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Auf ewig verbunden

Siamesische Zwillinge

  • SendeterminDienstag, 23. Mai 2006, 21.00 - 21.45 Uhr .

Die Sensation aus Siam

Foto: Chang und Eng Bunker als junge Männer
Chang und Eng, die berühmten siamesischen Zwillinge, als junge Männer

Antike Skulpturen und Höhlenzeichnungen zeigen, dass es siamesische Zwillinge seit jeher gegeben hat. Die Bezeichnung entstand aber erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als ein Fall aus Thailand – dem damaligen Siam – weltbekannt wurde. Am 11. Mai 1811 brachte eine Chinesin in Mae-Klong, etwa 60 Kilometer westlich von Bangkok, Zwillinge zur Welt. Die Geburt der beiden Jungen war eine kleine Sensation: Sie waren vom Brustbein bis zum Bauchnabel miteinander verwachsen. Die Dorfbewohner betrachteten das Monster argwöhnisch – die seltsamen Zwillinge galten vielen als Omen für den Weltuntergang. Organe teilten sie sich nicht, aber ihre Blutkreisläufe waren über die Lebern miteinander verbunden. Heute könnte man sie mit einer Operation leicht trennen, damals jedoch hätte ein so massiver Eingriff für einen von beiden den Tod bedeutet.

Eine fast normale Kindheit

Chang und Eng wuchsen wie normale Kinder auf. Durch tägliches Training gelang es ihnen, die Knorpel-Hautbrücke zu dehnen, die sie verband, so dass sie nebeneinander stehen, laufen, rennen und sogar schwimmen konnten. Als die beiden 13 Jahre alt waren, wurden sie von dem englischen Händler Robert Hunter und seinem amerikanischen Geschäftsfreund Abel Coffin entdeckt. Die beiden überzeugten die Mutter davon, dass die Zukunft der Zwillinge außerhalb Siams lag – die Summe von 3000 Dollar soll dabei die Überzeugungsfähigkeit von Hunter und Coffin gesteigert haben.

Die Behinderung als Kapital

Foto: Phineas T. Barnum
Mit Auftritten in Barnums Zirkus, damals dem größten der Welt, wurden Chang und Eng weltberühmt

Am 1. April 1829 verließen Chang und Eng Siam und kehrten nie zurück. In Amerika waren sie sehr erfolgreich: Viele bezeichneten sie als das achte Weltwunder. Für 50 Cent Eintritt konnte das Publikum sie beim Laufen und Rennen beobachten und ihnen Fragen stellen. Später erweiterten die beiden ihr Programm durch Rückwärtssalti und Kraftübungen, bei denen sie zum Beispiel den schwersten Zuschauer auf der Bühne umher trugen. So wurden die Brüder als die "Siamesischen Zwillinge" weltberühmt. Da sie in jeder Stadt von Ärzten untersucht wurden, erfreuten sie sich bester Gesundheit. Diese Untersuchungen dienten aber weniger der Vorsorge, vielmehr sollten sie die Verbindung der beiden bestätigen und die Auftritte der siamesischen Zwillinge glaubwürdiger machen. Mehrere Stunden täglich verbrachten Chang und Eng auf der Bühne – gerade einmal 10 Dollar plus Spesen verdienten sie im Monat, während die Shows durchschnittlich 1000 Dollar im Monat einbrachten. Mit 21 beendeten Chang und Eng die Geschäftsbeziehung zu Coffin, der sich schon Jahre zuvor von Hunter getrennt hatte. Stattdessen gingen die Zwillinge mit StichwortPhineas Taylor Barnum, dem berühmten amerikanischen Zirkusdirektor, auf Tournee. Mit ihm tingelten sie noch sieben weitere Jahre durch Amerika.

Hochzeit im Doppelpack

Nach zehn Jahren in der Öffentlichkeit wollten sich die Männer schließlich zur Ruhe setzen. Inzwischen hatten sie ein kleines Vermögen angehäuft. 1839 ließen sich Chang und Eng in Wilkesboro in North Carolina nieder, nahmen den Nachnamen Bunker an und kauften eine Tabakplantage. Auf der Hochzeit eines Freundes lernten sie die Schwestern Adelaide und Sally Yates kennen und lieben – was in Wilkesboro auf wenig Gegenliebe stieß. Zu bizarr schien sogar engen Freunden die Vorstellung, dass die Paare ein normales Familienleben führen könnten. Chang und Eng fuhren heimlich nach Philadelphia - sie wollten sich dort operieren lassen, um die Schwestern heiraten zu können. Das konnten die beiden Bräute im letzten Moment verhindern, und damit ihren Männern das Leben retten. So fand am 15. April 1843 im Haus der Eltern von Sally und Adelaide eine Doppel-Hochzeit im kleinen Kreis statt. Nur ein Jahr später bekamen Sally und Adelaide je eine Tochter, im Abstand von sechs Tagen. Auch die zweiten Kinder kamen mit nur acht Tagen Abstand auf die Welt. Wie genau diese Kinder gezeugt wurden, darüber schwiegen sich die Familien aus. Sicher ist aber, dass es im gesamten Haus nur ein einziges Ehebett für alle vier gegeben hat.

Familienleben nach Zeitplan

Foto: Chang und Eng Familienfoto
Im Jahr 1843 heirateten die Bunker-Zwillinge. Insgesamt bekamen sie 21 Kinder

Die Familien wurden immer größer – und nach fast zehn Jahren unter einem Dach trennten sie sich 1852, Adelaide zog mit ihren Kindern aus. Eng und Sally hatten schon neun Kinder, Chang und Adelaide sieben. In den folgenden Jahren bekamen Chang und Adelaide noch drei weitere Kinder, Eng und Sally noch zwei. Der Grund für die Trennung: die Frauen hatten begonnen, sich zu streiten. Chang und Eng lebten von nun an nach einem strengen Zeitplan: immer drei Tage in einem und drei Tage im anderen Haus, wobei der "Gast-Bruder" nach Lust und Laune des "Hausherren-Bruders" leben musste.

Verbunden bis zum Ende

Am 16. Januar 1874 erwachte Eng neben seinem toten Bruder. Chang war mitten in der Nacht an einem Schlaganfall gestorben. Der eilends herbeigerufene Arzt, der die beiden nun doch noch trennen sollte, kam zu spät. Eng starb nur drei Stunden nach seinem Bruder. Woran er gestorben ist, blieb unklar, auch eine Autopsie konnte das nicht klären. Wahrscheinlich ist er dem Schock erlegen. So haben die siamesischen Zwillinge die Welt auf dieselbe Art verlassen, wie sie sie betreten haben: zusammen!

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1 Phineas Taylor Barnum
Phineas Taylor Barnum (5. Juli 1810 bis 7. Juli 1891) war ein amerikanischer Zirkuspionier. Sein Zirkus war nicht nur für die Künstler und Artisten berühmt, sondern vor allem auch für Darsteller, die sich durch körperliche Makel auszeichneten. So gehörten neben den siamesischen Zwillingen auch Zwerge, Riesen, Albinos, Männer und Frauen ohne Kopf, Arme oder Unterleib zum Ensemble der "größten Show der Welt". Zurück zum Absatz
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Katrin Krieft

Stand: 02.10.2006


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