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Quarks & Co
Sendung vom 30. Januar 2007
Klimaschutz im Alltag
Wer seinen Beitrag zum Schutz des Klimas leisten will, muss Energie in jeder Form sparen. Zum Beispiel Strom. Denn der wird in Kraftwerken erzeugt, von denen vor allem die Kohlekraftwerke große Mengen CO2 produzieren. Auch beim Luft- und Autoverkehr kann man Energie sparen und damit seine CO2-Bilanz senken. Denn die Verbrennung von Treibstoff verursacht jede Menge Kohlendioxid. Und schon beim Wohnen kann man jede Menge Energie und damit CO2 einsparen: Heizung und Warmwasser machen in deutschen Haushalten 70 Prozent des Energieverbrauchs aus. Ein eher verschwenderischer Haushalt verursacht im Jahr mehr als drei Tonnen Kohlendioxid – ein sparsamer Haushalt dagegen weniger als ein Fünftel davon. Die Verschwender heizen dabei oft nicht nur ihre Wohnung, sondern unwissentlich auch die Straße mit - indem sie die Fenster bei voll aufgedrehter Heizung stundenlang kippen.
Klimafreundlicher geht es so: Fünf Minuten stoßlüften und dabei die Heizung auf null stellen. Es lohnt sich auch, zu prüfen, ob die Fenster dicht abschließen: Ein Blatt Papier in den Kipp-Spalt stecken und das Fenster schließen. Wer jetzt das Papier noch durchziehen kann, hat ein undichtes Fenster und verbraucht auch dadurch unnötig viel Heizenergie. Auch die Zimmertemperatur beeinflusst die CO2-Bilanz: ein Grad weniger Raumtemperatur spart sechs Prozent Heizenergie.
Aber nicht nur die Heizung, auch elektrische Geräte sorgen in deutschen Haushalten dafür, dass unnötig Energie verschwendet wird. Insgesamt machten die Elektrogeräte einen Anteil von 22 Prozent des Stromverbrauchs aus. Wer diesen Anteil senken möchte, sollte seinen Kühlschrank nicht neben Herd oder Heizung stellen und ein neueres, sparsames Modell mit einer guten Effizienzklasse benutzen. Die Effizienzklassen besagen, wie energiesparend das Gerät arbeitet. Im Handel unterscheidet man die Klassen A++, A+, A, B, C bis G. Dabei ist A++ die Variante, mit der man am meisten Energie spart.
Weitere Stromfresser sind Halogenfluter, Tiefkühltruhen und Wäschetrockner.
Und einige Geräte ziehen auch dann weiter Strom, wenn sie eigentlich ausgeschaltet sind. Stand-by-Funktionen an Computer, Stereo-Anlagen und Fernsehern sind solche Beispiele. Aber auch Ladegeräte von Handys oder Netzteile von Lampen ziehen oft unbemerkt Strom. Bei sogenannten Trafo-Netzteilen kann man den fließenden Strom sogar fühlen: Sie sind auch dann warm, wenn das eigentliche Gerät gar nicht eingeschaltet ist. Weitere Informationen zu diesen heimlichen Stromfressern finden Sie in unserer Link-Sammlung. Leider hat man als Mieter nicht sehr viele Möglichkeiten, die Wohnung klimafreundlich auszurüsten. Eigentümer können dagegen sehr viel tun - Näheres dazu in den Lesetipps zur Sendung.
Fliegen ist objektiv betrachtet die größte Klimasünde. Ein Hin- und Rückflug Frankfurt - New York verursacht etwa zwei Tonnen CO2 – das entspricht dem Jahresverbrauch eines klimafreundlich lebenden Menschen! Aber auch Autos sind CO2-Schleudern. Pro Kopf und Jahr gerechnet, überholen sie das Flugzeug in der Bilanz sogar: 84 Prozent des CO2-Ausstoßes im Verkehr werden in Deutschland auf der Straße verursacht – gegenüber 12 Prozent in der Luft und nur 4 Prozent auf der Schiene. Wer klimafreundlich leben will, sollte also eine Jahreskarte für Bus und Bahn kaufen und das Auto öfter stehen lassen. Am besten kommen die weg, die ihr Auto ganz abschaffen und nur bei echtem Bedarf einen Wagen mieten. Solche Car-Sharing-Angebote gibt es mittlerweile in jeder größeren deutschen Stadt.
