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Wie wir frieren

Männer frieren anders als Frauen

  • SendeterminDienstag, 22. Januar 2008, 21.00 - 21.45 Uhr.
  • WiederholungsterminSamstag, 26. Januar 2008, 10.20 - 11.05 Uhr (Wdh.).

Das Temperaturgleichgewicht

Normalerweise hat der Körper eine konstante Temperatur. Die inneren Organe und das Gehirn müssen bei etwa 37 Grad gehalten werden. Das ist für die Stoffwechselvorgänge und die optimale Funktion der Organe notwendig. Doch die Körpertemperatur kann nur unveränderlich bleiben, wenn Wärmeproduktion und Wärmeabgabe im Gleichgewicht sind. Und der Körper gibt ständig Wärme an die Umgebung ab – am meisten über den Kopf. Der muss gut durchblutet sein, denn Gehirn, Augen, Ohren und Sprechorgane benötigen viel Energie. Jogger sollten deshalb im Winter eine Mütze tragen, um den Wärmeverlust zu vermindern. Sobald man über die Hautoberfläche zuviel Wärme verliert, ist die konstante Körpertemperatur in Gefahr. Man beginnt zu frieren – ein Warnsignal des Körpers, dass Unterkühlung droht.

Das Gehirn regelt die Temperatur

In der Haut gibt es etwa 12 Kälterezeptoren pro Quadratzentimeter – das entspricht rund 250.000 Reizempfängern auf den 1,5 bis 2 Quadratmetern Haut. Diese temperaturempfindlichen Nerven senden Impulse an den StichwortHypothalamus im Gehirn. Hier wird die Körpertemperatur reguliert: Bei Kälte greift eine Reihe von Maßnahmen, um einen Temperaturverlust zu verhindern. So können sich beispielsweise die Blutgefäße in der Hautoberfläche zusammenziehen. Dadurch fließt weniger warmes Blut durch die äußeren Hautschichten des Körpers, besonders an Händen und Füßen. So spart der Körper Wärme ein. Auch die Schweißdrüsen, die die Haut kühl halten, senken ihre Produktion bis auf nahezu Null. Instinktiv legt man die Arme eng an den Körper, um die Oberfläche zu verringern - auch dann geht weniger Energie verloren. Doch nicht nur solche Sparmaßnahmen helfen. Zusätzlich kann der Körper auch mehr Wärme produzieren. Das geht am besten mit den Muskeln: Im Ruhezustand sind sie etwa mit 18 Prozent an der Wärmebildung beteiligt. Doch wenn es kalt ist, kann dieser Anteil auf 90 Prozent ansteigen! Zuerst spannen sich die Muskeln an, um Wärme zu bilden. Wenn das nicht reicht, beginnt man am ganzen Körper zu zittern – unwillkürlich ziehen sich die Muskeln zusammen. Und je stärker das Zittern, desto mehr Wärme entsteht wieder im Körper.

Kälteschutz – der kleine Unterschied bei Mann und Frau

Oft heißt es, Frauen frieren schneller als Männer. Tatsache ist, dass beide oft unterschiedliche Voraussetzungen haben. Beim Mann enthält der Körper durchschnittlich 40 Prozent Muskeln und 15 Prozent Fett. Bei der Frau dagegen sind es 25 Prozent Fett und 25 Prozent Muskeln. Wärme wird aber durch Muskeln erzeugt. Fett dagegen kann Wärme nur isolieren. Auch die Dicke der Haut spielt eine Rolle. Die männliche Oberhaut ist meist um 15 Prozent kräftiger und bietet somit eine bessere Barriere gegen den Kälteverlust als die dünne Frauenhaut. Wichtig ist auch das Verhältnis von Körperoberfläche und Körpervolumen. Männer haben häufig ein großes Volumen im Verhältnis zur Oberfläche. So wird mehr lebenswichtige Körperwärme produziert und gespeichert. Frauen sind dagegen oft nicht so kräftig gebaut wie Männer. Sie haben dann ein kleineres Volumen bei einer verhältnismäßig großen Oberfläche. Insgesamt haben Männer also körperlich bessere Voraussetzungen beim Kampf gegen die Winterkälte. Frauen müssten deshalb ein gesteigertes Kälteempfinden haben.

