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Quarks & Co
Sendung vom 18. September 2007
Ersatzteile für Soldaten
Der Tod als Berufsrisiko? Militärs und Mediziner arbeiten Hand in Hand, um Soldaten mit Hightech-Mitteln zu schützen – ob in bewaffneten Konflikten oder bei Friedenseinsätzen. Die US-Armee betreibt zum Beispiel intensive Forschung und Entwicklung, um die eigenen Verluste gering zu halten. Tatsächlich sterben zum Beispiel beim Kampfeinsatz im Irak immer weniger der schwer verletzten US-Soldaten. Ein Erfolg – doch ganz ohne Verluste geht es nicht: Die Soldaten überleben, verlieren aber häufig Arme und Beine. Mehr als 400 US-Soldaten haben schon ihre Gliedmaßen bei den Kampfeinsätzen im Irak zurück gelassen. Amputierte sind jedoch keine gute Werbung für einen Kriegseinsatz. Außerdem fehlen die hoch qualifizierten Soldaten später bei der Armee. Deshalb hat das US- Verteidigungsministerium seit dem Irak-Krieg allein eine Million Dollar für die Weiterentwicklung einer neuen Beinprothese locker gemacht.
Das C-Leg des deutschen Prothesenherstellers „Otto Bock HelthCare“ ist eine Beinprothese, bei der sich das künstliche Kniegelenk selbstständig den Schrittbewegungen anpasst. Zwei Sensoren, einer im künstlichen Knie, ein weiterer am Knöchel, senden 50 Mal pro Schritt aktuelle Informationen an einen Mikroprozessor im Kunstgelenk: ob die Ferse gerade aufsetzt oder der Ballen abrollt. Der Prozessor löst dann hydraulisch eine stärkere Dämpfung im Kniegelenk aus oder verringert den Widerstand. Das Ganze hängt von einer aufwändigen Programmierung ab. Das macht das C-Leg auch so kostspielig: Zusammen mit dem individuellen Programmierservice kostet jedes Stück 20.000 bis 24.000 Euro. Trotzdem verkauft sich das C-Leg gut – mehr als 12.000 seiner Laufhilfen hat die Firma Otto Bock schon verkauft, hauptsächlich an Zivilisten.
Doch auch beim US-Militär ist das C-Leg begehrt. Schlagzeilen machte beispielsweise der Pilot Andrew Lourake. Im November 2004 kehrte der beinamputierte Soldat in den Flugdienst zurück, dank C-Leg. Über 100 C-Legs hat das US-Militär seit dem Irak-Krieg schon geordert. Denn mit der neuen Prothese können die Amputierten zumindest im Innendienst wieder eingesetzt werden. Doch die Militärs wollen noch mehr: kampftaugliche C-Legs. So finanzieren sie die Weiterentwicklung der computergesteuerten Beine beim Hersteller Otto Bock. In dessen Entwicklungslabor in Wien werden die Prothesen unter extremen Bedingungen geprüft: Sie müssen auch bei minus 26 Grad noch funktionieren, dürfen selbst bei Salzwasser nicht korrodieren und sollen 400 Kilo Last aushalten.
Die internationale Prothesenforschung hat so viel Know How angesammelt, dass es nahe liegt, ihr Wissen auch für gesunde Soldaten zu nutzen - beispielsweise, um ihre Kampfkraft zu steigern. Zu Beginn des Jahrtausends hat das US-Verteidigungsministerium ein 50-Millionen-Dollar-Programm aufgelegt, um so genannte Außenskelette zu entwickeln. Sie sollen mechanisch die Arm- und Beinbewegungen der Soldaten verstärken. Einer der Kooperationspartner ist die kalifornische Universität Berkeley. Hier entwickeln Forscher das BLEEX-Projekt. BLEEX steht für Berkeley Lower Extremity Exoskeleton, also ein Außenskelett für Beine und Füße: Der Soldat trägt auf dem Rücken einen batteriebetriebenen Motor. Von dort gehen hydraulische Schläuche zu einem Außengestänge an den Beinen. Sensoren erkennen die menschlichen Schritte und verstärken sie mit dem Gestänge. Die Gehhilfe soll das Tragen schwerer Lasten erleichtern und vor allem im Hochgebirge zum Einsatz kommen: In sauerstoffarmer Höhenluft können Soldaten keine großen körperlichen Anstrengungen leisten. Das soll sich mit BLEEX ändern. Allerdings steckt das Projekt noch in den Kinderschuhen: Bisher behindert das Außenskelett die Versuchsperson eher, als sie zum Superkämpfer zu machen.
William Vorsatz
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