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Quarks & Co
Sendung vom 28. August 2007
Optische Täuschungen
Verkehrte Welt? Machen Sie mit bei dem Parcours durch die bekanntesten optischen Täuschungen und staunen Sie, wie sich die Sinne überlisten lassen.
Schauen Sie 20 Sekunden lang auf das Kreuz in der Mitte der vier roten Rechtecke. Anschließend blicken Sie auf das Kreuz rechts daneben. Statt der roten Rechtecke scheinen – leicht verschwommen – vier grüne Rechtecke um das Kreuz angeordnet zu sein. Tatsächlich ist die Fläche jedoch weiß. Der Grund: Die roten Flächen haben die Sehzellen im Auge überreizt. Verschwindet die rote Farbe aber, reagieren sie sogar weniger als sie es normalerweise bei Weiß tun würden. Dieses „fehlende“ Signal interpretiert unser Gehirn dann als Komplementärfarbe. Im Falle von Rot ist das Grün. Nach kurzer Zeit erholen sich die „rotempfindlichen“ Sehzellen und reagieren wieder normal, die Täuschung verblasst. Das ganze funktioniert nicht nur mit Farben sondern auch mit hellen und dunklen Flächen.
Achten Sie auf die Kreuzungspunkte. Sind sie weiß oder schwarz?
In den weißen Kreisen an den Kreuzungen tauchen schwarze Punkte auf. Nur der weiße Kreis, den man fixiert, bleibt vollständig weiß. Die gängige Erklärung zu dieser Täuschung ist, dass die Übergänge zwischen hell und dunkel auf so kleinem Raum stattfinden und der Kontrast so stark ist, dass die Nervenzellen im Gehirn überfordert sind. Sie hemmen sich gegenseitig, so dass es zu einer falschen Helligkeitszuordnung kommt.Der Effekt sollte bei einem grobmaschigen Gitter verschwinden – das passiert jedoch nicht. Zum anderen sollte nach der gängigen Erklärung die Täuschung auch auftreten wenn das kontrastreiche Muster nicht streng quadratisch angeordnet ist, wie im nebenstehenden Bild. Doch dabei tritt die Täuschung meistens nicht ein.
Schauen Sie sich die beiden Linien an. Welche davon ist länger? Wahrscheinlich haben Sie die untere Linie mit den geschlossenen Pfeilspitzen kürzer eingeschätzt als die mit den offenen. Wahrscheinlich reichen unserem Gehirn bereits die unterschiedlichen Pfeilspitzen um die Zeichnung als eine dreidimensionale Szene zu interpretieren. Die Linie mit den geschlossenen Pfeilspitzen erinnert an die vordere Kante eines Objektes; z. B. einer Häuserecke. Die andere wirkt eher wie die hintere Innenkante, z. B. eines Raumes. Entsprechend des so genannten „Gesetzes der Größenkonstanz“ nimmt unser Gehirn an, dass entfernte Objekte in Wirklichkeit größer sind als sie nach dem Abbild auf der Netzhaut erscheinen. Die Linie mit den offenen Pfeilspitzen wird offenbar als weiter weg und damit letztendlich als größer interpretiert.
Betrachten Sie die beiden roten Kreise in der Mitte. Sind beide gleich groß? Obwohl der linke Kreis, der von den großen Kreisen umgeben ist, kleiner wirkt, sind beide Kreise in der Mitte gleich groß. Offenbar sind wir nicht in der Lage ein Objekt unabhängig von seiner Umgebung wahrzunehmen. Die großen Figuren lassen des Kreis in der Mitte schrumpfen, kleine Figuren lassen ihn dagegen größer erscheinen. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch einen überraschenden Effekt: Lässt man Versuchspersonen mit den Fingern nach den mittleren Kreisen greifen, öffnen sich die Finger gleich weit. Die Information, dass beide Kreise gleich groß sind, scheint daher in unserem Gehirn vorhanden zu sein, allerdings ist sie uns nicht bewusst.
Welche der beiden Geraden auf der rechten Seite verlängert
die linke Gerade? Die meisten Menschen entscheiden sich für
die untere Gerade. Doch tatsächlich ist es die obere, die auf
einer Linie mit der linken Geraden liegt. (Sie können das
leicht mit einem Stift oder einem Lineal
überprüfen.)
Eine mögliche Erklärung ist, dass unser Gehirn spitze
Winkel offener einschätzt als sie tatsächlich sind. Die
Gerade wird daher falsch verlängert und wir erwarten den
Durchstoßpunkt an einer tieferen Stelle.
Schauen Sie sich die geometrische Zeichnung an. Wie viele Dreiecke sehen Sie? Wahrscheinlich sehen Sie zwei Dreiecke: ein schwarz umrandetes und ein weißes Dreieck, das darüber liegt. Doch streng genommen hat das weiße Dreieck gar keine Konturen. Auf einer frühen Verarbeitungsstufe reagiert unser Gehirn allerdings bereits auf angedeutete Konturen und setzt diese dann nach dem so genannten „Gesetz der guten Fortführung“ zusammen. Das bedeutet: die einfachste bzw. bekannteste Figur, die passend sein könnte, wird entsprechend ergänzt. Unter Umständen sehen wir dadurch Objekte, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind.
Was zeigt diese Zeichnung? Eine junge Frau oder eine alte
Dame?
Das Bild „Meine Frau und meine Schwiegermutter“ zeigt
tatsächlich zwei Gesichter gleichzeitig. Die junge Frau hat
das Gesicht von uns abgewandt. In der Mitte des Bildes sehen wir
ihr Ohr, links davon auf gleicher Höhe sind die Augenlider und
die Nase angedeutet. Das Ohr der jungen Frau ist gleichzeitig das
Auge der alten Dame. Deren Kopf ist insgesamt größer.
Sie schaut nach links und hat den Kopf ein wenig gesenkt. Nach
einer Weile kann man beide Gesichter ohne Probleme entdecken.
Allerdings können wir entweder nur das eine oder das andere
sehen. Unsere Wahrnehmung „kippt“ ständig hin und
her. Auch mit viel Übung gelingt es nicht, beide Bilder
gleichzeitig zu sehen. Der Grund: In unserem Gehirn gibt es einen
Alles-oder-Nichts-Effekt. Dabei setzt sich immer ein Reiz oder eine
Interpretation durch und unterdrückt alle anderen, selbst wenn
sie möglich sind. Welche Interpretation sich durchsetzt, kann
aber immer wieder wechseln.
Uli Grünewald, Alexandra Hostert, Jakob Kneser, Georg Wieghaus
Stand: 20.10.2006
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