Hauptnavigation

Freitag, 10.02.2012

Suche im Redaktionsangebot von Quarks & Co
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

Navigation


Zurück: Januar 2012 Sendeplan für Februar 2012 Weiter: März 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05
06 07 08 09 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Wissen > Quarks & Co > Sendung vom 04. Dezember 2007 > Machen Gewaltspiele dumm?


Machen Gewaltspiele dumm?

Horrorbilder schaden der Konzentration

  • SendeterminDienstag, 04. Dezember 2007, 21.00 - 21.45 Uhr .
  • WiederholungsterminSamstag, 08. Dezember 2007, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).
Foto: Lukas oder Sascha nah, starren auf Bildschirm
Es gibt Hinweise darauf, dass gewalthaltige Bilder die Gehirnfunktionen beeinflussen

Von außen sieht man nichts. Mit oft versteinerter Miene starren Kinder auf den Bildschirm. Sei es, dass sie sich gerade einen Horrorfilm reinziehen oder bei einem Computerspiel möglichst viele Spielfiguren abknallen, sie bleiben scheinbar ungerührt. Aber was passiert tatsächlich hinter der coolen Fassade? Gehen die Gewaltbilder spurlos an den Kindern vorbei? Oder hinterlassen sie Spuren im Gehirn? Eltern, Erzieher, Lehrer und Psychologen, aber auch besorgte Politiker fragen sich das angesichts eines vermeintlichen Zusammenhangs zwischen hohem Gewalt-Medienkonsum und Jugendkriminalität. Mehrere Studien des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen haben diesen Zusammenhang klar belegt - vor allem bei Jungen.

Was passiert im Gehirn?

Eine Untersuchung von Brad Bushman, University of Michigan (USA) von 1998 zeigte, dass Werbung, die in gewalthaltige Filme eingestreut wird, schlechter im Gedächtnis bleibt als Werbung, die in gewaltneutrale Film eingebettet ist. Bisher gab die Forschungslage aber noch kein klares Bild dazu ab, ob das Gehirn wirklich durch Fernsehen oder Computerspiele unmittelbar beeinträchtigt wird. Wenn ja, könnte das weitreichende Folgen haben - zum Beispiel bezüglich der Schulleistungen. Die wiederum haben einen wichtigen Einfluss auf das Verhalten, ist doch die Schule ein wichtiger Sozialisierungsfaktor. Die Wissenschaftler des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen haben sich besonders auf diesen Zusammenhang konzentriert. Ihre These: Gelerntes aus der Schule wird von actionreichen Gewaltszenen einfach verdrängt. Diese Annahme ist als die sogenannte Löschungshypothese bekannt, und die Hannoveraner Forscher wollten sie mit ihrer Studie überprüfen.

Freigegeben ab 18

Die Probanden, die an der Studie des Kriminologischen Instituts Niedersachsen teilgenommen habe, waren junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren - mit Kindern ist ein solcher Versuch aus ethischen Gründen nicht machbar, weil den Probanden Filme und Spiele gezeigt wurden, die erst ab 18 freigegeben sind. Die an der Studie beteiligten Psychologen, Medienwissenschaftler und Sozialwissenschaftler sind aber der Meinung, dass man die Ergebnisse durchaus auf Kinder übertragen kann. „Es gibt keinen Grund, warum die Wirkungen der Gewaltbilder auf Kinder anders sein sollten als auf junge Erwachsene“, so Florian Rehbein, der Versuchsleiter.

Gewaltvideo gegen Tischfußball

Die insgesamt 360 Probanden wurden mit verschiedenen Arten von Gewaltvideos und Computerspielen konfrontiert. Die einen schauten Gewalt-Videofilme, die anderen gewaltfreie Videofilme. Bei den Computerspielen wurden die Gruppen genauso unterteilt: Die einen spielten harmlose Spiele, die anderen Ballerspiele mit gewalthaltigen Bildern. Außerdem gab es bei jedem Durchgang eine Kontrollgruppe mit einem Kontrastprogramm; diese spielte Tischtennis, Dart oder Tischfußball. Sowohl unmittelbar vor als auch unmittelbar nach diesen Versuchsszenerien machten alle Probanden einen Konzentrations- und einen Merkfähigkeitstest. Die Forscher wollten so prüfen, ob Konzentration oder Merkfähigkeit durch den Medienkonsum nachgelassen hatte.

Einbußen bei der Konzentration

Foto: Proband vor Bildschirm
Gewalthaltige Computerspiele beeinträchtigen die Konzentrationsfähigkeit stärker als harmlose Spiele

Das Ergebnis: Bei der Merkfähigkeit verzeichneten die Forscher keine Unterschiede. Das erstaunte sie sehr, waren sie doch zu Beginn der Studie noch recht sicher gewesen, dass gemäß der ersten Annahme die Gewaltspiele und –bilder eine negative Wirkung auf das Gedächtnis haben würden. Die Löschungshypothese müssen die Forscher nun wahrscheinlich verwerfen.

