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Ökofleisch: Billiger geht es nicht

Handarbeit hat ihren Preis

  • SendeterminDienstag, 08. November 2005, 21.00 - 21.45 Uhr .

Handarbeit im Ökostall schlägt sich auf den Preis nieder

Foto: Bauer mistet Schweinestall aus, Ferkel gucken zu
Gesundes Stroh für die Schweine, und der Bauer mistet selbst: das macht die Öko-Schnitzel teurer

Ein Schweineschnitzel im Supermarkt kostet rund sieben Euro – eines, das nach den Richtlinien der ökologischen Landwirtschaft produziert wurde, ist rund doppelt so teuer. Wie kommt dieser Unterschied zustande? Der Preis für ein Schnitzel setzt sich aus unterschiedlichen Faktoren zusammen: den Kosten für die Aufzucht der Schweine, den Kosten für das Schlachten und Zerlegen und auch den Kosten für den Verkauf. Quarks & Co. hat die Kosten am Beispiel des ökologischen Bauernhofs Stautenhof in Willich nachrecherchiert.

Kurzes Leben für billige Schnitzel

Grafik: Verkaufspreis pro Kilo Lebendgewicht, den ein schlachreifes
Schwein einbringen muss
Verkaufspreis pro Kilo Lebendgewicht, den ein schlachreifes Schwein einbringen muss

Bauer Christoph Leiders hält 80 Zuchtsauen und 270 Mastschweine. Im Jahr kann er etwa 1000 Schweine schlachten und 500 Ferkel weiterverkaufen. Er rechnet für das Futter der Schweine – das ausschließlich aus ökologischem Anbau stammen darf – 120 Euro im Laufe eines Schweinelebens. Gebäude, Stroh, Heizung und Wasser kosten pro Schwein 67 Euro. Für jedes verkaufte Schwein kalkuliert der Bauer noch 2,5 Arbeitsstunden der Mitarbeiter, die sich um die Schweine kümmern. Insgesamt ergeben sich 2,49 Euro pro Kilo, die ein schlachtreifes Schwein einbringen muss, um die bis dahin entstandenen Kosten zu decken. Konventionelle Züchter müssen ihre Schweine für deutlich weniger Geld abgeben. 1,43 Euro bekommen sie pro Kilo Lebendgewicht. Das geht nur mit Massentierhaltung, konventionellem Futter und chemischen Mitteln wie Antibiotika. Die Schweine werden früher geschlachtet und verbrauchen weniger Futter. Statt auf Stroh stehen sie auf pflegeleichten Kunststoffböden mit Spalten, durch die die Exkremente hindurch fallen. Die flüssige Gülle kann wesentlich einfacher entsorgt werden.

Konventionelle schlachten im Akkord

Grafik: Kostenfaktor Schlachtung
Der nächste Kostenfaktor ist die Schlachtung

Der nächste Kostenfaktor ist die Schlachtung. Ökobauer Leiders hat vor ein paar Jahren extra ein neues Schlachthaus gebaut. Dort schlachtet er jeden Samstag 20 Schweine. Personal, Energie und Infrastruktur schlagen sich mit 35 Euro pro Schwein nieder – bei einem durchschnittlichen Schlachtgewicht von 96 Kilogramm pro Schwein macht das weitere 37 Cent, die er auf den Kilopreis aufschlagen muss. Insgesamt also bis hierhin 2,86 Euro. Konventionelle Schlachthäuser schaffen es, im Durchschnitt für 23 Cent pro Kilo zu schlachten. Auch hier macht es die Menge: Wie ein Industriebetrieb müssen die Bänder möglichst lange laufen, denn jeder Stillstand kostet Geld. Tausende von Schweinen werden jeden Tag geschlachtet – nur so können sich große Schlachtbetriebe rentieren.

Grafik: Wie das geschlachtete Schwein zerlegt wird, wirkt sich
ebenfalls auf die Kosten aus
Wie das geschlachtete Schwein zerlegt wird, wirkt sich ebenfalls auf die Kosten aus

Wie das geschlachtete Schwein zerlegt wird, wirkt sich ebenfalls auf die Kosten aus. Nur etwa zwei Drittel des Schweins kann der Metzger überhaupt verwenden, etwa für Schinken oder für Würste, die weniger Geld bringen. Der Rest sind Knochen und Schlachtabfälle, die in der Tierkörperverwertung entsorgt werden. Auch dafür muss der Bauer wieder zahlen. Insgesamt wird das Schnitzelfleisch durch diese Kosten um 2,74 Euro teurer und würde hier schon 5,60 Euro pro Kilo kosten. Konventionelle Zerlegebetriebe schaffen es, die Kosten bei 47 Cent zu halten.

Auch Verkaufen kostet Geld

Grafik: Auch Verkaufen kostet Geld
Auch Verkaufen kostet Geld

Der Ökobauer in Willich verkauft sein Fleisch direkt ab Hof, drei Mitarbeiterinnen im Laden kümmern sich um die Kunden. Und die Angestellten kosten Geld, genauso wie Gebäude und Wasser, Strom und Heizung. Alles in allem erreicht das Schnitzel bei Bauer Leiders so einen Ladenpreis von 14,50 Euro pro Kilo. In der konventionellen Verwertungskette dagegen schlagen Vertrieb und Verkauf nur mit 4,87 Euro pro Kilo Schnitzel zu Buche. Insgesamt kann das konventionelle Schnitzel daher schon für 7 Euro pro Kilo im Supermarkt angeboten werden.

Umweltbelastung: Konventionelle überlassen das dem Staat

Allerdings sind bei diesen Berechnungen nicht alle Faktoren berücksichtigt: Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) rechnet vor, dass der Preisunterschied zwischen Ökofleisch und konventionellem Schweinefleisch auch dadurch zustande kommt, dass die Kosten für Umweltschäden durch konventionelle Schweinezucht nicht eingerechnet werden. Umweltschäden entstehen zum Beispiel durch Kohlendioxid-Emissionen (Treibhauseffekt) und durch die Verschmutzung von Wasser mit Phosphaten, Nitraten und Pflanzenschutzmitteln. Für diese Schäden muss die Allgemeinheit bezahlen, deshalb tauchen die Kosten im Erzeugerpreis eines Schnitzels nicht auf. Bei der ökologischen Produktion fallen diese Kosten in weit geringerem Umfang an, weil Ökobauern zum Beispiel beim Futteranbau auf Spritzmittel und Mineraldünger verzichten. Das IÖW hat ausgerechnet, um wie viel teurer ein konventionelles Schnitzel sein müsste, wenn man die Kosten für die Beseitigung der Umweltschäden auf den Kilopreis umlegt: Es müsste dann um 47,3 Cent pro Kilo teurer sein, das Ökoschnitzel nur um 1,6 Cent. Die Preisdifferenz würde sich dadurch etwas zugunsten des Ökofleisches verschieben.

Konventionelle Erzeuger beschweren sich oft, dass die Kunden einfach nicht bereit seien, mehr Geld für Lebensmittel zu zahlen – sie würden so zu einer quasi-industriellen Massenproduktion gezwungen. Sie könnten recht haben: 1980 musste ein Industriearbeiter noch 47 Minuten arbeiten, um ein Kilo Schweinefleisch zu verdienen. Im Jahr 2004 waren es nur noch 26 Minuten – fast die Hälfte. So gesehen kostet ein Ökoschnitzel heute ungefähr so viel wie vor 25 Jahren ein konventionelles.

Autor:

Martin Rosenberg

Stand: 22.10.2006


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