Hauptnavigation

Donnerstag, 09.02.2012

Suche im Redaktionsangebot von Quarks & Co
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

Navigation


Zurück: Januar 2012 Sendeplan für Februar 2012 Weiter: März 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05
06 07 08 09 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Wissen > Quarks & Co > Sendung vom 12. Juli 2005 > Mangelware: Wasser


Mangelware: Wasser

  • SendeterminDienstag, 12. Juli 2005, 21.00 - 21.45 Uhr .

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben weltweit etwa 1,1 Milliarden Menschen keine verlässliche Versorgung mit sauberem Wasser. Das heißt, diese Menschen können sich innerhalb eines Umkreises von einem Kilometer nicht mit genügend Trinkwasser (mind. 20 Liter pro Tag und Person) versorgen. Besonders vom Trinkwassermangel betroffen sind Entwicklungs- und Schwellenländer. Dort trifft es die ländliche Bevölkerung am schlimmsten. In vielen Regionen müssen die Menschen täglich mehrere Kilometer weit gehen um an einige Eimer Wasser zum Trinken und Kochen zu gelangen. Denn in vielen Gebieten gibt es nicht genügend Grundwasser um Brunnen zu bohren. Alternative Methoden der Trinkwassergewinnung könnten die Probleme mildern. Aber auch reiche Länder haben – je nachdem in welcher Region sie liegen – große Probleme ihre Bevölkerung mit genügend Trinkwasser zu versorgen. Ihnen gelingt es aber durch den Einsatz ihrer finanziellen Mittel den Mangel zu beseitigen.

Saudi-Arabien: Trinkwasser aus Salzwasser

Eine Meerwasserentsalzungsanlage in Dschidda
Eine Meerwasserentsalzungsanlage in der Hafenstadt Dschidda

Mitte der 80er Jahre gingen Schätzungen davon aus, dass Oberflächen- und Grundwasserreserven in Saudi-Arabien bei steigendem Wasserverbrauch nur bis zum Jahr 2019 ausreichen würden. Keine Idee schien den Saudis absurd genug um das Problem zu lösen. Ein saudischer Prinz finanzierte Forschungen, die die Nutzung von Eisbergen zur Wasserversorgung in Saudi-Arabien untersuchten. Aufgrund schlechter Erfolgsaussichten wurden diese Forschungen eingestellt. Recht schnell erkannte man, dass der einzige Weg die Bevölkerung mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen die StichwortMeerwasserentsalzung war. Die Saudis begannen massiv in die Meerwasserentsalzung zu investieren. Alleine eine Anlage für eine Kapazität von 160 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr kostete den Wüstenstaat 1990 rund 1,4 Milliarden Dollar. Ziel war, es bis zum Jahr 2000 die Produktion auf 1,85 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu erhöhen. Dies wurde nicht erreicht. Trotzdem gewinnt Saudi-Arabien heute mit seinen Meerwasserentsalzungsanlagen mehr Trinkwasser als jede andere Nation der Welt. Eine ausreichende Wasserversorgung hat in Saudi-Arabien höchste wirtschaftliche und politische Priorität. Informationen über den derzeitigen Stand der Entwicklung werden deshalb als Geheimnisse der nationalen Sicherheit behandelt.

Indien: Tradition statt Hightech

Für ärmere Nationen ist die Meerwasserentsalzung aufgrund der enormen Kosten keine reelle Möglichkeit den Trinkwasserbedarf zu decken. Sie sind darauf angewiesen die natürlichen Süßwasserressourcen effizienter zu nutzen. Große Teile Indiens leiden unter Wassermangel, denn dort regnet es gewöhnlich nur im Sommer. Dann bringt der StichwortSüdwestmonsun das kostbare Nass, das in vielen Gegenden neun Monate lang nicht vom Himmel fällt. In Indien lieferte dieser Monsunregen jahrhundertelang das lebensnotwendige Wasser. In großen Becken, Wassertanks und künstlichen Seen sammelten die Menschen den Regen. So gelang es ihnen selbst in der Wüste Thar im Nordwesten des Landes genügend Wasser zu sammeln um den Bedarf für das gesamte Jahr zu decken. Das in Seen angestaute Wasser versickerte langsam im Boden und speiste so das Grundwasser. Die Brunnen lieferten so in den trockenen Monaten den nassen Segen.

Doch die indische Regierung hat versucht die Wasserversorgung zu modernisieren und zentral zu regeln. In den vergangenen Jahrzehnten baute der Staat zahlreiche Staudämme, um auch die trockenen Regionen ganzjährig mit Wasser zu versorgen. Die Menschen haben sich fast blind auf die moderne Technik verlassen. Doch das staatliche System hat versagt. Die traditionellen Wassersammelsysteme sind infolge dessen in vielen Orten zusammengebrochen.

Und auch die Neubildung von Grundwasser wurde dadurch verhindert. Die staatlichen Vorräte reichten nicht, um in den Trockenperioden genügend Wasser zu liefern. Heute besinnt man sich in vielen Gegenden zurück auf die jahrhunderte alte Tradition des Regenwassersammelns. Umweltorganisationen, wie das Center for Science and Environment ( CSE ), haben schon vor über 20 Jahren damit begonnen die Tradition des Sammelns von Regenwasser zu dokumentieren. Heute wird dieses Wissen genutzt, um den Menschen die Verantwortung für ihr Wasser zurückzugeben.

Chile: Wasser aus der Luft

Dorfbewohner reparieren Nebelfänger
Die einfachen Nebelfänger können die Dorfbewohner selbst reparieren

Auch in der Atacama-Wüste in Chile ist Wassermangel an der Tagesordnung. Obwohl die Region direkt an der Pazifikküste liegt, ist sie eine der trockensten Landstriche der Erde. Wenn jedoch morgens das kalte Wasser des StichwortHumboldt-Stroms auf warme Luft vom Festland stößt, entsteht Nebel. Dieser zieht am Vormittag über das Land.