Natürlich ist die CO2-Bilanz eines Autos abhängig davon, wie oft es benutzt wird, wieviel Benzin es verbraucht und ob es einen Katalysator hat oder nicht. Wer etwa mit einem Kleinwagen und einem Verbrauch von sieben Litern im Jahr 12000 Kilometer fährt, kommt alleine durch die Fahrerei auf einen CO2-Ausstoß von 2 Tonnen. Wer nicht ganz auf das Auto verzichten will, sollte zumindest beim Brötchenholen aufs Fahrrad umsteigen und auf Bagatell-Fahrten verzichten. Denn ein kalter Motor verbraucht besonders viel Benzin und erhöht damit die CO2-Bilanz. Und da der kalte Katalysator noch nicht arbeitet, gelangen die Abgase ungefiltert in die Luft. Auch ein zu niedriger Reifendruck verursacht mehr CO2, ebenso ein ständig vollgepackter Kofferraum.
Wer besonders viel Fleisch, Milchprodukte, Tiefkühlkost und eingeflogenes Gemüse oder Obst kauft, sorgt allein durch seinen Lebensmittelverbrauch dafür, dass im Jahr rund drei Tonnen verschiedener Treibhausgase das Klima weiter erwärmen. Wer dagegen vor allem Lebensmittel kauft, die der Jahreszeit entsprechen und aus der Region stammen, schont das Klima. Also verzichten Sie auf chilenische Erdbeeren im Dezember oder auf Spargel im Herbst. Bei einigen Artikeln, wie zum Beispiel Ananas, lohnt es sich, beim Händler nachzufragen, ob sie mit dem Schiff oder mit dem Flugzeug gekommen sind. Das Schiff ist dabei die klimafreundlichere Variante. Es verbraucht zwar auch Kraftstoff und verursacht damit Treibhausgase, aber wesentlich weniger als das Flugzeug. Oft werden gerade die per Flugzeug transportierten Früchte vom Händler als qualitativ besonders wertvoll angepriesen. Dem Klima tut er damit keinen Gefallen.
Und wer gar Vegetarier oder Veganer ist, könnte - zumindest, was den Klimaschutz angeht - zum Vorbild werden: Solche Menschen können beim Einkauf unter einer Tonne Treibhausgasen im Jahr bleiben. Denn einer der Gründe, warum Fleisch- und Milchprodukte in der CO2-Statistik besonders schlecht abschneiden, ist das Treibhausgas Methan. Dieses Gas entsteht bei der Haltung von Milchvieh, aber auch in Mastbetrieben: durch die Verdauungsgase der Tiere und beim Anbau ihrer Futtermittel
Weitere Gründe für die Klimabelastung durch Lebensmittel sind die Verarbeitung und der Transport. Ein durchschnittlicher Erdbeerjoghurt zum Beispiel hat 4500 Kilometer quer durch Deutschland hinter sich, bevor er im Kühlregal des Supermarktes landet. Und eingeflogene Importware aus Übersee verursacht viel CO2, weil die Flugzeuge mit ihrem Kerosin-Verbrauch besonders starke Treibhausgas-Produzenten sind. Anders ist das übrigens beim Wein – er kommt in den meisten Fällen per Schiff.
Viele umweltbewusste Menschen haben aufgrund ihrer
CO2-Emissionen mittlerweile ein schlechtes Gewissen.
Clevere Unternehmer machen sich das zunutze und wollen gleichzeitig
der aufgeheizten Atmosphäre zu Hilfe kommen: Es gibt
Firmen, die einen regelrechten
"Ablasshandel" mit der Klimabelastung betreiben - sie
bieten Betrieben oder Einzelpersonen freiwillige
Kohlendioxid-Ausgleichsmaßnahmen an. Für ein Jahr
Autofahren, was einem CO2-Ausstoß von etwa zwei
Tonnen entspricht, bezahlt der reuige Umweltsünder bei der
Carbon Neutral Company zum Beispiel rund 20 Euro. Das Geld kommt
einem Klimaschutzprojekt zugute.
Eine ziemlich originelle Idee, um Geld für den Umweltschutz einzutreiben, allerdings sind nicht alle Angebote gleich effektiv. So haben einige der Klima-Agenturen auch die Aufforstung von Wäldern im Angebot. Bäume wandeln über den Stoffwechsel ihrer Blätter Kohlendioxid in Sauerstoff um. Die Bäume, die der Geldgeber finanziert, sollen genau die Menge an Kohlendioxid einlagern, die er persönlich oder mit seinem Unternehmen produziert. Ob das Pflanzen von Bäumen aber tatsächlich effektiv dem Klima hilft, ist fraglich. Ein Baum nimmt zwar über seine Blätter CO2 auf, doch bis er der Atmosphäre netto Kohlendioxid entzieht, müsste er mindestens 60 Jahre stehen. Und wer kann das schon garantieren. Organisationen wie Atmosfair bieten solche Aufforstungen deshalb erst gar nicht als CO2-Kompensation an. Und statt Ausgleich ist Energie sparen natürlich immer noch die beste Lösung.
Ilka aus der Mark
Stand: 23.01.2007