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Trocken unter Wasser

Spinnenhaar als Vorlage für die Forschung

  • SendeterminDienstag, 26. September 2006, 21.00 - 21.45 Uhr .
Foto: Sumpfjagdspinne sitzt am Wasser; Rechte: WDR
Die Sumpfjagdspinne lebt an tropischen Flüssen Südamerikas

An tropischen Flüssen Südamerikas lebt und jagt eine Spinne auf ungewöhnliche Weise. Die Sumpfjagdspinne begnügt sich nicht mit dem, was sie an Land findet, sondern geht zum Jagen auch schon mal unter Wasser und erbeutet dort Insekten, kleine Krebse und sogar kleine Fische. Mit feinen Sinneshärchen nimmt sie jede Bewegung im Wasser wahr und verharrt reglos, bis sie sich auf ein Opfer stürzt. Sie schleppt ihre Beute an Land, um sie dort, mit Gift betäubt und getötet, auf dem Trockenen in aller Ruhe zu verspeisen.

Schutzanzug aus Luft

Foto: Sumpfjagdspinne im Wasser mit silbernem Schimmer; Rechte: WDR
Der Mantel aus Luft glänzt silbrig – er lässt keine Nässe durchdringen, die Spinne bleibt trocken

Doch wenn die Spinne aus dem Wasser steigt, ist sie vollkommen trocken: Sie kann tauchen, ohne nass zu werden. Dafür sorgt ihre besondere Behaarung. Denn für eine Spinne hat die amerikanische Taucherin ein ungewöhnlich langes und dichtes Haarkleid am ganzen Körper. Die Haare sind wasserabweisend und dazu sehr elastisch. An den Haaren sitzen noch kleinere Härchen. So entstehen Hohlräume, die wiederum Luft aufnehmen. Die Luft schützt die Spinne wie eine Hülle: Wenn sie untertaucht, ist sie von einem silbrig glänzenden Mantel aus Luft umgeben. Das hat gleich mehrere Vorteile, die Jägerin kann unter Wasser bis zu einer Stunde atmen und das Luftpolster bietet ihr als Stichwortwechselwarmem Tier eine wärmende Isolationsschicht beim Sprung ins kalte Wasser. Außerdem, und das ist das Erstaunliche, lässt das besondere Haarkleid sie ganz trocken wieder an Land steigen. Wäre sie nass, wäre ihr Fortkommen an Land beschwerlicher. So kann sie sich sofort wieder wie gewohnt bewegen.

Bald keine nassen Badhosen mehr?

Foto: Sumpfjagdspinne an Land mit Fisch und trocken; Rechte: WDR
Trocken nach dem Tauchgang: Die Bionik-Forscher würden das Haarkleid der Spinne gerne nachbauen

Trocken unter Wasser – vor allem diese ungewöhnliche Eigenschaft interessiert Wissenschaftler vom Nees Institut für Biodiversität in Bonn. Sie analysierten die Struktur des Spinnenhaares und ließen einen Textilstoff nach dem Vorbild der Sumpfjagdspinne weben. Noch gibt es nur StichwortPrototypen, doch die Versuche waren bereits vielversprechend: Wenn man den Stoff untertaucht, glänzt er nicht nur silbrig wie sein Vorbild, sondern kann auch bis zu vier Stunden unter Wasser bleiben und trotzdem mit trockener Oberfläche wieder herauskommen! Zwar ist die Entwicklungsarbeit noch nicht abgeschlossen. Denn der Stoff ist für Badekleidung nicht elastisch genug. Doch die Forscher sind zuversichtlich: Bald könnte die nasse Badehose der Vergangenheit angehören.

Stichwörter

1 Wechselwarm
Als "wechselwarm" werden Tiere bezeichnet, die keine konstante Körpertemperatur aufweisen. Fische, Reptilien, Amphibien, Insekten und andere wirbellose Tiere gehören zu dieser Gruppe. Auch die Spinnen können ihre Körpertemperatur also nicht selbst regeln, sondern sie entspricht der Umgebungstemperatur. Im Winter fallen Spinnen, die überwintern deshalb in eine "Winter- oder Kältestarre". Zurück zum Absatz
2 Prototyp
Ein Prototyp bezeichnet umgangssprachlich ein charakteristisches Exemplar einer Familie von Dingen oder Wesen Zurück zum Absatz
:

Anke Rau

Stand: 28.09.2006


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