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Getrennt und vereint

Wiedersehen nach 26 Jahren

  • SendeterminDienstag, 23. Mai 2006, 21.00 - 21.45 Uhr .

Ein ganz normales Zwillingspaar?

Foto: Cornelia und Ulrike sitzen gemeinsam auf Sofa
Die eineiigen Zwillinge Cornelia und Ulrike wurden als Babys voneinander getrennt

Cornelia und Ulrike sehen sich so ähnlich, wie es für eineiige Zwillinge typisch ist: Sie haben die gleiche Frisur und den gleichen Geschmack, lieben es, sich im Partnerlook zu kleiden und sind gerne künstlerisch tätig. Sogar die Art, wie sie ihre Zigarette halten, ist identisch. Das klingt nicht weiter verwunderlich - bis man hört, dass sie bis zu ihrem 26. Lebensjahr nichts voneinander wussten und trotzdem diese Gemeinsamkeiten ausbildeten.

Unterschiedliche Adoptivfamilien

Fotocollage: Zwillinge als Babys
Ein gemeinsames Bild der Zwillinge im Babyalter gibt es nur als Fotomontage

Cornelia und Ulrike werden 1969 in der DDR geboren. Sie kommen noch als Babys in ein Kinderheim und werden zur Adoption frei gegeben. Bereits nach wenigen Wochen holen Adoptiveltern Ulrike ab. Dabei erfahren sie nur per Zufall, dass es noch eine Zwillingsschwester gibt. Als sie wenige Tage später versuchen, auch dieses Kind zu adoptieren, ist es schon an eine andere Familie vermittelt worden – zur damaligen Zeit durchaus üblich. Heute bemühen sich die Behörden, Zwillinge immer in derselben Familie unterzubringen.

Ein erster Hinweis

Die Mädchen wachsen auf, ohne voneinander zu wissen. Erst als sie in der Pubertät sind, erfahren sie von ihrer Adoption. Aber nur die Eltern von Ulrike können ihr auch von der Zwillingsschwester berichten. Natürlich denkt Ulrike darüber nach, ob sie die Schwester suchen soll, doch sie verzichtet darauf. Schließlich weiß sie nicht, ob sie sie überhaupt finden kann und ob sie nicht das Leben der anderen völlig durcheinander bringen würde. Doch jedes Jahr an ihrem gemeinsamen Geburtstag denkt sie an ihre Schwester.

Die Suche nach dem verlorenen Zwilling

Foto: Ulrike im Alter von 26 Jahren, mit langen blonden Locken
Mit 26 Jahren beginnt Ulrike mit der Suche nach ihrer Zwillingsschwester

Im Alter von 26 Jahren fasst Ulrike eines Abends den Entschluss, die Suche zu beginnen. Jetzt muss alles ganz schnell gehen: Sie ruft die unterschiedlichsten Ämter an und drängt sie, ihr Auskunft über die verlorene Zwillingsschwester zu geben. Offenbar sind die Beamten von der Geschichte und dem Engagement gerührt. Was normalerweise mehrere Wochen dauern würde und nur auf schriftlichem Weg möglich wäre, geschieht innerhalb von kurzer Zeit per Telefon: Ulrike hält die Telefonnummer von Cornelias Adoptiveltern in den Händen.

Erster Kontakt am Telefon

Cornelia erfährt am nächsten Tag von ihrer Mutter, dass sie eine Zwillingsschwester hat, die sich per Telefon gemeldet hat. Auf tausend Fragen will Cornelia jetzt eine Antwort haben, aber die Mutter vertröstet sie auf den nächsten Tag, an dem Ulrike noch mal anrufen will. Der erste Kontakt verläuft dann überraschend vertraut. Nach einem ersten zaghaften "Hallo?" brechen beide in Tränen aus. Es folgt ein langes Gespräch, bei dem sich beide viel über ihre Leben erzählen. Dabei entdecken sie, wie viele Gemeinsamkeiten sie haben: von der Frisur über die Anzahl der Kinder bis zum persönlichen Geschmack. Beide haben außerdem eine künstlerische Ader und in ihrem Wohnzimmer steht eine Staffelei sowie eine angekleidete Schaufensterpuppe. Trotz der großen Vertrautheit während dieses ersten Gesprächs sind sie jedoch zurückhaltend, was ein Treffen angeht. Zunächst schreiben sie sich einen Brief und legen ein aktuelles Foto bei. Verblüfft stellen die jungen Frauen fest, dass sie sich nicht nur extrem ähnlich sehen, sondern auch die gleiche Schrift haben - beide haben das Gefühl, dass sie einen Brief von sich selbst lesen.

Das Wiedersehen

Foto: Ulrike und Cornelia umarmen sich
Ein erstes Treffen der Zwillinge nach 26 Jahren

Drei Wochen später macht sich Ulrike dann mit ihrer Adoptivmutter auf den Weg zum ersten Besuch. Cornelia steht schon Stunden vor der vereinbarten Uhrzeit immer wieder am Fenster. Sie möchte auf keinen Fall die Ankunft verpassen und hofft, zunächst einen geschützten Blick auf ihre Schwester werfen zu können, bevor sie selbst gesehen wird. Doch als sie ihre Schwester schließlich aus dem Auto aussteigen sieht, ist sie nicht mehr zu halten. Sie stürmt ihrer Schwester auf der Straße entgegen und beide fallen sich in die Arme. So glücklich dieser Moment ist, so unheimlich ist er doch beiden. Minutenlang können sie sich nicht direkt in die Augen schauen. Beide haben das Gefühl, in einen Spiegel zu schauen, doch das Spiegelbild bewegt sich und hat eine eigene Persönlichkeit. Nur langsam gewöhnen sie sich an diesen irritierenden Anblick. Aber als sie schließlich in der Wohnung von Cornelia Kaffee trinken, fühlt sich Ulrike schon wie zu Hause. Den ganzen Tag verbringen die Zwillinge miteinander und stellen immer mehr Gemeinsamkeiten fest, teilweise scheint es die 26 Jahre der Trennung gar nicht gegeben zu haben.

Wunschtraum gemeinsame Wohnung

Foto: Cornelia und Ulrike sitzen gemeinsam auf Sofa
Cornelia und Ulrike freuen sich auf eine gemeinsame Zukunft

Seit dem ersten Besuch halten sie regelmäßig Kontakt. Da sie in verschiedenen Städten wohnen, telefonieren sie fast täglich miteinander. Ihre enge Beziehung ist eine Selbstverständlichkeit geworden. Auch die Familien haben sich an den Zuwachs gewöhnt.

Doch für beide hat sich auch etwas geändert - sie sind selbstsicherer geworden. Was kann es schließlich für eine bessere Bestätigung geben, als dass jemand anderes ein vergleichbares Leben führt, ähnliche Wünsche hat, Entscheidungen trifft, und dabei genauso glücklich ist? Natürlich nutzen sie diese gemeinsame Linie auch. Wenn sie sich zusammen etwas in den Kopf gesetzt haben, sind sie kaum zu bremsen. Ein großer Wunsch wird trotzdem noch eine Weile warten müssen: Um sich noch näher zu sein, wollen beide irgendwann zusammenziehen.

:

Ulrich Grünewald

Stand: 02.10.2006


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