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Sendung vom 29. Mai 2007
Nostalgischer Charme
Peter Kassner aus Bergisch Gladbach ist mit seinen 59 Jahren ein typischer deutscher Imker. In seinem Garten hat er acht Bienenstöcke. Seine Leidenschaft für die Imkerei begann vor 25 Jahren, am Anfang eher unfreiwillig, wie der Hobbyimker erzählt: Sein Vater hatte Bienen, und als der erkrankte, musste Peter Kassner ihm beim Imkern helfen. Nach einiger Zeit investierte der Sohn soviel Zeit in die Bienenstöcke bis er sie schließlich ganz übernahm. Seit dem ist er "süchtiger" Imker. Über 80.000 Imker gibt es in Deutschland. Nur etwa 2.000 davon leben hauptsächlich von der Imkerei, und nur rund 3.000 bestreiten einen wesentlichen Anteil ihres Einkommens über die Produktion von Honig. Für den überwiegenden Rest ist die Bienenzucht reines Hobby.
Im Frühling gibt es für den Imker einiges zu tun an seinen Bienenstöcken. Alle paar Tage kontrolliert Peter Kassner, ob es Anzeichen für das Heranwachsen einer neuen Königin gibt. Übersieht er die Brutwabe und eine neue Königin schlüpft, verlässt die alte Königin mit dem Großteil ihres Gefolges den Stock - die Honigbienen schwärmen aus. Für den Imker würde das den Verlust eines Volkes bedeuten. Auch die Brut zu vieler männlicher Bienen, der Drohnen will Kassner verhindern, denn die bringen keinen Honig. Deshalb schneidet er Waben mit Drohnen regelmäßig aus dem Stock heraus. Das Wachs schmilzt er ein und verwendet es zum Beispiel für Kerzen. Das Entfernen der Drohnenwaben hat einen günstigen Nebeneffekt: Es erschwert einem gefürchteten Bienenparasiten, der Varroamilbe, den Befall. Denn diese Schädlinge nisten besonders gerne in den Waben der Drohnen.
Peter Kassner weiß, was es heißt, wenn die Varroamilbe ein Bienenvolk befällt. Schließlich hat er im Winter 2006 / 2007 selbst acht Völker durch den Parasiten verloren. Doch es gibt noch andere Schädlinge, vor denen er seine Tiere schützen muss, Mäuse zum Beispiel. Gelangen sie im Winter in den Bienenstock, gefährden sie das Überwintern der Tiere. Imkern ist kein billiges Vergnügen. Allein die Kosten für die Grundausstattung werden vom Deutschen Imkerbund mit ca. 1350,- Euro angegeben. Dazu kommen die laufenden Ausgaben und die Gefahr, dass ein Volk ersetzt werden muss. Jedes Jungvolk kostet 80 bis 100 Euro. In einem schlechten Jahr, in dem ein Hobbyimker mehrere Völker nachkaufen muss, kommen da leicht ein paar hundert Euro zusammen. Und das kommt häufig vor, etwa 10 Prozent Verlust sind normal. Wird ein Bienenvolk gut gehalten, so rechnet man pro Volk mit Kosten von 50 bis 80 Euro im Jahr.
Kosten und Verlustrisiken schrecken neben der regelmäßigen Arbeit viele ab, deshalb gibt es seit Jahren schon Probleme mit dem Nachwuchs. Die Imkervereine bemühen sich darum, die Bienenzucht attraktiver zu machen. Sie stellen Interessierten Bienenvölker zur Probe zur Verfügung und betreuen die Anfänger. Doch die Anzahl der Hobbyimker geht zurück: Seit den 1950er Jahren hat sich die Zahl der Imker in Deutschland halbiert. Ebenso die Zahl der Honigbienenvölker, sie ging von 2 Millionen auf 800.000 zurück.
Peter Kassner wird seinem Hobby jedoch treu bleiben, und für ihn rechnet sich die Imkerei sogar. Denn er produziert sechs bis sieben Zentner Honig pro Jahr. Über den Verkauf finanziert er seine Bienen. Meist verkauft er an Stammkunden. Zwar sei sein Honig teurer als Billigimporte, so Peter Kassner, doch bei ihm wisse man, dass der Honig eben echt sei und nicht gestreckt oder durch Pestizide verunreinigt.
Hilmar Liebsch
Stand: 15.07.2007
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