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Sendung vom 13. März 2007
Bio-Essen und Gesundheit
Das schwedische Dorf Järna ist dafür berühmt,
dass dort so viele
Anthroposophen leben und arbeiten.
Anthroposophen haben einen besonderen Lebensstil, zu dem auch eine
eigene Form von Bio-Nahrung, das
biologisch-dynamische Essen gehört.
Schwedische Ärzte stellten in einer Studie fest, dass die
Kinder der Anthroposophen sich in einem Punkt von anderen Kindern
unterscheiden: Sie haben seltener Allergien! Liegt das an der
Bio-Nahrung? Den Einfluss der Bio-Nahrung konnten die schwedischen
Forscher mit ihrer Studie nicht definieren, denn das
biologisch-dynamische Essen ist nur eine der vielen Besonderheiten
des anthroposophischen Lebensstils: Anthroposophen benutzen zum
Beispiel seltener Antibiotika und fiebersenkende Mittel, und sie
impfen weniger. Die schwedischen Anthroposophen essen
außerdem spezielle Gerichte, die viele
Milchsäure-Bakterien enthalten. Welcher von diesen vielen
Faktoren die anthroposophischen Kinder vor Allergien schützt,
das konnten die Forscher nicht herausrechnen – und damit
blieb auch offen, welche Rolle die biologische Ernährung
spielt. Trotzdem sorgten die Ergebnisse aus Schweden weltweit
für Aufsehen, und im Jahr 2000 wurde eine Nachfolge-Studie an
6630 Kindern in fünf europäischen Ländern
aufgenommen. Auch in dieser Studie ließ sich für
Bio-Nahrung keine Wirkung belegen. Die schwedischen
Kinderärzte haben 2006 eine neue Allergiestudie begonnen: Sie
beobachten Kinder von der Schwangerschaft bis zum zweiten
Geburtstag, und sie untersuchen nicht nur Gesundheit, Lebensstil
und Ernährung, sondern zum Beispiel auch Stress in der
Familie. Denn der Ursprung von Allergien ist zu kompliziert, als
dass ein einzelner Faktor alleine davor schützen
könnte.
Deutsche Wissenschaftler haben Bio-Essen an Nonnen getestet: Vier Wochen lang ernährten sich die Nonnen in einem Franziskanerkloster biologisch-dynamisch. Und tatsächlich – mit der Bio-Kost fühlten sie sich viel gesünder als sonst, und ihr Blutdruck sank. Die Blutwerte schienen außerdem darauf hinzuweisen, dass das Immunsystem gestärkt wurde. Doch in der Fachwelt stößt die Studie auf große Skepsis: Die Nonnen wussten, wann sie biologisch aßen und wann nicht – das könnte ihr Gesundheitsempfinden auf psychologischem Wege durchaus beeinflusst haben. Außerdem waren die Forscher während des Versuchs im Kloster anwesend, so dass ihre Erwartungen sich möglicherweise auf die Nonnen übertragen haben. Später stellte sich auch noch heraus, dass die Nonnen für die Studie von der gewohnten Tiefkühlkost auf frisches Gemüse umgestiegen waren. Das war vermutlich der wahre Grund für die verbesserten Immunwerte.
In einem Punkt unterscheiden sich biologisches und konventionelles Essen eindeutig: Bei der Pestizidbelastung. Doch wie schädlich Pestizidrückstände für den Verbraucher sind, darüber streiten sich die Wissenschaftler noch. Einige haben sich für ihre Studien eine Gruppe ausgesucht, die sich schon aufgrund ihres Berufes biologisch bzw. streng konventionell ernährt: Bauern. Bei Bio-Bauern fanden Wissenschaftler in einer Studie eine besonders hohe Spermienkonzentration. Als andere Forscher jedoch dänische Bio-Bauern direkt mit konventionellen Bauern verglichen, stellten sie keine relevanten Unterschiede fest. Anzeichen dafür, dass Pestizide die Spermienproduktion beeinträchtigen könnten, zeigten sich aber in einer Studie an Gewächshausarbeitern: Bei diesen Männern war die Spermienkonzentration umso geringer, je länger sie in dem Gewächshaus tätig waren. Insgesamt also eine gemischte Bilanz – und auf den männlichen Normalverbraucher lässt sie sich ohnehin nicht ohne Weiteres übertragen: Denn der ist über die Nahrung viel geringeren Pestizidmengen ausgesetzt als ein Gewächshausarbeiter oder ein konventioneller Bauer.
Ob Pestizide der Entwicklung von Kindern schaden, haben Wissenschaftler an den mexikanischen Yaqui-Indianern untersucht. Ein Teil der Yaqui lebt vom Ackerbau, eine andere Gruppe von der Viehzucht. Die Feldbauern benutzen Pestizide, die Viehzüchter nicht. Die Wissenschaftler stellten den Kindern der Yaqui einige Aufgaben: Die Kinder mussten zum Beispiel einen Menschen zeichnen, einen Ball fangen und Rosinen in einen Flaschenhals fallen lassen. Damit sollte die Koordination der Kinder überprüft werden. Es stellte sich heraus, dass die Kinder der Feldbauern viel schlechter zeichnen konnten als die Kinder der Viehzüchter, und auch mit den anderen Aufgaben hatten sie Probleme. Aber die Studie wurde kritisiert, weil möglicherweise ein noch paar andere Umstände das Ergebnis beeinflusst haben könnten: Zum Beispiel wussten die Prüfer, ob sie ein Bio-Kind vor sich hatten oder nicht – es ist also möglich, dass die Prüfer die Leistung der Kinder unbewusst mit beeinflusst haben. Außerdem waren die Kinder Pestizidbelastungen ausgesetzt, die sich nicht mit dem vergleichen lassen, was der deutsche Konsument im Normalfall mit der Nahrung aufnimmt: Die Yaqui-Bauern bringen große Mengen von Pestiziden zum Teil noch von Hand aus, und täglich behandeln sie ihre Häuser mit Insektengift gegen Bettwanzen.
Wobbeke Klare
Stand: 29.03.2007
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