Seit Ende der 80er Jahre hat man dieses Nebelwasser für die Menschen nutzbar gemacht. In der Nähe des kleinen Fischerdorfs Chungungo auf dem Hügel unweit der Küste hat eine kanadische Hilfsorganisation Netze aufgestellt, die den Nebel fangen. Wenn der Nebel durch die Netze zieht, kondensiert er an den Maschen. Tropfen für Tropfen fließt er in eine Rinne und anschließend in ein großes Becken. Von dort fließt das Wasser über Rohre ins Dorf. Mit 72 Netzen, die jeweils eine Fläche von 48 qm haben, gelingt es so etwa 12.000 Liter Trinkwasser pro Tag zu sammeln. Rund 30 Liter stehen jeder Person in Chungungo täglich zur Verfügung. Die Wartung der Anlage ist sehr einfach, alle Materialien sind in Chile preiswert erhältlich. Die Hilfsorganisation hat nach wenigen Jahren ihre Arbeit beendet. Heute führen die Bewohner des Dorfes die Anlage in Eigenregie.

Das Problem: verunreinigtes Wasser - die Lösung: Wasseraufbereitungsanlagen

Ein Problem, das häufig mit Wassermangel einhergeht: das wenige Wasser ist nicht sauber: Insgesamt haben 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser­ und Tag für Tag sterben 6000 Kinder auf der Welt, weil das Trinkwasser verschmutzt und mit Keimen belastet war. Helfen können da mobile Wasseraufbereitungsanlagen. Sie machen praktisch jedes Wasser zu reinem Trinkwasser. Viren, Bakterien, Chemikalien und sogar nukleare Verunreinigungen holen die Anlagen aus dem Wasser - und das ganz ohne chemische Zusatzstoffe. Das verunreinigte Wasser wird durch eine semipermeable Membran gepresst. Die Verunreinigungen bleiben an der Membran hängen, das Wasser aber gelangt hindurch. Ein sogenanntes Umkehr-Osmose Verfahren. Die Poren der Membran sind nur 0,0001 Mikron (= 0,0001 Mikrometer; 1 Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter) klein und damit viel kleiner als Viren oder gar Bakterien.

Stichwörter

1 Meerwasserentsalzung
In diesem Verfahren wird aus dem salzigen, für den Menschen so nicht genießbaren Meerwasser Trink- und Brauchwasser gewonnen. Um dies zu erreichen, gibt es verschiedene Verfahren. Das bedeutendste ist die Kompressionsverdampfung (MSF-Verdampfung, englisch Multi stage flash evaporation). Und so geht's: Das Meerwasser wird auf 90 ° C bis 130 ° C  erhitzt. Dann tritt es in die erste von etwa 30 hintereinander angeordneten Kammern ein. In jeder Kammer wird der Druck mithilfe eines Vakuumsystems gesenkt. So reduziert man die Siedetemperatur. In der ersten Kammer verdampft ein Teil des Meerwassers unter Abkühlung der Salzsole. Während des ganzen Vorgangs verdampf in jeder Kammer weiteres Wasser. Der Wasserdampf steigt auf und kondensiert mithilfe von frischem Meerwasser. Die entstandene Sole ist in der letzten Kammer auf etwa 30 ° C abgekühlt und fließt ins Meer zurück. Das Kondenswasser wird zentral gesammelt, abgekühlt und nach weiterer Bearbeitung als Trinkwasser genutzt. Zurück zum Absatz
2 Südwestmonsun
Der Monsun ist eine Luftströmung, also ein Wind, der um die Erde strömt. Im halbjährlichen Wechsel ändert er seine Richtung auf Höhe der Tropen. Der Grund dafür ist die unterschiedliche Erwärmung von Meer und Land. Im Sommer weht dieser Wind in die Hitzetiefs hinein, die sich über dem Land bilden. Im Winter hingegen weht er aus dem Kältehoch der Kontinente heraus. In Südasien und Südostasien entstehen dadurch der Südwestmonsun beziehungsweise der Nordostmonsun. Zurück zum Absatz
3 Humboldt-Stroms
Der Humboldt-Strom wird auch "Perustrom" genannt und ist eine kühle, an der Westküste Südamerikas nach Norden verlaufende Meeresströmung. Der Pazifische Ozean speist den Humboldt-Strom mit kaltem antarktischen Wasser. Die Meeresströmung entsteht durch küstenparallele Winde, die zunächst zusätzliches kaltes, nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe (Auftriebswasser) nach oben befördern. Dieses kalte Wasser beeinflusst das Küstenklima. An der südamerikanischen Westküste liegen daher auch die Hügel mit charakteristischer Nebelbildung, auf denen die "Nebel-Netze" aufgebaut sind. Zurück zum Absatz
:

Frank Endres

Stand: 12.07.2005


Alle Beiträge


Mehr zum Thema


Die Top10 Videos
im Januar

Schriftzug "Top10" vor blauem Hintergrund

Schauen Sie sich hier die beliebtesten Quarks & Co-Videos aus dem Januar an. [mehr]


Die Quarks-Symphonie


Die Top10 Videos der Zuschauerfragen

Schriftzug "Zuschauerfragen" vor blauem Hintergrund

Hier sehen Sie die beliebtesten Zuschauerfragen und ihre Auflösungen. [mehr]


Unsere Fan-Seite


Wissen macht Spaß


Service

Skript, Newsletter, Mitschnitt & Co. [mehr]


Sendetermine


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.