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Sendung vom 30. Januar 2007
Europa im Klimawandel
Messdaten aus aller Welt belegen. dass sich die Erde in den vergangenen hundert Jahren erwärmt hat. Klimaforscher betrachten dabei nicht nur einige wenige Jahre oder Orte, sondern sie verarbeiten Wetterdaten von Stationen zu Lande und auf See, und berechnen so die durchschnittliche Veränderung über einen langen Zeitraum. Das Ergebnis: Seit dem Jahr 1900 ist die Temperatur der Erde im Mittel um 0,7 Grad Celsius angestiegen. An manchen Orten ist es in diesem Zeitraum nicht wärmer, sondern kälter geworden – andere Gebiete wie die Alpen oder die Arktis haben sich weit stärker als der Durchschnitt erhöht. Für ganz Deutschland liegt der Wert etwa bei einem Grad Celsius. Wenn jedoch weiterhin so viele Treibhausgase wie bisher in die Luft gelangen, wird sich die mittlere Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um durchschnittlich 4 Grad erhöhen. Und das hat ganz erhebliche Folgen in den einzelnen Jahreszeiten.
Hitzewellen sollen häufiger und stärker werden. Klimaexperten haben berechnet, dass gegen Ende dieses Jahrhunderts Extremsommer wie der von 2003 zur Normalität gehören könnten. Damals kamen nach Schätzungen zwischen 20.000 und 30.000 Menschen in Europa durch die Hitze um.
Auch der Regen verändert sich, wenn es wärmer wird.
Zum einen verdunstet in einem warmen Klima mehr Feuchtigkeit
über den Meeren, zum anderen kann die warme Luft auch mehr
Feuchtigkeit speichern. Für jedes Grad Erwärmung
enthält sie bis zu sieben Prozent mehr Wasserdampf. Wenn diese
feuchte Luft auf ein Gebirge trifft, kühlt sie ab und wird
ausgedrückt wie ein Schwamm – Starkregen entsteht. Doch
auch ganze Wetterzonen verschieben sich, denn der Wandel wirkt auch
auf die Zugbahn von Tiefdruckgebieten und die Häufigkeit
bestimmter
Großwetterlagen – Das hat eine
unangenehme Folge: in manchen Regionen regnet es mehr als zuvor, in
anderen weniger. Natur, Landwirtschaft und Tourismus sind aber an
die heutige Situation angepasst - sie werden unter der
Veränderung leiden.
In den Alpen macht sich der Klimawandel besonders deutlich bemerkbar. Der durchschnittliche Temperaturanstieg war in den vergangen zweieinhalb Jahrzehnten drei Mal größer als im globalen Durchschnitt. Die Situation im Winter 2006/2007 ist deshalb ein Vorgeschmack auf das wärmere Klima der Zukunft: Im Dezember und im Januar war Schnee Mangelware.
In einer aktuellen Studie kommen Klimaexperten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zu einem klaren Schluss: Nahezu alle Skigebiete in Deutschland und rund 70 Prozent der Skiregionen in Österreich müssen durch den Klimawandel um die Schneesicherheit fürchten und damit um die wirtschaftliche Grundlage des Wintertourismus.
Noch gelten 90 Prozent (609 von 666) der mittelgroßen und großen Skiregionen in den Alpen als schneesicher. Das heißt, sie haben im Durchschnitt für mindestens 100 Tage im Jahr eine ausreichende Schneedecke von 30 Zentimetern in der mittleren Lage des Skigebiets. Aber nach Berechnungen der Klimaexperten gibt es dramatische Veränderungen für die Wintersportregionen: Bei einem Anstieg der durchschnittlichen regionalen Jahrestemperatur um ein Grad Celsius wären noch rund 500 Gebiete schneesicher, bei zwei Grad noch 400 und bei vier Grad noch 200 Skiregionen. Selbst bei einem vergleichsweise geringen Temperaturanstieg um nur ein Grad wären die Auswirkungen vor allem für Deutschland beträchtlich: In Deutschland würde sich die Zahl der schneesicheren Gebiete drastisch verringern - in Oberbayern um 90 Prozent, in Schwaben/Allgäu um rund 50 Prozent.
Es ist nicht einfach zu berechnen, wie sich die Wetterlagen in Europa genau mit dem Klima verändern werden. Eine Prognose, die sich in fast alle Studien wiederfindet, ist die zur Dürre im Mittelmeerraum. Schon heute ist in vielen Landstrichen Spaniens, Italiens und Griechenlands Wasser ein kostbares Gut. Hier hat der Mensch durch Wasserverschwendung und wasserintensive Landwirtschaft selbst zum Problem beigetragen. Der Klimawandel wird die Situation in Zukunft verschärfen. In manchen Gegenden Spaniens soll der Niederschlag im Sommer in den nächsten 50 Jahren um ein Viertel zurückgehen, Hitzewellen werden intensiver und länger.
Die Auswirkungen einer solchen Veränderung waren im Sommer 2005 in Spanien zu besichtigen. Im schlimmsten Dürresommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen regnete es in Zentralspanien für mehrere Monate nicht. In vielen Regionen musste das Wasser rationiert werden, die Ernte fiel zu einem großen Teil aus. Spanien musste die EU um Hilfe bitten, da die Bauern nicht in der Lage waren, die Nachfrage im eigenen Land zu decken. Auch die Zahl und Ausdehnung von Waldbränden nahm 2005 drastisch zu. Zwar sind die meisten Feuer von Menschen gelegt, doch in extremen Dürrejahren verlängert sich die Waldbrandsaison erheblich.
Auch im deutschen Flachland wird man den Klimawandel zu spüren bekommen. Schon heute beobachten Meteorologen und Klimaforscher, dass sich die Niederschläge zwischen Winter und Sommer verschieben. Die Tendenz: die Sommer werden heißer und trockener, die Winter milder und feuchter. Für beide Jahreszeiten gilt, dass der Regen oft in starken Güssen statt gleichmäßig fällt.
Die Konsequenzen werden vor allem die Anrainer der deutschen Flüsse zu tragen haben. Sie müssen sich schon in den kommenden fünfzig Jahren darauf einstellen, dass extreme Hochwasser wie die Oderflut 1998 oder die Elbeflut 2002 wesentlich häufiger auftreten. Entlang der Elbe und ihrer Zuflüsse entstand damals ein Sachschaden von mehreren Milliarden Euro.
In den Sommern könnte sich ein anderes Bild zeigen. Da die Gletscher in den Alpen bis zum Ende des Jahrhunderts fast vollständig abschmelzen und im Winter weniger Schnee fällt, fehlt dem Rhein in der warmen Jahreshälfte der Nachschub. In extremen Dürrejahren wird dann auf Deutschlands längstem Fluss keine Lastschifffahrt mehr möglich sein. Kraftwerke, die dem Rhein und seinen Nebenflüssen Kühlwasser entnehmen, müssen dann – wie im Hitzesommer 2003 - ihre Produktion drosseln.
Daniel Münter
Stand: 23.01.2007
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