Frieren für Quarks & Co: Kältetest in Berlin

Wir wollten es genau wissen - und haben den Kältetest gemacht: Ein Mann und eine Frau mussten für Quarks & Co bei minus 10 Grad für eine Viertelstunde frieren. Unsere Reporter Katjuschka und Klas gingen am Institut für Physiologie der Berliner Charité in die Kältekammer. Zuvor stellten Ärzte fest, dass beide eine jeweils durchschnittliche Körperbeschaffenheit haben: Klas mit einem größeren Muskelanteil und 18,8 Prozent Körperfett, Katjuschka hingegen mit etwas weniger Muskelmasse, dafür aber einem Fettanteil von 24,2 Prozent. Auch das Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpervolumen ist typisch: bei Klas ist es etwa 14 Prozent kleiner als bei Katjuschka.

Katjuschka kämpft

Foto: Männerarm mit Elektroden und Gänsehaut
Der Quarks-Kälte-Versuch zeigt: Trotz Gänsehaut kühlt die männliche Testperson nicht so schnell aus wie die Frau

Beim Kältetest in der Kühlkammer zeigte sich auch tatsächlich, dass Katjuschka stärker mit der Kälte zu kämpfen hatte. Sie kühlte schneller aus, wie die Thermobilder belegten. Immer wieder konnten die Messsonden bei ihr ein heftiges Zittern der Muskulatur aufzeichnen, viel stärker als bei Klas. Die Instrumente zeigten auch, dass ihre Blutgefäße weiter gestellt waren. Das lag an der stärkeren Muskelaktivität beim Zittern, wie die Experten vermuteten. Denn ihre Muskulatur musste aufgrund der ständigen Anspannung mehr mit frischem Blut versorgt werden. Durch die weiter gestellten Gefäße verlor Katjuschka aber wieder mehr Wärme als Klas. Auch ihre Herzfrequenz stieg an – von 80 auf 130 Schläge pro Minute. Ebenfalls ein Zeichen, dass Katjuschka besonders gegen die Kälte ankämpfen musste, so die Experten. Der Quarks-Kältetest hat also bestätigt, was man aufgrund der Körpereigenschaften feststellen kann: Frauen frieren schneller als Männer. Doch eigentlich ist Frieren und die Reaktion auf Kälte immer individuell, betonen die Experten. Entscheidend ist, wie der jeweilige Körper aufgebaut ist – schließlich gibt es ja auch starke, große Frauen und kleine, schwache Männer.

Stichwörter

1 Hypothalamus
Der Hypothalamus liegt im unteren Bereich des Zwischenhirns. Er ist nur etwa 15 Gramm schwer und so klein wie ein Fünf-Cent-Stück. Doch seine Bedeutung ist immens: Selbst geringste Störungen im Hypothalamus haben Auswirkungen auf die Lebensfähigkeit des Menschen. Denn dieses kleine Gehirnorgan ist ein Verbindungsstück zwischen dem Nervensystem und dem Hormonsystem, zwischen dem Körper und den übrigen Regionen des Gehirns. Es ist bei der Steuerung vieler körperlicher und psychischer Vorgänge von Bedeutung. Neben der Messung und Überwachung der Körpertemperatur kontrolliert der Hypothalamus auch den Wasserhaushalt, die Kreislauffunktionen des Magen-Darm-Traktes und der Blasenfunktion. Und mehr: Er steuert zudem die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme und Emotionen wie Wut und Aggression. Zurück zum Absatz
Autor:

Carsten Binsack

Stand: 06.02.2007


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