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Quarks & Co
Sendung vom 28. August 2007
Heimliche Botschaften
Das wohl bekannteste Experiment zum Thema unterschwellige Botschaften war eine Fälschung. Der amerikanische Werbefachmann James Vicary behauptete 1957, er habe Kinobesucher dazu gebracht, in der Filmpause mehr Cola und Popcorn zu kaufen – und zwar mit unbewussten Botschaften: Immer wieder habe er den Schriftzug "Trink Cola - iss Popcorn" für Sekundenbruchteile in den Film eingeblendet. Sie waren angeblich zu kurz, um bewusst wahrgenommen zu werden. Und trotzdem habe er habe damit den Verkauf von Cola um 18 und von Popcorn um 58 Prozent steigern können. Später gab Vicary in einem Interview zu, dass die Ergebnisse getürkt waren, um für sein Marketing-Unternehmen neue Kunden zu gewinnen.
Wahrnehmen, ohne es zu merken - lange Jahre konnten sich Psychologen und Mediziner nicht vorstellen, dass das Gehirn Informationen aufnimmt und verarbeitet, ohne dass das dem Menschen ins Bewusstsein dringt. Doch auch wenn James Vicarys Experiment inzwischen als Fälschung entlarvt ist: Viele Wissenschaftler glauben inzwischen trotzdem, dass an der so genannten "subliminalen Wahrnehmung" etwas dran sein könnte. Sie beschäftigen sich intensiv mit ihrer Bedeutung für das Lernen, für die Gefühle und die Steuerung des Verhaltens. Die Forscher untersuchen zum Beispiel die Wirkung extrem kurzer visueller Reize, die nur 50 oder 80 Millisekunden lang andauern.
Der schwedische Emotionsforscher Arne Öhmann vom Karolinska Institut in Stockholm präsentierte männlichen Versuchsteilnehmern Bilder schöner Frauen. Jedem dieser Bilder schickte er für einige Millisekunden das Bild einer Schlange, einer Spinne oder wiederum einer schönen Frau voraus. Das erstaunliche Ergebnis: Diejenigen Frauen, vor deren Bild ganz kurz Reptilien oder Insekten aufblitzten, wurden als weniger attraktiv beurteilt als die, denen das Frauenporträt vorausging. Die Fachleute nennen diesen Vorgang "unbewusstes Priming". Priming heißt soviel wie Vorbereitung oder Anbahnung. Vorbereitet oder angebahnt wird eine bestimmte Reaktion, in diesem Fall das Urteil über die Frau: Tiere, die eher als unangenehm empfunden werden, wie die Schlange oder die Spinne stellen einen unbewussten Hinweis dar, der das Urteil prägt.
Doch nicht nur Bilder wirken - sogar Wörter und Begriffe, die blitzartig auftauchen, können die Wahrnehmung beeinflussen. In einer Studie von Jens Förster von der Jacobs University Bremen, zusammen mit der University of Missouri-Columbia in Amerika, wird die Auswirkung von Alkohol-Begriffen auf das Urteilsvermögen männlicher Versuchsteilnehmer untersucht. Wohlgemerkt: Es ging nur um Wörter, und dann auch noch um solche, die nur 80 Millisekunden lang erscheinen - Begriffe wie Cocktail, Rum, Wein oder Schnaps. Die Versuchsteilnehmer wurden zunächst gebeten, einen Reaktionstest zu machen. Sie sahen Blitze auf einem PC-Monitor und sollten darauf möglichst schnell reagieren, indem sie mit der rechten oder linken Hand eine bestimmte Taste drückten. Es folgte ein Bildertest: präsentiert wurden den Männern 21 Fotografien von Frauen mit unterschiedlichen Gesichtszügen und verschiedener ethnischer Herkunft. Die Versuchsteilnehmer sollten jetzt die Attraktivität der Frauen auf einer Neun-Punkte-Skala bewerten. Der Trick dabei: Die Blitze des Reaktionstests enthielten bei einer Gruppe von Probanden Alkohol-Worte, bei einer anderen die Bezeichnungen nicht-alkoholischer Getränke wie Kaffee, Wasser oder Tee.
An der Universität von Missouri-Columbia machten 82 Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren den Bilder- und Reaktionstest. Ergebnis: Die Versuchsteilnehmer, denen Alkohol-Bezeichnungen präsentiert wurden, bewerten die Frauenfotos positiver. Allerdings funktioniert dieses Alkohol-Priming nur bei Männern, die glauben, dass Alkohol ihren Sexualtrieb steigert. Wer der Ansicht ist, Alkohol dämpfe den Trieb, bewertet die Frauenfotos sogar deutlich negativer als der Durchschnitt. Ron Friedman von der Universität von Missouri-Columbia findet das Ergebnis Besorgnis erregend: "Erwartungen, die wir mit Alkohol verbinden, können aktiviert werden, obwohl es uns nicht oder kaum bewusst wird."
Georg Wieghaus, Jakob Kneser
Stand: 28.08.2007
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