Hilflos hochbegabt
Das Savant-Syndrom
- Dienstag, 22. Mai 2007, 21.00 - 21.45 Uhr
Es sind Menschen, die wir gleichzeitig bewundern und bemitleiden: „Savants“ (frz. für, Wissende) multiplizieren vierstellige Zahlen schneller als ein Computer, lernen Sprachen in nur einer Woche oder können Tausende von Musikstücken auswendig spielen. Und doch sind sie hilflos bei alltäglichen Aufgaben wie Bus fahren, Einkaufen oder Kochen. Wegen dieses Kontrastes aus Hochbegabung und Hilflosigkeit wurden sie früher „idiots savants“ (wissende Idioten) genannt.
Nach Schätzungen von Forschern gibt es weltweit nicht mehr als 100 Menschen mit einem stark ausgeprägten Savant-Syndrom. Etwa jeder zweite Savant ist Autistist.
Bis heute gibt es verschiedene Theorien, das Savant-Syndrom zu erklären. Einige Wissenschaftler glauben, dass bei Savants spezielle Gedächtnisinhalte und Sinneseindrücke dauerhaft im Gehirn gespeichert werden und sie dieses Spezialwissen direkt abrufen können. Kein Filter schützt ihr Gedächtnis, wie bei anderen Menschen vor der unermesslichen Datenflut. Ihr Gehirn kann einfach nichts vergessen.
Kim Peek – eine wandelnde Bibliothek
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Kim Peek war das Vorbild für den Film "Rain Man"
„Kimputer“ ist der Spitzname von Kim Peek, dessen Erinnerungsvermögen dem eines Computers gleicht. Dabei kam der Amerikaner Kim Peek 1951 mit einer Behinderung zur Welt: Ihm fehlt der Corpus Callosum, jener Teil des Gehirns, der die beiden Hirnhälften verbindet.
Doch genau dieser Fehler ist könnte eine der Ursachen für Peeks besondere Begabung sein. Schon mit knapp zwei Jahren konnte er sich an alles erinnern, was ihm seine Eltern vorgelesen hatten. Mehr als 12.000 Bücher hat Kim Peek in seinem Leben gelesen und nicht ein Wort davon vergessen. Kim Peek liest viel schneller als andere Menschen, denn er liest zwei Seiten gleichzeitig. Mit je einem Auge kann er den Text von einer Seite aufnehmen.
Dennoch lebt Kim Peek kein normales Leben. Schon beim beim Anziehen muss er von seinem Vater betreut werden. Kim Peek war das Vorbild für den Film “Rain Man”, in dem Dustin Hoffmann einen autistischen Savant darstellt.
Brittany Maier – Leben in der Musik
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Brittany Maier spielt am Flügel
Wenn die 16-jährige Brittany Maier Klavier spielt, stockt Musikprofessoren der Atem. Und das obwohl die junge Frau blind ist und nur sechs Finger bewegen kann, wenn sie Bach, Tschaikowsky oder selbst komponierte Stücke vorträgt. Die autistische Brittany kam vier Monate zu früh geistig und körperlich behindert zur Welt.
Ihre Begabung entdeckten die Eltern, als Brittany mit fünf Jahren auf einem Keyboard sofort ein Kinderlied nachspielen konnte, ohne jemals Klavierstunden gehabt zu haben. Rasch lernte sie anspruchsvollere Lieder – inzwischen verfügt sie über ein Repertoire von über 15.000 Stücken.
Daniel Tammet – schneller als der Taschenrechner
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Daniel Tammet (rechts) kennt über 22.000 Nach-Kommastellen der Kreiszahl Pi
Daniel Tammet hält eine ungewöhnliche Bestleistung: Im März 2004 konnte er auf dem internationalen Pi-Treffen, einem Gedächtniswettbewerb rund um die Kreiszahl Pi, 22.514 Nachkommastellen der Kreiszahl Pi frei referieren: Europarekord!
Im Gegensatz zu vielen anderen autistischen Savants ist Tammet
in der Lage, die Vorgänge in seinem Kopf zu beschreiben. Wenn
er zum Beispiel schneller als ein Taschenrechner die vierte Potenz
von 37 errechnet, sieht er die Zahlen wie Bilder vor sich. Daniel
ist außerdem ein Sprachtalent. Der 27-jährige Mann, der
rechts und links nicht auseinander halten kann, beherrscht
dafür sechs Fremdsprachen.
Gilles Trehin – Schöpfer seiner eigenen Stadt
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Gilles zeigt auf das Zentrum seiner Phantasie-Stadt Urville
Die Stadt „Urville“ mit elf Millionen Einwohnern besteht aus einem dichten Straßennetz, unzähligen Häusern und Sehenswürdigkeiten. Allerdings existiert sie nur in der Phantasie von Gilles Trehin.
Der 1972 geborene hochbegabte Gilles plante schon als Kind
Städte – zunächst noch mit Legosteinen in seinem
Zimmer. Als dort nicht mehr genug Platz war, begann der Junge,
detaillierte Pläne seiner Stadt zu zeichnen. Noch heute
erweitert und verändert er Urville auf dem Papier. Trehin, der
auch ein absolutes Gehör hat und problemlos mit hohen Zahlen
kopfrechnet, lebt heute in Frankreich mit seiner Freundin zusammen
– der ebenfalls autistischen Catherine Mouet. Ihre Begabungen
sind Mathematik und Malerei.
George Widener – Datensammler aus Leidenschaft
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Georges Widener zeichnet "Magic Time Squares", um wichtige Lebensdaten einer Person zu erfassen. Das System ist für andere Menschen schwer verständlich
George Widener liebt Kalenderzahlen. Er hat tausende historische Fakten samt der dazugehörigenDaten im Kopf. Außerdem kann er sofort sagen, auf was für einen Wochentag ein bestimmtesDatum fiel.
Obwohl man schon in seiner Kindheit Anzeichen für Autismus
bemerkt hatte, wurde dieDiagnose erst gestellt, als Widener
erwachsen war. Bis dahin hatte er zeitweise als Obdachlosergelebt,
weil er nicht in der Lage war, sein Leben zu organisieren. Heute
ist der 43-jährige einbekannter Künstler und kombiniert
in seinen Bildern Zahlen mit magischen Kreisen – die
er„Magic Time Squares“ nennt.
: Christiane Meister, Kerstin Artz
Stand: 02.10.2006, 22:19 Uhr
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