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Sendung vom 06. September 2005
Krebs – wenn das Sterben nicht funktioniert
Wenn im Körper normale Zellen zu Krebszellen werden, fallen zwei wichtige Regelmechanismen aus. Zum einen teilen sich die entarteten Zellen immer weiter, so erzeugen Krebszellen immer neue Krebszellen. Zum anderen funktioniert ihr Selbstmordprogramm nicht mehr. Dieses sorgt normalerweise dafür, dass Zellen zugrunde gehen, die schwere Schäden im Erbgut haben, oder die sich aus ihrem Heimat-Gewebeverband gelöst haben und im Körper herum vagabundieren. Das Ergebnis sind unsterbliche Zellen, die sich immer weiter vervielfältigen und im Körper Tumoren und Metastasen bilden.
Krebstherapien zielen auf diese zwei Krankheitsursachen ab. Zum einen versucht man, die entarteten Zellen zu vernichten. Dazu dient die Strahlentherapie, oder bestimmte Mittel, die Zellen töten oder in ihrem Wachstum behindern (so genannte Zytostatika). Allerdings trifft man damit auch viele andere, gesunde Zellen, die sich ebenfalls schnell teilen. Sie sitzen zum Beispiel in den Haarwurzeln und im Knochenmark. Deshalb fallen den Patienten bei der Strahlen- oder Chemotherapie die Haare aus, und es kommt zu anderen schweren Nebenwirkungen. Zum anderen versucht man, das Selbstmordprogramm der Krebszellen zu aktivieren. Auch das geschieht teilweise bei Strahlen- und Chemotherapie. Doch wieder greift man bei der Aktivierung des Selbstmordprogramms auch gesunde Körperzellen an. Forscher und Mediziner suchen deshalb nach Wegen, ausschließlich in den Krebszellen die Selbstmordgene zu aktivieren, so dass sie sich selbst beseitigen. Bisher noch ohne durchschlagenden Erfolg, doch weltweit arbeiten viele Krebsforscher an einer solchen Therapie.
In sehr seltenen Fällen geschieht es, dass das Selbstmordprogramm der Krebszellen von selbst, ohne medizinische Therapie, wieder anspringt und Tumoren oder Metastasen wieder verschwinden. Dies sind jedoch extreme Ausnahmen, Fachleute schätzen die Wahrscheinlichkeit mit 1:100.000 ein. Leider bedeutet diese spontane Besserung nicht in jedem Fall eine Heilung, denn es kann sich auch nur um ein vorübergehendes Verschwinden oder eine Rückbildung handeln, die nur teilweise erfolgt. Die Ursachen für diese so genannten Spontanremissionen sind leider noch unbekannt, dabei könnten gerade sie den Medizinern Wege zur Heilung aufzeigen. Doch weil sie so selten und nicht vorhersagbar sind, sind sie nur schwer zu erforschen.
Es gibt jedoch eine Krebsform, bei der spontane Besserungen sehr viel häufiger sind als bei allen übrigen: das so genannte Neuroblastom im Stadium 4S. Es ist eine Krebsart, bei der Teile des Nervengewebes angegriffen werden, hauptsächlich bei Säuglingen. Der Krebs entsteht dabei aus Zellen links und rechts von der Wirbelsäule. Bevor das Kind auf die Welt kommt, sollten diese Zellen eigentlich das Nebennierenmark bilden. Aber das tun sie nicht - stattdessen bleiben sie in ihrem unfertigen, embryonalen Zustand und teilen sich immer weiter. Sie bilden Tumore und teilweise sogar Metastasen. Beim 4S-Neuroblastom sind auch das Knochenmark und die Leber betroffen. Trotzdem stehen bei dieser Variante die Chancen auf Heilung durch Spontanremission besonders gut, etwa bei 80 Prozent. Die Gründe dafür werden im Moment intensiv erforscht. Die Onkologen der Universitäts-Kinderklinik Köln sind Spezialisten auf diesem Gebiet. Sie haben inzwischen festgestellt, dass eine spontane Rückbildung auch bei den anderen Neuroblastom-Formen vorkommen kann – allerdings nicht so häufig.
Ismeni Walter
Stand: 22.10.2006
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