Der 10. Planet

  • Dienstag, 20. Dezember 2005, 21.00 - 21.45 Uhr

Szenenbild aus der Sendung Quarks & Co

Wie viele Planeten gibt es im Sonnensystem?

Grafik: Blick von Planetenoberfläche auf Mond

Sieht so der 10. Planet im Sonnensystem aus?

Die meisten Planeten in unserem Sonnensystem sind als helle Punkte mit bloßem Auge am Nachthimmel zu sehen und daher schon seit Jahrtausenden bekannt. Die drei, die am weitesten entfernt sind - Uranus, Neptun und Pluto – wurden erst mit Hilfe von Teleskopen entdeckt, zuletzt war es der Pluto im Jahr 1930. Er ist am weitesten von der Sonne entfernt und dazu der kleinste Planet unseres Sonnensystems. Seitdem steht jedenfalls fest, dass es neun Planeten gibt, das lernt jedes Kind in der Schule. Es gibt dazu einen Spruch als Eselsbrücke, mit dem man sich die Namen, die Anzahl und die Reihenfolge der Planeten merken kann: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten." Die Anfangsbuchstaben M, V, E, M, J, S, U, N und P entsprechen den Anfangsbuchstaben der Planeten: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto. Doch vielleicht müssen die Kinder sich bald einen neuen Namen merken – denn es könnte noch ein Buchstabe dazukommen: Wissenschaftler sind dem 10. Planeten auf der Spur.

Neuer Planet entdeckt?

Animation: rötlicher Ausschnitt des Sternenhimmels, drei Aufnahme im Wechsel

Auf diesen drei Aufnahmen wurde 2003UB313 entdeckt. Es ist der einzige Lichtpunkt der sich von Aufnahme zu Aufnahme bewegt

Der Astronom Michael Brown vom California Institute of Technology in den USA sucht seit Jahren nach Objekten in unserem äußeren Sonnensystem, und zwar jenseits des Pluto. Auf einer Serie von drei Aufnahmen entdeckte er im Januar 2005 einen Lichtpunkt, der sich bewegt (siehe Bilderfolge). Der Himmelskörper bekam den etwas unhandlichen Namen 2003UB313, und aus seinen Positionen berechnete Brown mit Hilfe der Gravitationsgesetze die Umlaufbahn. Sie ist fast doppelt so groß wie die des Pluto. Rund 560 Jahre braucht das Objekt für einen Umlauf um die Sonne, ein Jahr auf dem 2003UB313 dauert also 560 Erdenjahre. Viele Wissenschaftler vermuten, dass es sich um einen bisher unbekannten Planeten handeln könnte.

Größer als der Pluto

Grafik: PC-Diagramm, rote und gelbe Kurve schneiden sich

Aus den Kurven des reflektierten sichtbaren Licht und der Wärmestrahlung können Astronomen den Durchmesser des mutmaßlichen Planeten bestimmen

Um diese Vermutung zu bestätigen, haben sie die Größe des Objektes bestimmt. Das ging allerdings nicht so einfach, denn im Gegensatz zu anderen Planeten, etwa Jupiter oder Saturn, bleibt der 2003UB313 auch durch ein leistungsfähiges Teleskop betrachtet nur ein einzelner Lichtpunkt. Man sieht ihn nicht als Scheibe und konnte daher auch nicht ohne weiteres seinen Durchmesser bestimmen. Astronomen um den Bonner Professor Frank Bertoldi haben dennoch eine Möglichkeit dazu gefunden: Sie haben eine spezielle wärmeempfindliche Kamera entwickelt, die mit dem 30-Meter-IRAM-Radioteleskop in Südspanien verbunden wird. Damit können sie die Wärmestrahlung messen, die der 2003UB313 abstrahlt. Diese Daten kombinieren sie dann mit Messungen des reflektierten, sichtbaren Lichts. Das Ergebnis: Der 2003UB313 hat einen Durchmesser von rund 3100 Kilometern. Er ist damit um fast ein Viertel größer als der Pluto. Das Lichtspektrum verrät Frank Bertoldi außerdem, dass seine Oberfläche leicht rötlich und mit einer Eiskruste aus Methan überzogen ist.

Das Objekt hat einen Mond

Grafik: großer und kleiner leuchtender Punkt

Die Aufnahme des Keck-Teleskops zeigt den Mond von 2003UB313

Am 10. September 2005 meldeten Astronomen eine weitere Entdeckung: Auf einer Aufnahme des Keck-Observatoriums auf Hawaii, des größten irdischen Teleskops, ist ein weiterer kleiner Lichtpunkt zu sehen, der sich zusammen mit dem 2003UB313 bewegt. Es scheint also, als habe der neu entdeckte Planet auch einen Mond!

Die Planetenzahl könnte sich bald verändern

Grafik: Umlaufbahn des "neuen Planeten

Umlaufbahnen der Planeten um die Sonne, hervorgehoben, die des neuen Objektes

Doch ist das Objekt 2003UB313 tatsächlich der 10. Planet in unserem Sonnensystem? Was ist überhaupt ein Planet? Bisher hat man einfach alle Objekte, die um die Sonne kreisen, kugelförmig sind und eine gewisse Größe haben, als Planeten bezeichnet. Nach dieser Definition müsste das neue Objekt also ein Planet sein. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Unterschiede: Fast alle Planeten haben eine nahezu kreisförmige Bahn um die Sonne und liegen praktisch auf einer Ebene. Die Bahn von 2003UB313 ist dagegen sehr elliptisch und stark gegenüber den üblichen Bahnebenen geneigt. Pikant ist, dass die Bahn des Pluto genau zwischen diesem neuen Objekt und denen der andern acht Planeten liegt. Man könnte also sagen, dass auch Pluto kein echter Planet ist, zumal er vergleichsweise klein ist. Einige Wissenschaftler wollen ihm diesen Status daher tatsächlich aberkennen. Die Diskussion dauert an, und noch hat sich die Internationale Astronomische Union nicht für eine Planetendefinition entschieden. Auch der Name des neuen Objektes steht noch nicht fest, bei der Kombination aus Zahlen und Buchstaben wird es nämlich nicht bleiben. Doch eines scheint zurzeit absehbar: Entweder wir haben in unserem Sonnensystem zehn oder sogar mehr Planeten, oder die Zahl schrumpft auf acht.

: Ulrich Grünewald


Stand: 22.10.2006, 14:03 Uhr


Stichwörter

2003UB313
Der Name 2003UB313 setzt sich folgendermaßen zusammen: "2003" gibt das Jahr an, in dem die Aufnahmen entstanden sind, auf dem das Objekt entdeckt wurde. Bei einer ersten Analyse 2003 war das Objekt nicht erkannt worden, erst bei einem zweiten Anlauf im Januar 2005 fiel es den Astronomen auf. "U" steht für den Zwei-Wochen-Zeitraum, in dem die Aufnahme gemacht wurde. "A" wären die ersten beiden Wochen im Januar, "B" die dritte und vierte Woche usw. "U" bezeichnet damit die zweite Hälfte des Oktobers. "B313" gibt an um das wievielte Objekt es sich handelt. Die Zählweise läuft folgendermaßen: A1, B1, C1,...A2, B2,...A313, B313.

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