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Training für das Immunsystem

Impfen rüstet den Körper für den Ernstfall

  • SendeterminDienstag, 30. Oktober 2007, 21.00 - 21.45 Uhr.
  • WiederholungsterminSamstag, 03. November 2007, 10.25 - 11.10 Uhr (Wdh.).
Foto: Fresszellen vernichten Viren
Die Immunabwehr des Körpers besitzt besondere Fresszellen, die Erreger vernichten

Schützen durch Infektion – es klingt etwas paradox, aber so ähnlich funktioniert die Impfung. Das Ziel ist im Körper einen Schutz gegen Erreger aufzubauen und die Immunabwehr zu unterstützen. Es gibt passive und aktive Impfungen. Und Aktivimpfungen können wiederum mit Lebend-Impfstoffen oder Tot-Impfstoffen erfolgen.

Aktiv-Impfung: Sparringspartner für die Abwehrzellen

Bei der aktiven Impfung ist der Impfstoff so etwas wie ein Sparringspartner beim Boxen: Er trainiert den Körper für den Ernstfall. Der Aktiv-Impfstoff besteht aus Erregern oder Teilen der Erreger, die aber nicht mehr infektiös sind. Bei einer aktiven Impfung passiert im Immunsystem daher fast dasselbe wie bei einer echten Infektion, nur bricht die eigentliche Krankheit nicht aus:

Zunächst rücken Fresszellen aus, die einen Teil der Erreger vernichten. Und sie Fresszellen aktivieren andere Abwehrzellen, die StichwortAntikörper produzieren – das sind weitere Abwehrstoffe, die speziell auf den Eindringling zugeschnitten sind. Die Antikörper setzen die Erreger fest, die Fresszellen können die verklumpten Zellen so sehr viel effektiver vernichten. Zeitgleich werden so genannte Gedächtniszellen gebildet. Sie bleiben ein Leben lang im Körper und sind bei erneutem Kontakt mit dem Erreger jederzeit einsatzbereit– das Gedächtnis des Immunsystems. Gelangen bekannte Erreger in den Körper, können diese speziellen Gedächtniszellen sofort neue Antikörper bilden. Die Immunreaktion erfolgt dann viel schneller als beim ersten Mal.

Virenvermehrung für lebenslangen Schutz

Foto: Immunzelle produziert Antikörper
Bei der Lebendimpfung werden besonders viele Antikörper produziert, die die Immunabwehr unterstützen

Für eine Aktiv-Impfung kann man Lebend- oder Tot-Impfstoffe verwenden. Lebendimpfstoffe enthalten vermehrungsfähige Erreger, die durch biotechnische Verfahren abgeschwächt wurden, so dass sie die eigentliche Krankheit nicht mehr auslösen können. Nach der Impfung vermehren sich die im Impfstoff enthaltenen Erreger im Körper und erreichen so eine Konzentration, die eine besonders starke Immunreaktion auslöst. Dieser Abwehrkampf prägt das Immunsystem nachhaltig - entsprechend besteht der Impfschutz meist das ganze Leben. Bekanntestes Beispiel für Lebendimpfung ist die kombinierte Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln (auch MMR-Impfung genannt). Alle drei Impfstoffe –hier sind es abgeschwächte Viren- kommen gleichzeitig in den Körper. Geimpft wird meist zweimal innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Dass die Mumps, Masern, Röteln-Impfung zweimal gegeben wird, liegt daran, dass etwa 15 Prozent der Kinder auf die erste Impfung nicht reagieren. Daher impft man alle Kinder zweimal, um einen möglichst umfassenden Impfschutz zu erreichen.

Regelmäßig auffrischen

Foto: Gedächtniszelle und Antikörper in der Blutbahn
Bei der Tot-Impfung entstehen nur wenige Gedächtniszellen, die den lang anhaltenden Impfschutz garantieren

Tot-Impfungen bestehen aus komplett abgetöteten Erregern oder sogar nur bestimmten wichtigen Bruchstücken der Viren oder Bakterien. Die dreifache Impfung gegen Tetanus, Keuchhusten (Pertussis) und Diphtherie (DPT-Impfung) ist so ein Beispiel. Das Immunsystem reagiert ganz ähnlich wie bei der Lebendimpfung, aber die Reaktion ist deutlich schwächer: Da sich die im Impfstoff enthaltenen Erreger nicht vermehren können, müssen weit weniger Fremdlinge vernichtet werden. Es werden weniger Antikörper und Gedächtniszellen gebildet. Damit jedoch bei einer echten Infektion genug Antikörper und Gedächtniszellen vorhanden sind, muss die DPT-Impfung innerhalb kurzer Zeit mehrfach gegeben und regelmäßig aufgefrischt werden, um den Impfschutz lebenslang zu behalten.

Passive Impfung - die Pille danach

Bildbeschreibung: Antikörper nah
Antikörper sind Eiweiße, die ganz speziell auf verschiedene Eindringlinge zugeschnitten sind und so die Immunabwehr unterstützen

Neben diesen Aktiv-Impfungen; bei denen das Immunsystem aktiv etwas gegen den Impfstoff tun muss, gibt es noch die Passiv-Impfungen. Bei diesen Impfungen verhält es sich ein bisschen wie mit „der Pille danach“: Man kann noch impfen, wenn der Körper schon infiziert ist, und gibt mit der Impfspritze nur die Antikörper. Die Passivimpfung spielt vor allem bei Tetanus (Wundstarrkrampf) oder bei der Tollwut eine Rolle. Man kann noch impfen, wenn der Mensch sich schon verletzt hat oder von einem kranken Tier gebissen wurde, die Erreger also schon im Körper sind. Notwendig ist dieses Vorgehen bei Tetanus vor allem deshalb, weil viele die Auffrischimpfungen nicht regelmäßig vornehmen und somit keinen ausreichenden Impfschutz haben.

Bei der Passiv-Impfung entstehen keine Gedächtniszellen, der Impfschutz ist daher nur vorübergehend. Meist werden deshalb gleich zwei Spritzen gegeben: die Passiv-Impfung mit den Antikörpern, um eventuell schon im Körper vorhandene Erreger abzuwehren und die Aktiv-Impfung, um einen langen Impfschutz zu erreichen.

Stichwörter

1 Antikörper
Antikörper sind Eiweiße, die Teil des Immunsystems sind. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Immunreaktion und dienen der Abwehr von Fremdstoffen. Antikörper sind auf den jeweiligen Erreger oder Fremdstoff spezialisiert und können ihn neutralisieren, festsetzen oder andere Zellen zur Vernichtung des Eindringlings aktivieren. Zurück zum Absatz
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Katrin Krieft


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