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Quarks & Co
Sendung vom 09. Mai 2006
Reise durch die Nacht
Was im Schlaf passiert, das kriegt man normalerweise nicht mit – man schläft ja... Im Großen und Ganzen erleben gesunde Menschen ihren Schlaf als kürzere oder längere Einschlafphase mit einigen wilden Träumen. Den eigentlichen Schlaf nimmt man nicht wahr, erst das Aufwachen tritt wieder ins Bewusstsein. Das Team von Quarks & Co wollte es genau wissen: Was passiert im Schlaf wirklich? Im Schlaflabor der Ruhrlandklinik in Essen beobachteten wir eine Nacht lang einen jungen Mann. Dessen Schlaf haben die Ärzte mit vielen Messinstrumenten genau erfasst: Elektroden maßen seine Hirnströme, seine Augenbewegung und die Muskelspannung. Auch der Sauerstoffgehalt im Blut, sein Herzschlag und seine Atemfrequenz wurden genau überwacht. In dem dunklen Schlafzimmer stellten wir eine Infrarot-Kamera auf, so dass wir unseren Testschläfer Niklas während der gesamten Nacht filmen konnten, ohne ihn beim Schlafen zu stören.
23 Uhr: Niklas löscht das Licht. Sein Körper entspannt sich: Er gleitet langsam in den Tiefschlaf. Niklas liegt dabei völlig ruhig im Bett, doch sein Gehirn arbeitet. Das sieht man an der Kurve seiner Hirnströme; charakteristisch für den Tiefschlaf sind große langsame Wellen.
0 Uhr: Plötzlich passiert etwas Unerwartetes: Der Wecker war falsch gestellt und klingelt. Doch Niklas ist im Tiefschlaf: Er schläft so fest, dass er nichts merkt, obwohl der Wecker fast zwei Minuten klingelt. Auch die Ärzte können an den vielen Messkurven keine Reaktion auf den Wecker erkennen.
0:50 Uhr: Niklas träumt das erste Mal in dieser Nacht. Das merkt man an seinen Augenbewegungen. Eben noch langsam, geht plötzlich die Post ab: Die Augen rollen wild hin und her. Sein Gehirn ist ähnlich aktiv wie tagsüber, das Herz schlägt heftig. Doch Arme und Beine kann Niklas jetzt nicht bewegen. Seine Muskeln sind völlig entspannt; der Körper geradezu gelähmt. Das ist eine gute Sache, sonst würde er vielleicht um sich schlagen.
Zehn Minuten später gleitet er wieder langsam in den Tiefschlaf – genauso wie beim Einschlafen. Dieses Auf und Ab macht den Schlaf aus: Man sinkt mehrmals in den Tiefschlaf, taucht dann wieder auf und landet in einer Traumphase. Bis zum Morgen passiert dies vier- bis sechsmal.
3:15 Uhr: Die halbe Nacht ist vorbei – und in Niklas Körper entsteht jetzt ein Stress-Hormon, das Kortisol. Es bereitet den Körper auf das Aufwachen vor. Das deutlichste Zeichen dafür ist, dass die Körpertemperatur ansteigt: von 36 Grad auf 36,5 Grad.
5 Uhr: Die Ärzte merken, dass Niklas jetzt so gut wie wach ist. Das erkennen sie an den aufgezeichneten Kurven. Jedes Geräusch könnte ihn jetzt aufwecken. In den Phasen mit leichtem Schlaf kommt das recht häufig vor – bis zu 28 Mal in jeder Nacht. Das ist ganz normal und stört den Schlaf nicht. Wenn man nur kurz aufwacht, kann man sich noch nicht einmal daran erinnern.
7 Uhr: Es ist schon hell und Niklas träumt seinen letzten Traum für diese Nacht. Als der Wecker – diesmal zur richtigen Zeit klingelt – wacht Niklas sofort auf. Die Auswertung der Messergebnisse zeigt, dass Niklas gut geschlafen hat, trotz der vielen Kabel an seinem Körper.
Axel Bach
Stand: 02.10.2006
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