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Der Stammbaum der Hominiden

  • SendeterminDienstag, 02. Oktober 2007, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 06. Oktober 2007, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).

Ardipethicus ramidus

lebte vor ca. 4,4 Millionen Jahren

Ardipethicus ramidus ist das älteste bekannte Mitglied der Hominiden und gilt als Übergangsform zwischen Affen und den späteren Urmenschen. Sein Name setzt sich aus dem äthiopischen Wort "ardi" für "Boden" und dem griechischen Wort "pethicus" für "Affe" zusammen: Ardipethicus, kurz "Bodenaffe".

Sein Gebiss ähnelt auch noch stark dem eines Affen – das zeigen zumindest Skelettteile, die der Paläoanthropologe Tim White 1994 in Äthiopien fand. Bein- und Fußknochen von Ardipethicus ramidus deuten aber bereits darauf hin, dass er etwas aufrechter als ein Affe ging.

Australopithecus anamensis

Foto: Wissenschaftliche Rekonstruktionen des Australopithecus
anamensis: W.Schnaubelt/N.Kieser (Wildlife Art) für Hessisches
Landesmuseum Darmstadt
Wissenschaftliche Rekonstruktionen des Australopithecus anamensis: W.Schnaubelt/N.Kieser (Wildlife Art) für Hessisches Landesmuseum Darmstadt

lebte vor ca. 4,2 bis 3,9 Millionen Jahren

In der Nähes des Turkana-Sees im heutigen Kenia wurden viele Überreste verschiedener Urmenschenarten entdeckt – so auch einige von Australopithecus anamensis. Sein Name leitet sich zum einen vom lateinischen Wort "australis" für "Süden" und dem altgriechischen Wort "pithekos" ("Affe") ab, zum anderen vom kenianischen Wort "anam" ("See").

Vier Millionen Jahren zuvor war es in dieser Gegend sehr heiß und der See war häufig ausgetrocknet. Es gab kaum Vegetation. Nur wenige hohe Bäume boten Australopithecus anamensis Schutz vor der Hitze. Darum war es wichtig, dass er die weiten Strecken zwischen vereinzelten Baumgruppen gut zurücklegen konnte – und das bereits im aufrechten Gang, mit dem der "Südaffe" wesentlich schneller war als auf allen Vieren. Während sein Körperbau schon recht "modern" war, gleicht seine Kopfform noch der seiner kletternden Vorfahren.

Australopithecus afarensis

Foto: Schädel eines Australopithecus afarensis
Schädel eines Australopithecus afarensis

lebte vor ca. 3,9 bis 2,9 Millionen Jahren

Wahrscheinlich starben sie bei einer Überschwemmung: 13 Mitglieder einer Gruppe von Australopithecus afarensis, deren Überreste Forscher Mitte der 1970er Jahre entdeckten. Die Knochenfunde zeigen, dass diese Urmenschen wohl bereits in Familien zusammen lebten. Von dieser Spezies wurden sogar Fußabdrücke in Vulkanasche freigelegt.

Insgesamt fanden Wissenschaftler mehrere Hundert Knochenfragmente von Australopithecus afarensis in Tansania, Kenia und Äthiopien. Der bekannteste von ihnen ist unter einem ungewöhnlichen Spitznamen bekannt geworden: Lucy, benannt nach dem Beatles-Song "Lucy in the sky with diamonds", den die Forscher bei ihren Ausgrabungen im Radio gehört haben sollen. Als sie bei diesem Lied auf ein Skelett stießen, nannten sie es kurzerhand "Lucy". Einige Paläoanthropologen sind der Meinung, Australopithecus afarensis sei der gemeinsame Vorfahre von allen späteren Hominidenarten. Lucy ist daher auch unter dem Namen "Mutter der Menschheit" oder "afrikanische Eva" bekannt geworden. Das war allerdings eine vorschnelle Taufe: Heute vermuten viele Forscher, dass Lucy ein männliches Exemplar seiner Gattung war.

Insgesamt wurden 40 Prozent von Lucys Skelett entdeckt. Somit ist Lucy – egal ob nun männlich oder weiblich – eines der vollständigsten Skelette eines Australopethicus (übersetzt etwa "Südaffe"), die je gefunden wurden.

