Hauptnavigation

Freitag, 10.02.2012

Suche im Redaktionsangebot von Quarks & Co
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

Navigation


Zurück: Januar 2012 Sendeplan für Februar 2012 Weiter: März 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05
06 07 08 09 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Wissen > Quarks & Co > Sendung vom 26. September 2006 > Woher kommt die Angst vor Spinnen?


Woher kommt die Angst vor Spinnen?

Von Ur-Angst-Theorien und Erziehungsfragen

  • SendeterminDienstag, 26. September 2006, 21.00 - 21.45 Uhr .

Ein ungefährliches Tier

Foto: Wespenspinne
Für den Menschen ungefährlich – eine Wespenspinne

Spinnen stellen in Mitteleuropa keine Gefahr für Menschen dar. In Deutschland gibt nur Stichwortzwei Arten, deren Biss etwa einem Wespenstich gleichkommt, und diese Arten kommen zudem überaus selten vor. Und doch empfinden die meisten Deutschen beim Anblick einer Spinne Unbehagen, Ekel, und eben: Angst. Erstaunlich angesichts der geringen Bedrohung, die von den Tieren ausgeht. Wissenschaftler haben unterschiedliche Erklärungen für das Phänomen der besonders in westlichen Zivilisationen weit verbreiteten Spinnenängste, zum Teil widersprüchliche.

Unberechenbare Achtbeiner

Foto: Hauswinkelspinne
Die Hauswinkelspinne

Einige Psychologen vermuten, dass der Mensch besonders vor Tieren Angst entwickelt, die sich genetisch sehr von ihm unterscheiden. Die Spinne könne sich zudem sehr schnell und für den Menschen nur schwer berechenbar bewegen, und urplötzlich in seiner Nähe auftauchen. Biologen wenden dagegen ein, dass diese Merkmale auch auf Fliegen, Mücken oder Wespen zutreffen. Und die sind zum Teil für den Menschen wesentlich gefährlicher als Spinnen, aber sie lösen bei ihm viel seltener Ängste aus.

Gibt es eine Spinnen-Urangst?

Foto: Vogelspinne
Sind Spinnen etwa Urfeinde der frühen Menschen gewesen?

In den 1970er Jahren haben Psychologen die menschliche Spinnenangst in zahlreichen Tests untersucht. Dabei stellten sie fest, dass ihre Probanden auf Bilder von Spinnen stärker mit Angst reagierten als auf potenziell lebensgefährliche Alltagsgegenstände wie Autos oder Steckdosen. Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass die Angst vor Spinnen seit Urzeiten genetisch vererbt wird. Dagegen wenden Biologen ein, dass bis heute keine extrem gefährliche Spinnenart gefunden wurde, die den Hintergrund für eine solche vererbte Angst bilden könnte. Die ältesten Spinnenfunde stammen aus Bernstein, also uraltem Baumharz, das die fossilen Krabbeltiere konserviert hat. Die darin gefundenen Spinnen waren bis zu 200 Millionen Jahre alt. Die Biologen glauben: Diese Arten waren für Menschen keineswegs gefährlicher als heutige Spinnen, und schon gar nicht konnten sie das Überleben der Gattung Homo Sapiens insgesamt in Frage stellen. Eine genetische Vererbung der Spinnenangst aufgrund einer früheren realen Bedrohung erscheine daher unplausibel.

Heilige Spinnen – teuflische Spinnen

Foto: Spinne auf Schulter
Heilige Spinnen – teuflische Spinnen

Zudem weisen Kulturwissenschaftler und Ethnologen darauf hin, dass in vielen Völkern außerhalb des christlich-westlichen Kulturkreises die Spinnenangst nicht so verbreitet ist wie bei uns. Die Spinne wird rund um den Globus oft sogar religiös verehrt, zum Beispiel bei mehreren Indianerstämmen Nordamerikas: Dort gilt sie als gottnahes Wesen, das bei der Erschaffung der Welt half, das Tor des Menschen zum Leben hütet, und den Menschen Weisheit sowie die Kunst des Spinnens und Webens schenkte. Wo das Christentum herrschte, wurde die Spinne jedoch mit Tod, Teufel, Pest und bösen Frauen in Verbindung gebracht. Der große Arzt Paracelsus, ein bedeutender, gläubiger Mediziner im 16. Jahrhundert, verbreitete ernsthaft, dass Spinnen aus dem Menstruationsblut von Frauen entstehen und vom Teufel ausgebrütet werden. Und Hexen würden das Gift dieser Spinnen verwenden, um Männer impotent zu machen.

