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Quarks & Co
Sendung vom 06. September 2005
Runderneuerung im Körper
Manchmal fragt man sich, wie viel von dem alten Auto noch dasselbe ist, wenn nicht nur die Reifen und die Zündkerzen, sondern auch Kotflügel, Bodenbleche und der Motor ausgetauscht sind. Durch regelmäßigen Austausch von Teilen bleibt das Auto nur scheinbar dasselbe – in Wirklichkeit wird es permanent verändert. Und genauso funktioniert es auch beim Menschen: regelmäßig werden Bestandteile ausgewechselt, nach einigen Jahren ist man fast ein völlig neuer Mensch. Dabei hat jede Gewebeart und jeder Zelltyp seinen eigenen Rhythmus und seinen eigenen Mechanismus, mit dem er ausgetauscht wird.
Tief in der Keimschicht bilden sich neue Zellen und wandern langsam nach außen. Dabei werden sie immer stärker zusammengequetscht, verlieren nach einiger Zeit sogar den Kern. Schließlich bilden sie eine etwa 20 Schichten starke Schutzschicht – die tote Außenhaut, die wir sehen. Nach etwa zwei bis vier Wochen ist die Zelle nur noch eine leblose Hautschuppe – sie fällt ab.
Bestimmte Knochenzellen, so genannte Osteoklasten, bauen altes Knochengewebe ab, indem sie dem Knochen Mineralien entziehen. Eine kleine Mulde entsteht – Platz für neues Gewebe. Was die einen Zellen abbauen, baut eine andere Sorte wieder auf: Osteoblasten füllen diese Mulden mit Kalzium aus. In dem neuen Knochengewebe mauern sie sich nach und nach ein, bis sie selbst nicht mehr überleben können und verknöchern. Das Gleichgewicht von ständigem Abbau und Erneuerung sorgt dafür, dass der Knochen stabil und elastisch bleibt.
Fast alle im menschlichen Körper versammelten Zelltypen verändern sich ständig. Dabei ist die Geschwindigkeit des Umbaus sehr unterschiedlich. So sind die Zellen der Blutgefäße und des Darms schon nach wenigen Tagen komplett ausgetauscht. Bei der Haut und einigen Organen ist der Wechsel eine Sache von Wochen bis Monaten. Der Umbau der Knochen dauert dann schon länger: Erst nach rund zehn Jahren ist das gesamte Skelett ausgetauscht. Noch länger leben die Muskelzellen: Wenn sie sich zum Verbund der Muskelfasern zusammengeschlossen haben, teilen sie sich nicht mehr. Nur bei Verletzungen werden sie repariert. So erreichen sie eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa 15 Jahren. Doch einige wenige Teile des Körpers bleiben lebenslang dieselben: Teile des Gehirns und des Nervensystems, das Herz und die Schweißdrüsen ändern sich nie. Nur sie sind so genauso alt wie der Mensch, zu dem sie gehören.
Martin Rosenberg
Stand: 22.10.2006
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