Australopithecus africanus

Foto: Skelett-Reproduktion des Australopithecus africanus
Skelett-Reproduktion des Australopithecus africanus

lebte vor ca. 3 bis 2,5 Millionen Jahren

Australopethicus africanus hatte im Vergleich zu seinen Vorfahren einen gewaltigen Kiefer mit viel kleineren Reißzähnen, dafür jedoch großen Backenzähnen. Mit diesem Gebiss konnte er sich fast ausschließlich von Pflanzen ernähren. Er ging aufrecht und lebte in kleinen Gruppen. Sein Gehirn war allerdings noch viel kleiner als das eines heutigen Menschen: Es hatte ein Volumen von ca. 500 Kubikzentimeter, vergleichbar mit der Gehirngröße eines heutigen Schimpansen.

Australopithecus aethopicus

lebte vor ca. 2,5 bis 2,3 Millionen Jahren

Sein Spitzname lautet "The black skull" – schwarzer Schädel. Das bedeutet aber nicht, dass Australopithecus aethopicus zu Lebzeiten eine besonders dunkle Kopfbehaarung trug – vielmehr hatten sich die Knochenfragmente, die später von ihm gefunden wurden, erst im Laufe der Zeit durch manganhaltige Mineralien dunkel gefärbt. Auf seinem Schädel hatte Australopithecus aethopicus den größten Knochenkamm aller bekannten Hominiden, an dem seine Kaumuskeln befestigt waren. Mit seinem riesigen Kiefer konnte er große Mengen an Nüssen, Blättern und Wurzeln. Ansonsten gilt er als eine – mit Blick auf andere Urmenschen-Arten – vergleichsweise kurze Zwischenstufe in der Entwicklung. Zudem vereinigte er eine verwirrende Mischung aus primitiven Eigenschaften wie das sehr kleine Gehirn (ca. 410 Kubikzentimeter) und einem eher fortschrittlichen Körperbau wie die Form seiner Bein- und Beckenknochen.

Australopithecus boisei

Foto: Wissenschaftliche Rekonstruktionen des Australopithecus
boisei: W.Schnaubelt/N.Kieser (Wildlife Art) für Hessisches
Landesmuseum Darmstadt
Wissenschaftliche Rekonstruktionen des Australopithecus boisei: W.Schnaubelt/N.Kieser (Wildlife Art) für Hessisches Landesmuseum Darmstadt

lebte vor ca. 2,4 bis 1,1 Millionen Jahren

Mit seinen Backenzähnen, die viermal größer waren als die des heutigen Menschen, zermalmte Australopithecus boisei harte Pflanzenfasern und Nüsse mitsamt der Schale. Das Gebiss des "Nussknackermenschen" – wie ihn Forscher nennen – war damit hervorragend an die kargen Mahlzeiten der trockenen Steppe angepasst. Sein Gehirn war jedoch alles andere als riesig: Mit einem Volumen von etwa 500 Kubikzentimetern maß es nur ein Viertel des Gehirns eines durchschnittlichen Erwachsenen heute.

Gegen seinen Konkurrenten Homo rudolfensis konnte sich Australopithecus boisei damit nicht durchsetzen. Beide Gattungen lebten teilweise zur selben Zeit und sogar in derselben Gegend um den Turkana-See im Norden Kenias, wo auch Überreste anderer Urmenschen, die vor ihnen gelebt hatten (wie zum Beispiel Australopithecus anamensis), entdeckt wurden.

Der Nussknackermensch starb schließlich aus, ohne Stammvater einer neuen Menschenlinie geworden zu sein. Seinen Namen verdankt er dem Londoner Geschäftsmann Charles Boise, dem Hauptfinanzier der Grabungen, die den ersten Fund von Australopithecus boisei zu Tage förderten.

Homo rudolfensis

Wissenschaftliche Rekonstruktionen des Homo rudolfensis:
W.Schnaubelt/N.Kieser (Wildlife Art) für Hessisches
Landesmuseum Darmstadt
Wissenschaftliche Rekonstruktionen des Homo rudolfensis: W.Schnaubelt/N.Kieser (Wildlife Art) für Hessisches Landesmuseum Darmstadt

lebte vor ca. 2,4 bis 1,8 Millionen Jahren

"Mensch vom Rudolfsee" wird Homo rudolfensis genannt – nach seinem Fundort, hinter dem sich einmal mehr bei solchen Funden der heutige Turkana-See in Kenia verbirgt. Dieser See wurde um 1887 von seinen Entdeckern aus Österreich-Ungarn nach dem österreichischen Kronprinzen Rudolf benannt.

