel Cadmium aus dem Wasser auf.
Wer in seinem Keller Rohre findet, die nicht magnetisch sind und die beim Dagegenklopfen dumpf klingen, der ist wahrscheinlich auf Bleirohre gestoßen.
Wasserrohre aus Blei dürfen in Deutschland seit über 30 Jahren nicht mehr eingebaut werden. Trotzdem haben noch etwa 10 Prozent der Häuser in der nördlichen Hälfte Deutschlands Bleirohre. Ihre Bewohner nehmen ständig kleine Mengen Blei auf: Das kann Blutbildung und Gehirnentwicklung vor allem bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern beeinträchtigen. Bei Erwachsenen lagert sich das Blei in den Knochen ein und kann während einer Schwangerschaft wieder ins Blut gelangen.
Wegen dieser Gefahren wurde der Grenzwert für Blei im Trinkwasser 2003 von 0,04 Milligramm pro Liter Wasser auf einen Übergangswert von 0,025 Milligramm gesenkt. Ab 2013 werden nur noch 0,01 Milligramm pro Liter erlaubt sein. Diesen Wert kann ein Hausbesitzer praktisch nur dann einhalten, wenn er alle Bleiinstallationen entfernt und zum Bespiel gegen neue Kunststoffverbundrohre austauscht. Von diesen sind keine schädlichen Wirkungen bekannt.
Selbst wenn im Keller nur Kunststoffrohre zu sehen sind, können trotzdem in der Wand Bleirohre versteckt sein. Solche "Mischinstallationen" aus verschiedenen Materialien sind sehr häufig. Welche Schadstoffe ins Trinkwasser gelangen, kann also letztlich nur eine Wasseranalyse klären. Sie kostet zwischen 20 und 50 Euro, private Wasserlabors, manche Trinkwasserversorger oder Mietervereine bieten sie an. Ergibt der Test, dass die Grenzwerte der Verordnung überschritten werden und eine Gesundheitsgefahr besteht, muss das Gesundheitsamt einschreiten. Der Hausbesitzer kommt dann nicht darum herum, die Leitungen auszutauschen.
Wenn Sie Ihr eigenes Leitungswasser testen lassen wollen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten:
Die Stiftung Warentest nimmt Proben aus ganz Deutschland an und testet sie.
Möglicherweise führt auch Ihr zuständiger Wasserversorger entsprechende Tests durch. Wenden Sie sich an Ihr Wasserwerk oder Ihre Stadt- oder Gemeindeverwaltung, um mehr herauszufinden.
Ebenfalls können Sie ein privates Labor mit einem Wassertest beauftragen. Schauen Sie in Ihr regionales Branchenverzeichnis, dort finden sich zahlreiche entsprechende Institute.
Alexandra Hostert
Stand: 12.07.2005
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