Ist Spinnenangst Erziehungssache?

Wenn Eltern ein entspanntes Verhältnis zu Spinnen haben, dann ist die Chance größer, dass auch ihre Kinder wenig Angst vor Spinnen zeigen. Umgekehrt berichten Therapeuten, dass bei Spinnenphobikern oft auch ein Elternteil Angst vor Spinnen hatte. Ist Spinnenangst also reine Erziehungssache? Das wiederum könnte der These von einer genetisch vorgeprägten Spinnenangst widersprechen. Was aber immer die Ursache sein könnte – dass Menschen von jeher ein besonderes Verhältnis zu Spinnen haben, ist unbestritten. Seit Tausenden von Jahren löst sie beim Menschen intensive Reaktionen aus wie Faszination, Angst, Vergötterung und Verteufelung. Ein Grund könnte sein, dass es auf der ganzen Welt und in allen möglichen ökologischen Nischen Spinnen gibt – Spinnen sind wirklich überall. Vielleicht haben sie deshalb in nahezu allen Kulturen einen festen Platz in Literatur, Kunst und Religion, als geheimnisvolles Symbol-, Rettungs-, Schutzoder eben auch Horrortier erobert. Das hat so noch kein anderes Lebewesen geschafft.

Stichwörter

1 zwei Arten
Bei diesen zwei Arten handelt es sich um die Wasserspinne und den Dornfinger. Die Wasserspinne ist die einzige Spinnenart, die unter Wasser lebt. Sie bevorzugt sehr saubere Seen oder sauberes, langsam fließendes Gewässer. Da aber die Wasserqualität in Mitteleuropa vielfach beeinträchtigt ist, ist ihr Bestand stark rückläufig, weswegen sie zu den stark gefährdeten Arten gehört. Letzteres gilt auch für den Dornfinger. Der Dornfinger spinnt aus Grashalmen und dergleichen eine nach unten offene Gespinstglocke. Auch bei dieser Spinne kommt es nur sehr selten zu einem direkten Kontakt. Beide Spinnen beißen nur in äußerster Notwehr zu. Selbst bei empfindlichen Menschen können nach einem Biss allenfalls zusätzlich zu einer Schwellung Schmerzen oder vorübergehend Fieber auftreten. Auf der ganzen Welt sind unter den rund 38000 Spinnenarten gerade mal etwa 30 für Menschen gefährlich. Zurück zum Absatz
Autor:

Mike Schaefer

Stand: 28.09.2006


Alle Beiträge


Das Spinnen-Spiel

Grafik: Im Netz der Spinne

Wer rettet die Biene vor der hungrigen Spinne? Ein bisschen Nervenkitzel und viel Faszinierendes rund um Spinnen. [mehr]


Mehr zum Thema


Verwandte Themen


Die Top10 Videos
im Januar

Schriftzug "Top10" vor blauem Hintergrund

Schauen Sie sich hier die beliebtesten Quarks & Co-Videos aus dem Januar an. [mehr]


Die Quarks-Symphonie


Die Top10 Videos der Zuschauerfragen

Schriftzug "Zuschauerfragen" vor blauem Hintergrund

Hier sehen Sie die beliebtesten Zuschauerfragen und ihre Auflösungen. [mehr]


Unsere Fan-Seite


Wissen macht Spaß


Service

Skript, Newsletter, Mitschnitt & Co. [mehr]


Sendetermine


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.