Mit seinem flachen, breiten Gesicht und den menschenähnlichen Oberschenkel- und Fußknochen zählt Homo rudolfensis zu den Affenmenschen und nicht mehr zu den Menschenaffen. Zum ersten Vertreter der Gattung Homo qualifizierte ihn jedoch hauptsächlich sein Gehirn, das mit 600 bis 800 Kubikzentimetern deutlich größer war als das der Australopithecinen. Forscher vermuten, dass Homo rudolfensis tatsächlich auch cleverer war als seine Zeitgenossen: Mit spitzen und scharfen Steinen knackte er die härteste Pflanzenschale. Gelegentlich zerlegte er damit Fleisch oder öffnete Knochen, deren nahrhaftes Mark anderen Tieren – und Hominiden – verborgen blieb. Ein Jäger war Homo rudolfensis jedoch nicht: Er gab sich mit Aas zufrieden, das Raubtiere übrig gelassen hatten.

Homo habilis

Foto: Schädel eines Homo habilis, gefunden in Koobi Fora,
Kenia, 1972. Sein geschätztes Alter ist 1,9 Millionen Jahren.
Einige Forscher halten den Fund für en Schädel eines Homo
rudolfensis
Schädel eines Homo habilis, gefunden in Koobi Fora, Kenia, 1972. Sein geschätztes Alter ist 1,9 Millionen Jahren. Einige Forscher halten den Fund für en Schädel eines Homo rudolfensis

lebte vor ca. 2,1 bis 1,6 Millionen Jahren

Die Olduvai-Schlucht in Tansania, 1960: Grabungen förderten ein ganz besonderes Skelett zu Tage. Seine Arme waren im Vergleich zu den Beinen sehr lang, eher affenähnlich. Und auch das Hirnvolumen schien unter der Grenze für einen Schädel der Gattung Homo zu liegen. Doch wurde kurzerhand die Untergrenze geändert – und der Fund auf den Namen Homo habilis getauft. Grund dafür war eine andere Entdeckung, die die Forscher machten: Offenbar stellte Homo habilis als erster Hominide Werkzeuge aus Stein her.

Zwar gehen auch heutige Schimpansen geschickt mit Steinen und Stöcken um, doch wurde noch kein wilder Schimpanse gesichtet, der selbst Werkzeug anfertigt. Homo habilis hingegen bearbeitete wahrscheinlich Steinsplitter, um mit ihnen Aas zu zerlegen. Untersuchungen seines Schädels lassen zudem vermuten, dass er eine einfache Sprache beherrschte, jenseits des Schreiens und Grunzens von Affen. Eine Reihe späterer Funde belegt zudem, dass seine durchschnittliche Gehirngröße doch größer war, als es beim ersten Fund den Anschein hatte.

Australopithecus robustus

Foto: Skelett-Reproduktion des Australopithecus robustus
Skelett-Reproduktion des Australopithecus robustus

lebte vor ca. 2,0 bis 1,0 Millionen Jahren

Auf dem Speiseplan von Australopithecus robustus standen vor allem Pflanzen, die er mit seinem mächtigen Kiefer zermahlen konnte – dies verrät ein Gebiss, das 1938 im südafrikanischen Kromdraai gefunden wurde. Diese Art von Gebiss mit den verhältnismäßig kleinen Schneide- und Eckzähnen und den riesigen Backenzähnen sicherte das Überleben von Australopithecus robustus in den trockenen Savannen, wo sein Speiseplan zumeist aus harten Früchten und Nüssen bestand. Mit Werkzeugen aus gesammelten Knochen grub er vermutlich nach Knollen und Wurzeln. Groß war Australopithecus robustus übrigens nicht: Mit einer Größe von rund 1,10 bis 1,30 Meter hatte er etwa die Statur eines heutigen Zehnjährigen.

Homo ergaster

lebte vor ca. 1,8 bis 1,5 Millionen Jahren

Er war ein schneller Läufer, ging aufrecht, verbrauchte kaum Energie und benötigte deshalb nicht viel Nahrung, um große Strecken zu überwinden. Mit jeder Generation breitete sich Homo ergaster (und der nachfolgende Homo erectus) weiter von Afrika in Richtung Asien und Europa aus. Dabei nutzte er vor allem die Wege, die die Eiszeitgletscher geschaffen haben. Forscher gehen davon aus, dass Homo ergaster ein Bewusstsein dafür entwickelte, dass er Teil einer Gruppe war.

Aufgrund des Klimas war Homo ergaster größer als seine mutmaßlichen Nachfahren, der europäische Homo heidelbergensis und der asiatische Homo erectus. Dies belegt zumindest ein Fund aus dem Jahr 1984: Auf der Westseite des Turkana-Sees im heutigen Kenia wurde das nahezu vollständig erhaltene Skelett eines zwölfjährigen Jungen gefunden, der zu Lebzeiten ca. 1,70 Meter groß gewesen sein muss.