Dafür gab es aber eine große Überraschung bei der Auswertung der Konzentrationstests: Die Probanden, die sich mit den Ballerspielen und ihren gewalthaltigen Bildern beschäftigt hatten, fielen danach in ihrer Konzentrationsfähigkeit deutlich ab: Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die auch nach dem Tischtennis-, Kicker- oder Dartspielen 100 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit erreichte, kamen die Gewaltspieler nur noch auf 77 Prozent der Konzentrationsleistung im Vergleich mit der Kontrollgruppe. Die Normalgucker vor dem Fernseher erreichten 91 Prozent, die Spieler harmloser PC-Spiele kamen auf 88 Prozent, und selbst diejenigen, die Gewaltfilme vor dem Fernseher konsumiert hatten, konnten im Vergleich zur Kontrollgruppe noch zu 88 Prozent ihre Konzentrationsleistung bringen. Keine Gruppe hatte also so große Einbußen erlitten wie diejenige, die Computerspiele mit gewalthaltigen Bildern durchgespielt hatte.

Schlechte Noten durch Computerspiele?

Die Informationsverarbeitung scheint also ganz am Anfang, bei der Konzentration nämlich, gestört zu sein. Dass Lernvorgänge, und damit auch die Konzentration, durch äußere Einflusse erheblich gestört werden kann, ist bekannt – ein Faktor ist hier zum Beispiel Stress. Und dass Computerspiele, vor allem die mit gewalthaltigen Bildern, Stress erzeugen, ist ebenfalls bekannt: Physiologen haben nachgewiesen, dass sich dabei Herzschlag und Blutdruck erhöhen und verstärkt das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird.

Stundenlanges Ballern und zu wenig Bewegung

Foto: Leere Schulklasse, am rechten Bildrand Kindergesicht
Möglich, dass häufiger Bildschirmkonsum schuld ist an schlechten Noten

Es gibt noch weitere Erklärungen dafür, warum starker Medienkonsum zu schlechten Schulleistungen führen kann – eine ist ganz schlicht der Zeitaufwand: Wer acht Stunden am Tag Computer spielt oder fernsieht, hat keine Zeit mehr für Hausaufgaben oder fürs Nachdenken über Dinge, die in der Schule gelernt wurden. Und auch die Bewegungslosigkeit vor dem Computer oder Fernseher wird von einigen Forschern als möglicher Grund für schlechte Schulleistungen gesehen. Denn dass Bewegung sich positiv auf kognitive Leistung auswirkt, weiß man schon lange.

Reaktion versus Konzentration

Viele Computerspiele stellen den Spieler vor die Aufgabe, auf eine Fülle visueller Reize möglichst schnell zu reagieren. Wichtig für den Spielerfolg sind also: schnelle Reaktion, gute Augen-Hand-Koordination und ein guter Überblick über die visuellen, oft gleichzeitig auftauchenden Reize. Eine tiefere gedankliche Auseinandersetzung, wie eine spezifische Situation zu bewerten ist oder welche Handlung in dieser Situation das Problem lösen könnte, sind nicht gefragt. Im Gegenteil: Umständliche Entscheidungsprozesse vermindern sogar den Spielerfolg. Die Quantität der Reaktionen ist bei den meisten Spielen wichtiger als die Qualität. Eine Konsequenz häufigen Spielens könnte sein, dass das Gehirn durch diese Spezialisierung auf schnelle, unreflektierte Reaktionen andere Fähigkeiten, wie etwa konzentriertes Problemlösen, einbüßt. Doch gerade das wird in der Schule häufig gefordert. Ständiges Spielen von Gewaltspielen könnte also dazu führen, dass das Gehirn sich anders spezialisiert als für die Schule erwünscht – die Fähigkeiten verlagern sich. Und das könnte am Ende die Erklärung für schlechte Noten sein. Vielleicht auch für Schlimmeres: Die Hannoveraner Forscher wollen als nächstes prüfen, ob die Gewaltbilder auch langfristig die Gehirnfunktionen beeinträchtigen können.

:

Ilka aus der Mark


Alle Beiträge


Checkliste Computersucht

Grafik: Ist mein Kind computersüchtig? Eine Checkliste
für Eltern; entwickelt von der Suchtforschungsgruppe der
Universität Mainz.

Ist mein Kind computersüchtig? Eine Checkliste für Eltern; entwickelt von der Suchtforschungsgruppe der Universität Mainz. [mehr]


Quarks-Bildschirm-Quiz

Grafik: Quarks-Bildschirm-Quiz

Beweisen Sie Medienkompetenz. In unserem Quiz. [mehr]


Mehr zum Thema


Verwandte Themen


Die Top10 Videos
im Januar

Schriftzug "Top10" vor blauem Hintergrund

Schauen Sie sich hier die beliebtesten Quarks & Co-Videos aus dem Januar an. [mehr]


Die Quarks-Symphonie


Die Top10 Videos der Zuschauerfragen

Schriftzug "Zuschauerfragen" vor blauem Hintergrund

Hier sehen Sie die beliebtesten Zuschauerfragen und ihre Auflösungen. [mehr]


Unsere Fan-Seite


Wissen macht Spaß


Service

Skript, Newsletter, Mitschnitt & Co. [mehr]


Sendetermine


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.