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Quarks & Co
Sendung vom 06. März 2007
Können Autos explodieren?
Wann geht ein Auto in die Luft – und wie oft passiert das im Alltag? Immerhin gibt es in Deutschland täglich rund 14 Autounfälle mit tödlichem Ausgang. Doch wann kracht es so spektakulär wie im Film? In einer Meinungsumfrage befragen wir dazu über 1000 Personen. Das Ergebnis: Fast acht von zehn Befragten glauben, dass bei tödlichen Unfällen Autos in die Luft fliegen können.
Experten aber sagen, dass es in der Realität anders aussieht. Norbert Todt, Sachverständiger für Unfallanalysen beim Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungsverein (DEKRA) verrät uns, dass Autos gar nicht explodieren können! Das ist eine ziemliche Überraschung für das Quarks-Team. All das Benzin und Öl, ist das nicht brandgefährlich? Nein, man kann sich einem brennenden Auto sogar relativ gefahrlos nähern, sagt Norbert Todt. Das können wir kaum glauben - schließlich hat unsere Umfrage etwas ganz anderes ergeben. Jetzt wollen wir es genau wissen und starten ein Experiment. Dazu holen wir uns professionelle Hilfe von Wolfgang Lang. Er ist ein anerkannter Brandexperte in Deutschland. Als Sachverständiger für Brandursachen kann er genau einschätzen, wie und unter welchen Umständen ein Fahrzeug brennen oder explodieren kann.
Unser Versuchskaninchen ist ein funktionstüchtiger Gebrauchtwagen. Auf Wolfgang Langs Anweisung fahren wir den Motor heiß und messen anschließend die Motortemperatur: 382 Grad am Krümmer, der heißesten Stelle des Motors. Hier werden Abgase direkt aus dem Motor Richtung Auspuff geleitet. Zuerst versuchen wir auf Rat unseres Brandexperten, das Auto zum Brennen zu bringen. Dazu verwenden wir altes, vorgewärmtes Motoröl, das wir auf den heißen Motor kippen. Es funktioniert auf Anhieb: Ein kleiner Motorbrand entsteht. Doch während wir gespannt auf die Explosion warten, passiert wenig: Das Öl brennt aus, nichts explodiert.
Den nächsten Versuch starten wir mit Benzin als Brennstoff. Wir vom Quarks-Team vermuten, dass sich mit Benzin noch besser ein Feuer entfachen lässt als mit Öl. Und Benzindämpfe können auch explodieren! Damit der Krümmer wieder schön heiß wird, drücken wir noch mal kräftig auf das Gaspedal. Dann kippen wir Benzin in den Motorraum. Zu unserer großen Überraschung stellen wir fest: Das Benzin brennt nicht! Die Temperatur des heißen Krümmers reicht dazu nicht aus, so kann sich das Benzin nicht entzünden. Also gehen wir einen Schritt weiter, gießen Benzin auf den Boden und werfen eine glühende Zigarette hinein. Wieder passiert - gegen jede Erwartung – gar nichts: Nicht einmal ein kleiner Brand, geschweige denn eine Explosion!
Eine Zigarettenkippe kann das Benzin also gar nicht zum Brennen bringen, ihre Glut reicht nicht aus. Brandexperte Wolfgang Lang gibt uns jetzt einen Tipp: Die Autobatterie kann Funken erzeugen, die heiß genug sind, um Benzin zu entzünden. Wir stellen den Fall nach, dass bei einem Unfall Benzinleitungen reißen und Benzin in den Motorraum spritzt: Aus einem Fläschchen spritzen wir Benzin auf eine winzige Flamme im Motorraum. In der Tat: Das reicht aus, um das Benzin zu zünden. Wir sehen einen Fahrzeugbrand - gespannt warten wir auf eine Explosion. Doch auch diesmal vergeblich.
Übrigens ist das Reißen von Benzinleitungen bei einem Unfall extrem unwahrscheinlich, sagt uns der Brandexperte. Und damit Benzin richtig herausspritzt, müsste die Benzinpumpe nach dem Unfall auch noch Strom bekommen – ebenfalls sehr selten.
Wir geben nicht auf: Jetzt gehen wir an das Heck des Fahrzeugs, zum gefüllten Benzintank: Wolfgang Lang hält einen Flammenwerfer an die offene Tanköffnung. Die Flamme zischt und brennt, doch am Tank bildet sich nicht einmal ein winziger Brand. Die Erklärung: zuviel Benzin und zuwenig Sauerstoff. Der Experte weiß: Benzindämpfe können nur mit ausreichender Luftzufuhr brennen. Durch die kleine Tanköffnung gelangt aber nur wenig Sauerstoff in den Tank. Deshalb probieren wir es noch einmal mit einem ausgebauten Tank: Wir füllen ihn mit einer kleinen Menge Benzin, so dass mehr Sauerstoff darin ist. Erwartungsvoll schauen wir dem Brandexperten zu, der dieses gefährliche Experiment selbst durchführt. Als er ein brennendes Streichholz in den fast leeren Tank wirft, halten wir von Quarks den Atem an. Doch die Spannung löst sich schnell: Nur ein paar kleine Flammen zischeln an der Tanköffnung, das sind die Benzindämpfe. Mehr geschieht nicht – von Explosion keine Spur.
Als nächstes simulieren wir ein unwahrscheinliches Unfallszenario, bei dem Benzin durch einen Tankriss ausläuft und auf einen Funken oder auf Feuer trifft. Für die Simulation bohren wir den Tank auf und warten, bis genug Benzin ausgelaufen ist. Dann zündet unser Experte den Kraftstoff mit einer Fackel an. Was wir sehen, ist beeindruckend: Ein Feuerball schlägt hoch und erfasst das gesamte Heck des Wagens! Doch es ist eben nur ein Brand und keine Explosion.
Nach all diesen Versuchen glauben wir es auch: In der Realität explodiert ein Auto nicht.
Doch wie passiert es dann im Film, zu welchen Tricks greifen die
Macher? Wir fragen einen dritten Experten – den
Pyrotechniker Wolfgang Stabe. Er sorgt bei
Filmaufnahmen für künstliche Feuerspiele und Explosionen.
Und er verrät uns, wie Autoexplosionen im Film entstehen:
nämlich nur mit Sprengstoff. Die Autos werden regelrecht
zerbombt. Mit der tatkräftigen Hilfe des Pyrotechnikers jagen
wir zum Abschluss unseres Versuchs den alten Gebrauchtwagen in die
Luft. Erst jetzt haben wir unsere Explosion – filmreif!
Agnieszka Wolf
Stand: 06.03.2007
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