Homo erectus

Foto: Schädel des Pithecanthropus erectus in Frontal- und
Profilansicht
Schädel des Pithecanthropus erectus in Frontal- und Profilansicht

lebte vor ca.1,8 Millionen bis 40.000 Jahren

Trotz seines flachen Schädels mit ausgeprägten Wülsten über den Augen war Homo erectus schon sehr modern: Weil er aufrecht ging, konnte er seine beiden Hände frei benutzen – was ihn unter anderem zu einem erfolgreichen Jäger machte. Homo erectus entwickelte starke Sehnen in den Händen und einen flexibleren Daumen.

Und diese Hände waren nicht nur zum Jagen gut: Homo Erectus baute vereinzelt einfache Hütten und lernte, Feuer gezielt zu nutzen. Nur so war es ihm möglich, seine Heimat zu verlassen und sich von Afrika bis nach Asien auszubreiten.

Homo heidelbergensis

Foto: Homo heidelbergensis auf der Jagd / Zeichnung
Homo heidelbergensis auf der Jagd/Zeichnung

lebte vor ca. 600.000 bis 200.000 Jahren

Im Oktober 1907 wird in einer Kiesgrube bei Mauer in der Nähe von Heidelberg ein Unterkiefer gefunden. Dieser Nähe zu Heidelberg verdankt Homo heidelbergensis seinen Namen. Skelettfunde zeigen, dass er in Europa und in Teilen von Afrika gelebt hat. Auch er war ein erfolgreicher Jäger und ernährte sich vor allem von Großwild. Für die Jagd fertigte er mehr als zwei Meter lange Speere an. Um das Fleisch von den Knochen abzuschaben, setzte er Steinwerkzeuge ein. Da er in Gruppen jagte, vermuten Forscher, dass Homo heidelbergensis schon über eine einfache Sprache verfügte, mit deren Hilfe er sich mit seinen Artgenossen verständigte. Auffällig ist außerdem sein schlanker Körperbau.

Homo neanderthalensis

Foto: Rekonstruktion des Original-Neanderthalers aus der Feldhofer
Grotte
Rekonstruktion des Original-Neandertalers aus der Feldhofer Grotte

lebte in Europa seit ca. 220.000 bis vor ca. 30.000 Jahren

Im August 1856 fanden Kalkarbeiter im Neandertal bei Düsseldorf Knochen. Zuerst vermutete man, dass es sich dabei um Reste eines Bären handelte. Allerdings ließen sich die Knochen keiner bekannten Bärenart zuordnen. Stattdessen stellte sich heraus: Es waren Knochen einer alten menschlichen Gattung: die von Homo neanderthalensis – des Neandertalers. Mit einer Körpergröße von rund 1,65 Meter und seinen robusten Knochen war er im Vergleich zum heutigen Menschen recht schwer gebaut: Er brachte fast 80 Kilogramm auf die Waage. Der stark gebaute Hominid lebte hauptsächlich in Europa und Vorderasien, teilweise parallel zum Homo sapiens. Er ernährte sich hauptsächlich von Fleisch und war wohl die erste Menschengattung, die Kleider fertigte.

Homo sapiens

Foto: Schädel eines 30.000 Jahre alten Homo Sapiens aus Combe
Capelle in Frankreich
Schädel eines 30.000 Jahre alten Homo Sapiens aus Combe Capelle in Frankreich

lebt seit ca. 160.000 Jahren, seit ca. 65.000 in Europa

Mit seinen immer feineren Werkzeugen – zum Beispiel aus Knochen und Elfenbein – beginnt der Siegeszug des Homo sapiens. Der gängigen Theorie nach brach Homo sapiens vor 100.000 Jahren von Ostafrika ausgehend in den nahen Osten sowie in andere Richtungen Afrikas auf. 40.000 Jahre später sind erste Homo sapiens im Osten und in Europa zu finden. In vielen Teilen der Erde verdrängt er ältere Menschenformen und schafft es, auch in unbesiedelte Gebiete, wie etwa Amerika oder Australien, vorzustoßen. Homo sapiens ist feingliedriger und größer als alle seine Vorgänger. Die Wülste über seinen Augen sind stark zurückgebildet, die Stirn ist höher geworden.

Er ist zudem äußerst intelligent und organisiert – meistens jedenfalls. Vielleicht ist das ein Rezept für seinen Erfolg, denn Homo sapiens ist die einzige Menschenform, die sich durchsetzte und bis heute überlebt hat. Den Beweis dafür können Sie selbst antreten: Schauen Sie in den Spiegel!

:

Sophie Stigler, Sven Schiefelbein und Tim Gabel

Stand: 02.10.2007


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